Freitag, 28. März 2008

Steter Abstieg: Simbabwe "hoffnungsloser Fall mit einer gebrochener Gesellschaft"

  • War einst zweitreichstes Land südlich der Sahara

Die knapp 30 Jahre unter Präsident Robert Mugabe hätten Simbabwe vom zweitreichsten Land südlich der Sahara zu einem "hoffnungslosen Fall mit einer gebrochenen Gesellschaft" gemacht. So hat David Coltart, führendes Mitglied der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC), die Situation in dem südafrikanischen Land beschrieben.

Nach der Unabhängigkeit Simbabwes von der britischen Kolonialmacht 1980, damals unter dem Namen Rhodesien, sei das Land voll von engagierten, gebildeten und talentierten Leuten gewesen. Innerhalb der darauffolgenden 15 Jahre hätte es jährlich ein Wirtschaftswachstum von 5 Prozent gegeben, so Coltart.

Die Situation habe sich dramatisch geändert, vor allem nach dem Jahr 2000. Laut Coltart seien 70 Prozent der Agrarwirtschaft durch die schlechte Verwaltung der Regierung zerstört worden. 45 Prozent der Bevölkerung seien unterernährt, die Arbeitslosenrate liege bei über 85 Prozent. Einer von vier sei mit dem HI-Virus infiziert und 350 Kinder würden täglich verwaisen. Simbabwe habe weltweit die niedrigste Lebenserwartung - Frauen würden durchschnittlich im Alter von 34 Jahren sterben.

150.000 Prozent Inflationsrate
Die Inflationsrate klettere derzeit auf 150.000 Prozent. Der Preis für eine Packung Milch kann zwischen dem Herausnehmen aus dem Regal und dem Bezahlen an der Kasse schon gestiegen sein. Daher sei es nicht verwunderlich, dass Simbabwe die zweithöchste Auswanderungsrate habe - nur unter den Palästinensern gebe es eine höhere Quote.

Schuld an der katastrophalen Situation sei die Clique um die regierende Zanu-PF von Mugabe, die sogenannte "Zim Mafia". In einem Bericht auf der kritischen Website "Zimbabwe Today" werden die Machenschaften der Politiker der Partei angeprangert. Während die Bevölkerung in bitterer Armut lebe, bereicherten sich Vertreter der Zim Mafia durch Bestechung und Korruption. Durch den Handel mit Zucker, Blumen, Zement und Gold seien einige wenige zu großem Reichtum gekommen.

Die Abwahl des seit 1980 regierenden Präsidenten Robert Mugabe gilt als wenig wahrscheinlich. Durch die Hinderung der Opposition an dem Zugang zu den Medien und der Möglichkeit, öffentlich aufzutreten, könne die Wahl schon im Vorfeld als unfair bezeichnet werden, so Coltart. Diese sei jedoch nicht nur bedeutend für Simbabwe, sondern könnte auch als demokratisches Modell für ganz Afrika dienen. Sollte diese Chance nicht wahrgenommen werden, sei das ein Freibrief für die Despoten quer über den Kontinent, so Coltart.

(apa/red)

28.3.2008 16:53