Ein "schwarzer Tag" für Salzburgs Fußball:
"Nicht nur Niederlage, sondern Katastrophe"
- Marc Janko spricht nach 0:7 von "richtiger Watschn"
- Auslandsmedien: "Dose leer bei Red Bull Salzburg"

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Ostersonntag, der 23. März 2008, wird als bis dato "schwärzester Tag" in die Salzburger Fußball-Geschichte eingehen. Noch nie ist ein österreichischer Meister oder Bundesliga-Tabellenführer in der heimischen Meisterschaft so gedemütigt worden. Mit einem 0:7-Heimdebakel gegen den direkten Titelkonkurrenten Rapid lieferte Meister Red Bull Salzburg eine einmalige Pleite ab. "Das ist nicht nur eine Niederlage, das ist eine Katastrophe. In 50 Jahren habe ich als Spieler und Trainer nie sieben Tore erhalten", meinte ein frustrierter Coach Giovanni Trapattoni und ÖFB-Teamhoffnung Marc Janko fasste zusammen: "Das war eine richtige Watschn".
Obwohl die Mozartstädter mit einem Zähler Rückstand gegenüber Rapid weiter mitten im Meisterschaftsrennen stehen, war beim desolaten Auftritt gegen den Rekordmeister gar nichts von einem Titelkandidaten zu sehen. Das Abwehrverhalten war stümperhaft, ein Aufbäumen weit und breit nicht zu sehen, dafür offenbar Lustlosigkeit bei Leistungsträgern. Routiniers wie Vargas, Sekagya, Carboni oder der nicht topfite Zickler zeigten keine Ambitionen, ihre Mannschaft nach dem schnellen Rückstand wachzurütteln. Offensichtlich war, dass der gesperrte "Leitbulle" Niko Kovac an allen Ecken und Enden fehlte.
Achtmal musste Salzburg-Goalie Ochs in Heimpartien in dieser Saison hinter sich greifen, allein am Ostersonntag wäre diese Marke fast geknackt worden. Vor allem das Innenverteidiger-Duo Vargas/Sekagya lieferte gegen den Rapid-Sturm Maierhofer/Hoffer eine erbärmliche Vorstellung ab. "Es war ein Paarlaufen, ein Schaulaufen. Eines Tabellenführers nicht würdig", meinte Salzburgs "Co" Michael Streiter.
"Mir fehlen die Worte"
Bis zum Auftritt im Innviertel ist im Lager des Titelfavoriten Wundenlecken angesagt. Ohne Straftraining. Trapattoni hatte am nächsten Tag nur neun Mann zur Verfügung, weil etliche Spieler schon bei ihren Nationalteams waren, und machte das lockere Training selbst mit. So wie die Stimmung war auch der Coach schweigsam. Co-Trainer Michael Streiter meinte: "Mir fehlen noch immer die Worte." Eine angekündigte Aussprache wurde wegen des kleinen Trainingskaders verschoben und soll nach den Länderspielen stattfinden.
"Maestro" Trapattoni, einer der erfolgreichsten Trainer, war jedenfalls nach Spielschluss ratlos. "Wir müssen unbedingt klären, was in den Köpfen passiert ist - wir waren nicht körperlich, sondern mental und organisatorisch schwach. Die Spieler waren wie gelähmt. Ich bin sehr enttäuscht vom individuellen Verhalten einzelner Spieler", sagte der Coach. Dass sich die Ausgangsposition im Titelkampf nun gedreht hat, weiß der Italiener. "Bisher waren wir Favorit, aber die Chance auf den Titel ist noch immer da, warum auch nicht?".
Meistertitel weiterhin Thema
Ähnlich sahen es die Spieler, die fünf Runden vor Schluss dennoch ihre Titelchance nicht aufgeben wollen. "Wir müssen trotz allem das Positive herausnehmen und das ist, dass wir nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer liegen", war der kroatische Teamkapitän Kovac der Erste, der den Blick nach der höchsten Heimpleite eines Salzburger Teams in der Bundesliga-Geschichte überhaupt wieder nach vorne richtete. Auch Janko wollte keine Endzeitstimmung aufkommen lassen: "Der größte Fehler wäre, wenn wir uns jetzt selbst zerfleischen". "Die Sache muss aus den Köpfen. Wir müssen alles versuchen, die Meisterschaft nach Salzburg zu holen", sagte Zickler.
Die blamable Vorstellung des österreichischen Meisters blieb jedenfalls auch dem Ausland nicht verborgen, wobei vor allem Trapattoni im Mittelpunkt stand. "Trap, eine historische Schlappe! Er bekommt sieben Tore von Rapid", titelte die "Gazzetta dello Sport" in ihrer Online-Ausgabe. Auch die deutsche "Bild"-Zeitung schrieb pointiert: "Dose leer bei Red Bull Salzburg...Der Ex-Bayern-Coach wurde im Spitzenspiel der österreichischen Liga böse vermöbelt". (apa/red)
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