Sonntag, 30. März 2008

Familie zwischen warten, hoffen und beten:
Andrea Kloibers Eltern dankbar für Mitgefühl

  • Mutter: "Am Liebsten würde ich mit ihr tauschen"
  • Appell an Entführer, die Sahara-Geiseln freizulassen

Warten, hoffen und beten, mehr können die Eltern von Andrea Kloiber (43) aus Hallein bei Salzburg nicht tun. Vor fünf Wochen wurden ihre Tochter und deren Lebensgefährte Wolfgang Ebner (51) von Terroristen der "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" in der Sahara entführt. "Am Liebsten würde ich mit Andrea tauschen", sagt Kloibers Mutter Christine Lenz mit tränengefüllten Augen im APA-Gespräch. Viel Kraft schöpfen sie und ihr Ehemann Reinhard aus dem Glauben an Gott und der herzlichen Anteilnahme, die ihnen Angehörige, Freunde und Regierungsmitglieder schenken.

Eine Madonna mit Jesuskind und ein Kruzifix zieren die Wohnzimmerwand des Halleiner Pensionistenpaares. Wenige Zentimeter entfernt erinnert ein Porträtfoto von Andrea Kloiber an glückliche Tage - ihre Augen strahlen Wärme und Lebensfreude aus. "Sie ist ein lustiger, freundlicher und hilfsbereiter Mensch. Sie geht auf die Leute zu. Und sie ist sehr willensstark. Hoffentlich steht sie das jetzt durch", sorgt sich die 65-jährige Mutter.

Die Eltern der Geisel durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Einmal ist die Hoffnung und Zuversicht stärker, dann wieder die Angst um das Leben der Entführten. "Wenn ich nicht schlafen kann, denke ich mir: Ich schicke euch viel Kraft", erzählt Christine Lenz. Jeden Nachmittag geht sie mit ihrem Mann beten.

"Auf Wüstenurlaub sehr gefreut"
Das letzte Mal gesprochen hat die 65-Jährige mit ihrer Tochter beim Abschied ein paar Tage vor der Afrikareise. "Sie hat sich auf ihren ersten Wüstenurlaub sehr gefreut. Eine Woche lang las sie den Reiseführer. Zuvor hat sie ja nur Badeurlaube oder Skitouren unternommen." Jetzt sind ihre Kinder schon größer, deshalb konnte sie länger wegfahren. "Wenn man einmal die Freiheit hat, wird sie einem gleich wieder genommen", resigniert die Mutter.

Kleine Details nähren die Hoffnung auf ein gutes Ende. Zum Beispiel ein Foto der Entführten, auf dem auch ihre zwei Schäferhunde Chiara und Occi abgebildet sind. Oder ein weiteres Foto, auf dem die Salzburger im Kreise der Geiselnehmer sitzen. Für die Eltern ein Zeichen, dass sie fair behandelt werden.

"Zur falschen Zeit am falschen Ort"
Einen Vorwurf gegen Wolfgang Ebner, der schon mehrmals individuell mit dem Landrover in der Wüste unterwegs war, erheben sie nicht. Kritische Stimmen meinen, es sei unverantwortlich, ohne einen lokalen Führer durch das südliche Tunesien oder angrenzende Algerien zu fahren. "Er war nicht leichtsinnig. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort - das war ihr großes Pech. Sie sind unschuldig dazugekommen. Wir hoffen sehr, dass die Entführung bald ein positives Ende nimmt", sagt der 67-jährige Vater von Andrea Kloiber.

Seine Anteilnahme gilt jetzt der Mutter der im Irak entführten und getöteten Oberösterreichischen Geisel Bert Nussbaumer. Erst kürzlich habe er mit ihr telefoniert. "Da war sie noch voll Hoffnung, dass ihr Sohn lebt." Dass diese Hoffnung "innerhalb kürzester Zeit zerplatzen kann", hat das Ehepaar Lenz sehr getroffen. "Jetzt hat sie endlich Gewissheit, was passiert ist. Wir beten für Maria Nussbaumer, dass sie über das Leid einigermaßen hinwegkommt."

Appell für Freilassung
Den aktuellen Verhandlungsstand mit den Geiselnehmern kennen die beiden Halleiner nicht. "Wir wissen nicht einmal, wo sich die Entführten befinden. In den vergangenen Tagen haben wir auch nichts Neues erfahren. Wegen der Nachrichtensperre. Und mit Spekulationen wollen wir uns nicht belasten", meint Reinhard Lenz. Er und seine Frau appellieren nochmals an die Terroristen, die zwei Salzburger endlich freizulassen.

Falls seine Tochter als Erste freigelassen wird - wie in einem Brief von führenden Al-Kaida-Terroristen offenbar gefordert - kann sich Reinhard Lenz durchaus vorstellen, dass sie sich nicht von ihrem Freund trennen will und bleibt. "Außer es geht ihr gesundheitlich sehr schlecht," räumt ihre Mutter ein.

"Wir meistern das gemeinsam"
Hilfe und Unterstützung erhält das Ehepaar Lenz im Kreise der Familie und von Ebners Angehörigen - "wir meistern das gemeinsam" -, von Freunden und Regierungsmitgliedern. "Dafür möchten wir uns sehr bedanken - auch bei den Medien, die uns weitgehend in Ruhe lassen." Im Briefkasten stapeln sich Briefe und Karten mit aufmunterten Worten.

Anschuldigungen - etwa, dass bei einer Lösegeldzahlung der Steuerzahler zum Handkuss komme - sind sie selten ausgesetzt. Einmal rief eine unbekannte Frau sechsmal hintereinander an und jagte Schimpftiraden durchs Telefon. Die positiven Stimmen überwiegen. Während des APA-Gesprächs rief der Generalvikar der Salzburger Erzdiözese, Hansjörg Hofer, an. "Er sagte, dass auch Erzbischof Alois Kothgasser mit uns fühlt und für uns betet." Ihre Hoffnung auf baldige Freilassung der Geiseln bekundeten am Telefon auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Außenministerin Ursula Plassnik, Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und LHStv. Wilfried Haslauer.
(apa/red)

30.3.2008 13:33