Lanzinger schließt Reha erfolgreich ab:
Vorfreude auf Urlaubsreise und Haus bauen
- 'Schönes Gangbild' nach 46 Tagen im Reha-Zentrum
- 'Leute können nicht sagen, welches Bein betroffen ist'

Knapp zehn Wochen nach seinem fürchterlichen Sturz im Super-G von Kvitfjell (NOR) und nach 46 Tagen Rehabilitation ist Matthias Lanzinger aus dem Rehabilitationszentrum in Bad Häring (Tirol) entlassen worden. Der Salzburger will sich vorerst mit Freundin Eva eine Auszeit nehmen und Urlaub machen. Hans Peter Jonas, der ärztliche Leiter, bezeichnete Lanzinger beim Abschied als einen Musterpatienten.
Vor der Abschiedspressekonferenz zeigte Lanzinger den anwesenden TV-Teams und Fotografen, welche Fortschritte er in Bad Häring gemacht hat. Mit einer kurzen Hose bekleidet "gaberlte" der Salzburger mit dem offiziellen EURO-Ball und gestand, dass er ein leidenschaftlicher, aber kein guter Fußballer gewesen sei. "Umso mehr freue ich mich jetzt auf die EURO", sagte der Salzburger. "Ich war zuletzt in Salzburg und in Innsbruck, dort merkt man schon, dass das Kribbeln steigt."
Lanzinger bedankte sich für die "tolle Zeit" in Bad Häring. "Dieses Rehabilitationszentrum hat einen hervorragenden Ruf, den ich nur bestätigen kann", sagte er. "Es war so, wie ich mir erwartet habe." Der ehemalige Speedfahrer, dem nach dem Horrorsturz das linke Bein unterhalb des Knies amputiert werden musste, ist stolz, dass er schon ein schönes Gangbild habe. "Leute, die mich treffen, können nicht sagen, welches Bein betroffen ist", sagte er nicht ohne Stolz. Auch die Prothese könne er nun fast schon den ganzen Tag tragen.
Noch nicht Laufen, aber schon Radfahren
Trotzdem habe er noch Probleme. "Ich habe einen hohen Standard gehabt, den ich noch nicht erreicht habe", sagte der ÖSV-Fahrer. Laufen kann er noch nicht, aber Radfahren, und darauf freut er sich schon. Er möchte nun mit lockerem Training beginnen. Jedenfalls sei es in der Rehabilitation immer steil bergauf gegangen.
Für seine persönliche Zukunft hat Lanzinger auch schon Vorstellungen. "Zuerst möchte ich mir mit meiner Freundin eine Auszeit nehmen und Urlaub machen", sagte der 27-Jährige, der eine Einladung von Magic Life hat, aber noch nicht weiß, wohin es gehen wird. "Und dann freue ich mich auf das Haus bauen in Salzburg", erzählte er. "Das war immer schon ein Wunsch von Eva und mir. Fit zu sein, um beim Hausbau dabei zu sein, war für mich eine Motivation in der Rehabilitation."
Berufliche Zukunft ungewiss
Was er in Zukunft beruflich machen wird, wusste der Stams-Maturant bei seiner Entlassung noch nicht. "Ich habe einige Tests und Persönlichkeitsanalysen gemacht", so Lanzinger. "Dabei ist herausgekommen, dass ich sehr kommunikativ bin. In diese Richtung möchte ich mich auch entwickeln."
Froh zeigte er sich auch darüber, dass er wieder motorisiert ist. "Denn Mobilität ist ein großes Stück Freiheit." Von Audi bekam er einen Automatik-Boliden und von KTM einen Straßenrenner mit 1200 ccm, umgebaut, damit er mit der Hand schalten kann. "Gott sei Dank, die normale Maschine, und nicht eine von Heinz Kinigadner getunte", scherzte der Motorradfreak.
"Ein Vorbildpatient"
Hans Peter Jonas, der ärztliche Leiter in Bad Häring, bedankte sich zum Abschied bei seinem prominenten Patienten: "Er war ein Vorbild- und Vorzeigepatient. Die Arbeit mit ihm war ein Vergnügen. Er hat aber die Latte für andere Patienten sehr hoch gelegt." Durchschnittspatienten müssten nach einer vergleichbaren Amputation mindestens drei Monate in Bad Häring bleiben.
Als Lanzinger zum Abschluss seinen Koffer packte und mit dem Audi abdüste, war es kein Abschied für immer. Denn der Feinschliff an der Prothese steht noch bevor. Auch die Möglichkeit einer Sportprothese steht im Raum. Übrigens: Die Kosten für die Prothese übernahm die AUVA, da Lanzingers Sturz ein Arbeitsunfall gewesen ist.
(apa/red)
