Dienstag, 25. März 2008

Billigere Fahrscheine für 100.000 Wiener: Mobilpass-Angebot für sozial Schwache

  • Stütze für Sozialhilfebezieher und Mindestpensionisten
  • Öffentliche Verkehrsmittel für Obdachlose nicht gratis

Ab 1. April ermöglicht die Stadt Wien allen Sozialhilfebeziehern und Mindestpensionisten die verbilligte Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel. Rund 100.000 Personen - 60.000 mehr als bisher - sind betroffen. Sie erhalten den sogenannten "Mobilpass", mit dem eine Monatsnetzkarte um 15,20 statt um 49,50 Euro gekauft werden kann. Gratis-Öffis für Obdachlose wird es weiterhin nicht geben.

Schon bisher konnten mehr als 40.000 Personen vergünstigt fahren. Nun sind aber bei der Sozialhilfe nicht nur "Dauerleistungsbezieher" dabei, sondern alle, die zumindest einen Monat lang eine Unterstützung erhalten. Wie Sozialstadträtin Sonja Wehsely in einer Pressekonferenz erklärte, kostet diese Ausweitung die Stadt im Jahr 2008 rund zehn Mio. Euro. Neben der günstigen Monatskarte können auch Halbpreis-Fahrscheine benützt werden.

Stark gestützter Tarif
Mindestpensionisten erhalten den "Mobilpass" für fünf Jahre. Automatisch zugeschickt wird er ihnen allerdings nur, wenn sie auch Mietbeihilfe erhalten. Wenn nicht, muss bei der Magistratsabteilung 40 ein Antrag gestellt werden. Wer Sozialhilfe bekommt, erhält den "Mobilpass" für sechs Monate. Verlängerungsmarken werden automatisch per Post zugesandt. Die Karte ist ausschließlich in Verbindung mit einem Lichtbildausweis gültig und nicht übertragbar. Ermäßigungen bringt sie auch in den Büchereien, den Bädern - sowie bei der Hundeabgabe.

Keine Gratis Öffis für Obdachlose
Wehsely sprach von einem "sehr stark gestützten Tarif". Man gebe jenen Unterstützung und Mobilität, die es brauchten, und das seien nicht nur Obdachlose. Völlig gratis - wie im Vorjahr am SPÖ-Landesparteitag auf Antrag der Sozialistischen Jugend verlangt - biete man dies auch weiterhin nicht an, so die Stadträtin unter Verweis auf das Ergebnis einer Arbeitsgruppe sowie auf die Kosten für das Wiener Öffi-Angebot.

Die Reaktionen fielen großteils positiv aus. "Die kostenlose Nutzung besonders für sozial Schwache und als umweltpolitisch wichtige Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs bleibt natürlich auch weiterhin ein Anliegen der Sozialistischen Jugend", meinte allerdings die Wiener SJ-Chefin Sandra Breiteneder in einer Aussendung. Zustimmung zum "Mobilpass" kam von Caritasdirektor Michael Landau und der Volkshilfe. Die ÖVP sprach von einem Tropfen auf dem heißen Stein.

(apa/red)

25.3.2008 14:02