Mittwoch, 26. März 2008

Nach Serienunfall auf der Westautobahn: Noch mehr Verletzte als bisher angenommen

  • Polizist: Viele Lenker waren viel zu schnell unterwegs
  • Großeinsatz für Rettungskräfte: BILDER des Unglücks

Bei der Massenkarambolage, die sich auf der Westautobahn (A1) in Oberösterreich zwischen Seewalchen und St. Georgen ereignet hat, gab es mehr Verletzte als bisher angenommen: 18 Personen wurden in die Krankenhäuser von Vöcklabruck, Gmunden, Ried, Wels und Salzburg stationär eingeliefert. 60 Menschen erlitten leichte Verletzungen, gab die Autobahnpolizei Seewalchen bekannt. Eine Schweizerin kam ums Leben.

Mehrere Fahrzeuge, an denen DNA-Spuren der bei der Karambolage getöteten Frau vermutet werden, wurden beschlagnahmt. Die 37-Jährige mit einem spanischen Pass und einem Wohnsitz in der Schweiz wollte sich laut Zeugenaussagen um ihr Kind im Fond kümmern, berichtete ein Polizist im Gespräch mit der APA. Demnach habe sie sich abgeschnallt und sei aus dem Auto geschleudert worden, als dieses von einem anderen Fahrzeug erfasst wurde. Nun müsse abgeklärt werden, wie viele Lenker an der Kollision beteiligt waren, so der Beamte. Die Leiche der Frau werde von der Gerichtsmedizin untersucht.

Laut Auskunft der Polizei dürften mehrere Faktoren zu der Massenkarambolage geführt haben: schlechte Sicht durch Schneetreiben, Seitenwind und in vielen Fällen eine Geschwindigkeit, die nicht den Fahrverhältnissen angepasst gewesen sei. Rund 40 Polizisten und Dutzende Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettung waren nach dem Unfall im Einsatz.

Bild der Verwüstung
Den Einsatzkräften bot sich ein Bild der Verwüstung. Rund 50 unverletzte Beteiligte wurden ins Jugendgästehaus Litzlberg gebracht und von Kriseninterventionsteams betreut. Viele weitere mussten im dichten Schneetreiben stundenlang in ihren Fahrzeugen ausharren.

Der Streckenabschnitt zwischen Regau und Seewalchen gilt als besonders gefährlich: Dort ereigneten sich in den vergangenen Jahren vor allem wegen Nebels zahlreiche schwere Unfälle mit einigen Toten. Als Konsequenz wurde eine Nebelwarnanlage installiert.

Fahrbahn "salznass"
Zum Zeitpunkt der Karambolage im Seengebiet auf der Westautobahn sei die Fahrbahn salznass gewesen, betonte die Asfinag in einer Aussendung. Allerdings habe heftiges Schneetreiben geherrscht. Man habe seitens "alles Menschenmögliche getan, die Autobahn verkehrssicher zu halten". Der Unfall dürfte auf menschliches Fehlverhalten in den winterlichen Straßenverhältnissen zurückzuführen sein, lautete die Einschätzung des Autobahnbetreibers.

Die Räumfahrzeuge seien auf der Westautobahn seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz gewesen, betonte die Asfinag. Es komme im gesamten Seengebiet immer wieder zu starken Schneefällen und -verwehungen, daher sollten die Verkehrsteilnehmer unbedingt ihr Fahrverhalten anpassen.

Der Unfall ist trotz einer in dem fraglichen Abschnitt auf zehn Kilometern Länge installierten Nebelwarnanlage der Asfinag passiert. ÖAMTC-Experte Willy Matzke, der an deren Errichtung mitgewirkt hat, hält die rund zwei Millionen Euro teuren Gerätschaften, die auch Schnee und Regen anzeigen, dennoch für sinnvoll.

(apa/red)

26.3.2008 10:27