Präsident Klaus auf Arbeitsbesuch in Wien:
Scharfe Kritik an der Klimapolitik der EU
- Klimaschutzziele bis zum Jahr 2020 nicht realisierbar
- Plus: Staatsoberhaupt stellt Erderwärmung infrage

·Globale Erwärmung reduziert das Dauereis
Eis der Arktis schmilzt trotz kalten Winter weiter
·Weniger Feinstaub durch milden Winter
Größter Problembereich ist & bleibt weiterhin Graz
Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus hat bei einer Buchpräsentation und Diskussionsrunde in Wien heftige Kritik an der EU-Klimapolitik geübt. "Wie wollen die führenden EU-Politiker es schaffen, die CO2-Emissionen in den nächsten zwölf Jahren um 20 Prozent zu senken?", fragte Klaus bei der Veranstaltung. Der Anstieg der CO2-Emissionen hänge unweigerlich mit dem Anstieg des Wirtschaftswachstums zusammen, erklärte Klaus und zog den Schluss, dass man die Wirtschaft ja nicht absichtlich bremsen könne, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren.
Klaus warnte außerdem vor einer übertriebenen Klimahysterie und stellte die globale Erderwärmung infrage. Die Durchschnittstemperatur der vergangenen 100 Jahre zu messen sei "problematisch". Die höchste Temperatur im vergangenen Jahrhundert sei im Jahr 1998 gemessen worden, und seitdem würde es keine Erwärmung mehr geben, stellte der tschechische Präsident fest. Mehr Angst als vor einer möglichen Erderwärmung habe er davor, dass die menschliche Gesellschaft wieder "von oben" kontrolliert werde.
Angstmacherei mit der Umwelt?
Die Bedrohung des Klimawandels sei in Wirklichkeit keine so große, aber die Politik mache sich das Thema zunutze und dies könne den Menschen in einigen Jahren die Freiheit kosten, konstatierte der Staatspräsident und studierte Volkswirtschaftler. Klaus verwies in diesem Zusammenhang auf sein bereits im vergangenen Jahr erschienenes Buch "Blauer Planet in grünen Fesseln. Was ist bedroht: Klima oder Freiheit?". Die Wissenschaft zum Thema Klimaschutz habe sich nicht geändert - nur die Ideologie, sagte Klaus.
Klaus berief sich bei seinen Angaben auf eine Studie, welche 15 Jahre zurückreiche und bestätige, dass die CO2-Emissionen eines Landes mit dem Bruttosozialprodukt, der Emissionsintensität und der Einwohnerzahl zusammenhängen. Als Beispiel hierfür nannte er unter anderem Österreich. Hierzulande sei der Emissionsanstieg in den letzten 15 Jahren um 29 Prozent gestiegen und dies korreliere mit dem österreichischen Bruttosozialprodukt, das laut Klaus in derselben Zeitspanne ebenfalls um 29 Prozent angestiegen ist. Die derzeitige Klimakontrolle basiere auf "keiner seriösen Basis" und die Auswirkungen der bisherigen Maßnahmen seien zu gering und nicht messbar, stellte Klaus fest.
Anti-Al-Gore "wäre zu billig"
"Bedroht ist die Zukunft von uns allen", bemerkte Klaus und appellierte an alle Menschen, wieder pragmatisch und realistisch zu denken. Er könne nicht damit einverstanden sein, dass der Konsens der Wissenschaftler beim Thema Klimapolitik ein immer größerer werde - im Gegenteil. Der oft erwähnte Verlust von Ressourcen werde nicht eintreten, diese wachsen ständig und dies sei auch belegt, betonte der tschechische Präsident.
Auf die Frage, ob man den tschechischen Staatspräsidenten auch als "Anti-Al-Gore" bezeichnen könne, antwortete dieser: "Das möchte ich nicht, das wäre zu billig." Der Veranstaltung, zu der die Alpbach Talks, die "Wiener Zeitung" und die Albertina geladen hatten, wohnte auch der Präsident des Europäischen Forum Alpbach, Erhard Busek, bei. (apa/red)
