Mittwoch, 19. März 2008

Mobilfunker weiter unter Druck der EU: SMS
und Anrufe in Fremdnetze noch zu teuer

  • Telekomkommisarin Reding setzt nun ein Ultimatum
  • Auch Datenroaming bleibt weiterhin im Visier der EU

Nach der Senkung der Roamingkosten drängt EU-Telekomkommissarin Viviane Reding die Telekombranche, die Tarife für Handygespräche in andere Mobilfunknetze zu senken. Nach ihrem Willen, müssen die sogenannten Terminierungsentgelte, die die Handybetreiber einander für die Anrufzustellung verrechnen, von derzeit im Schnitt 9,67 Cent pro Minute langfristig auf 1 bis 1,5 Cent sinken, um durch die tatsächlichen Kosten gerechtfertigt zu sein, fordert sie in einem Interview mit der "Financial Times Deutschland".

"Es ist Sache der nationalen Behörden, das zu regeln. Wenn aber der europäische Zusammenschluss der nationalen Regulierer (ERG) bis zu diesem Sommer keine brauchbaren Vorschläge macht, werde ich selbst eingreifen müssen", droht Reding. Laut FTD schwanken die Gebühren für Anrufe in andere Netze von 1,9 Cent in Zypern bis 22,4 Cent in Estland. Ein Dorn im Auge ist der Brüsseler Behörde auch, dass kleinere Betreiber in der Regel mehr verlangen dürfen, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber den Großen ausgleichen zu können. "Ich meine, dass diese Asymmetrien enden sollten", sagte Reding in Richtung Telekomregulierer. Hohe Terminierungsentgelte seien Subventionen gleichzusetzen, die der gesättigte Mobilfunkmarkt nicht mehr nötig habe.

Daten-Roaming weiterhin im Visier der EU
Gleichzeitig setzt die EU-Kommissarin der Telekomindustrie in dem Gespräch ein weiteres Ultimatum: Sollten die Mobilfunkfirmen nicht bis 1. Juli die Kosten für SMS und mobile Internetdienste aus anderen EU-Ländern senken, werde sie tätig werden. Mehr als 12 Cent pro SMS aus dem Ausland sind aus Redings Sicht nicht gerechtfertigt, gegenüber im Schnitt 29 Cent derzeit. Für ein Megabyte im Ausland heruntergeladener Daten dürften die Telekombetreiber untereinander nicht mehr als 35 Cent abrechnen. (apa/red)

19.3.2008 13:40