Montag, 24. März 2008

Rapid wähnte sich bei 7:0 'im falschen Film': 'Müssen erst realisieren, was da passiert ist'

  • Pacult während Match mit ungläubigem Kopfschütteln
  • Hoffer & Maierhofer mit Visitenkarte für Hickersberger

Erst der ernste Blick, dann ein Kopfschütteln, schließlich doch ein zaghaftes Lächeln. Rapid-Coach Peter Pacult machte lange Zeit nicht den Eindruck, einem historischen Moment in Grün-Weiß beizuwohnen. Mit einem 7:0-Torfestival demütigte ein entfesselter Rekordmeister am Ostersonntag Meister Salzburg vor eigenem Publikum und sorgte im Meisterschaftsfinale für die größte Sensation der laufenden Bundesliga-Saison.

"Wir müssen uns bei der Rückfahrt das Spiel noch einmal anschauen, damit wir realisieren, was da passiert ist", meinte der unterbeschäftigte Rapid-Goalie Helge Payer. Regisseur Steffen Hofmann, der seine Leistung mit dem 7:0 krönte, schien ebenfalls fast sprachlos ob des Geschehenen. "Es ist immer weitergelaufen, nach dem 6:0 habe ich gedacht, ich bin im falschen Film. Es ist ein Wahnsinn, jeder Schuss war ein Treffer", meinte der Deutsche.

Vor allem das grün-weiße Sturmduo Stefan Maierhofer und Erwin Hoffer hatte seinen Spaß mit der Defensive der Hausherren, steuerte gleich fünf Treffer zum Kantersieg bei und war bei fast jeder gefährlichen Aktion dabei. Die Taktik von Pacult, der mit der Entscheidung für Hoffer/Maierhofer anstelle von Techniker Bazina genau ins Schwarze traf, ging voll auf. Lange, hohe Bälle auf den 2,02 m großen Maierhofer und ein wieselflinker Hoffer, der die Vorlagen ersprintete, waren zu viel für die Salzburger.

"Ein geiles Spiel"
"In Salzburg muss man erst einmal 7:0 gewinnen. Wir haben uns fest vorgenommen, dass wir gleich von Beginn an konzentriert sein und auch selbst die Initiative ergreifen müssen", meinte der 20-jährige Hoffer, Mitglied des erfolgreichen U20-Nationalteams (WM-Platz vier), nach dem ersten Triple-Pack seiner Bundesliga-Karriere. Sturmpartner Maierhofer, der mit einer Gelben Karte in der vierten Minute rasch seinen Einsatzwillen demonstriert hatte, schwärmte: "Wir wollten die drei Punkte, aber dass wir so ein geiles Spiel abliefern, ist natürlich für die Fans überwältigend".

Der baumlange Niederösterreicher - laut eigener Aussage in "Topverfassung" - gab ebenso wie Hoffer ("Das Nationalteam ist für mich natürlich immer ein Thema") erneut seine Visitenkarte bei Teamchef Josef Hickersberger ab, für Rapid könnte seine Erfolgsserie (vier Tore in einer Woche) jedoch teuer werden. Maierhofers Leihvertrag mit den Wienern läuft im Sommer aus, Rapid hat keine Kaufoption, daher wäre eine stattliche Ablösesumme an den deutschen Zweitligisten Greuther Fürth fällig.

Entscheidung erst nach sechstem Tor
Pacult fand es auch nach dem Spektakel mit elf Salzburger Statisten "schwer, Worte darüber zu finden". "Auch nach dem 4:0 war ich noch nicht entspannt, im Fußball kann alles schnell gehen. Letztlich fiel erst die Entscheidung, als das 6:0 gefallen ist", meinte der seit September 2006 amtierende Rapid-Coach.

Mit dem Torfestival machte der neue Spitzenreiter auch im Hinblick auf das vielleicht entscheidende Torverhältnis einen Schritt Richtung möglichen Titel. "Für Salzburg war es ja quasi ein 14-Tore-Spiel", erklärte Pacult. Rapid liegt bei fünf ausstehenden Runden mit einem Zähler Vorsprung mit plus 24 Toren auch klar vor Salzburg mit plus 16, der LASK hält bei zwei Punkten Rückstand als Dritter bei plus 11.

(apa/red)


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24.3.2008 16:29