Freitag, 28. März 2008

Uribe verweigert den Rückzug der Armee:
Kolumbiens Geiselfrage droht zu scheitern

  • Zustand von Ingrid Betancourt hat sich verschlechtert
  • Regierung will von FARC die ersten Schritte sehen

Nach neuen Berichten über den alarmierenden Gesundheitszustand der in Kolumbien von linken FARC-Rebellen festgehaltenen Ingrid Betancourt hat die Regierung in Bogota ihre generelle Bereitschaft zu einem Geiselaustausch bekräftigt. Jedoch gab es keinen Hinweis darauf, dass der konservative Präsident Alvaro Uribe bereit sei, eine von den Rebellen geforderte entmilitarisierte Zone im Süden des Landes zu schaffen. Daran scheitert der Austausch seit Jahren, obwohl beide Seiten immer wieder behaupten, ihn eigentlich zu wollen.

Unterdessen setzten die Behörden ihre Untersuchung von 30 Kilogramm abgereicherten Urans fort, an dessen Kauf die FARC-Rebellen Interesse gezeigt haben sollen. Abgereichertes Uran ist ein Abfallprodukt bei der Urananreicherung und weniger strahlend als Natururan. Es habe weder einen militärischen Nutzen noch sei es wegen seiner geringen Strahlung für den Bau einer "schmutzigen Bombe" geeignet, sagte der US-Experte für Internationale Sicherheit, John Pike. "Jeder normale Mensch hat in seiner Küche gefährlichere Substanzen", betonte er.

Die kolumbianische Polizei hatte nach eigenen Angaben auf einem Computer von FARC-Vize Raul Reyes, der bei dem Bombenangriff auf ein FARC-Lager im Nachbarland Ecuador getötet worden war, Hinweise auf das Uran gefunden. Die Substanz war dann in einem Armenviertel im Süden der Hauptstadt Bogota sichergestellt worden. Die FARC-Rebellen seien womöglich daran interessiert gewesen, die Charge zu erwerben, um sie an eine ungenannte Regierung weiterzuverkaufen, hatte die Polizei weiter mitgeteilt.

Geisel Betancourt
Sollte die an Hepatitis B erkrankte 46-jährige Betancourt in der Geiselhaft sterben, würde das Ansehen der Rebellen noch weiter sinken, aber auch Uribe müsste sich vorwerfen lassen, zu wenig für die Freiheit der Geiseln unternommen zu haben. Uribe habe ein Dekret unterzeichnet, das den angestrebten Austausch der Geiseln gegen inhaftierte Rebellen zumindest grundsätzlich ermöglicht, teilte der Friedensbeauftragte der Regierung, Luis Carlos Restrepo mit. "Diesen Schritt kann man auch als Versuch Uribes werten, sich angesichts der möglicherweise tödlichen Konsequenzen seiner Politik gegen Kritik zu wappnen", sagte der oppositionelle Senator Hector Eli Rojas von der Liberalen Partei.

Vor sechs Jahren war die damalige Präsidentschaftskandidatin Betancourt im Süden des Landes von Einheiten der marxistischen Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) verschleppt worden. Ziel der Regierung sei es, Betancourt und andere Geiseln freizubekommen. Die FARC müssten aber den ersten Schritt tun. Dann werde die Justiz angewiesen, inhaftierten Rebellen die Strafen zu erlassen und sie zu entlassen.

Der Gesundheitszustand Betancourts ist nach offiziellen Angaben sehr ernst. Die 46-Jährige sei an Hepatitis B sowie am sogenannten Schwarzen Fieber erkrankt, einem von Sandfliegen übertragenen und mit Hautgeschwüren einhergehenden Leiden. Die FARC sollen etwa 740 Menschen in ihrer Gewalt halten. Etwa 40 von ihnen - Militärs, Polizisten und Politiker - wollen sie gegen 500 inhaftierte Rebellen austauschen.

(apa/red)

28.3.2008 14:27