Mittwoch, 19. März 2008

Nervenkrieg um Geiseln in der Wüste

  • PLUS: Krisenmanagement der Bundesregierung

Osama der Wüste. Der inhaftierte Terrorboss El Para soll gegen die österreichischen Geiseln ausgetauscht werden. Achse Gusi–Gaddafi. Libyens Staatschef als Retter in Not: Das Krisenmanagement der österreichischen Regierung.

Der Name steht ganz oben auf der handschriftlichen Liste: Abderrezak El Para. Das Dokument erreichte am Wochenende die österreichische Botschaft in ­Algerien. Der Inhalt: die Bedingungen für die Freilassung der beiden österreichischen Geiseln von „al-Qaida im Maghreb“, Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber. Abderrezak El Para und zehn weitere Terroristen, die in algerischen Gefängnissen sitzen, sollen ­freigelassen, und – höchstwahrscheinlich – Lösegeld von ­mehreren Millionen Euro muss bezahlt werden. Sonst „sterben die Österreicher“, heißt es.

Brisantes Tauschgeschäft. Experten mutmaßen, dass Letzteres – Geld – die Geiselnehmer am dringendsten brauchen und es deshalb im Vordergrund der Verhandlungen steht. Doch die Forderung nach der Freilassung von Abderrezak El Para verleiht dem Entführungsdra­ma eine problematische politische Dimension. Ab nächs­tem Montag soll er in der Stadt ­Biskra, 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Algier, vor ­einem Militärgericht stehen. Seine Verhaftung galt als größter Erfolg der algerischen Sicherheitskräfte: Der Exboss der „Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC), die sich vor einem Jahr in „al-Qaida im Maghreb“ um­benannte, soll für die spektakulärsten Anschläge in Nordafrika verantwortlich sein: das Bombenattentat auf eine Syn­agoge in Djerba 2002, bei dem 19 Urlauber starben, und auch die Entführung von 32 Sahara-Touristen – darunter zehn Ös­terreicher – im Jahr 2003.

Osama der Wüste nannte sich der ehemalige Fallschirm­jäger der algerischen Armee gerne selbst, womit er auf seine engen Kontakte zum Al-Qaida-Superboss anspielte. Bereits 1991 desertiere er und schloss sich den islamistischen Milizen an, die im algerischen Bürgerkrieg gegen die Regierung kämpften. Bis Mitte der 90er tobte diese Schlacht, der bis zu 200.000 Menschen zum Opfer fielen. Danach kämpften nur die Hardliner weiter: Dazu ge­hörte Abderrezak El Para. Diese blindwütigen Islamis­­ten formierten sich unter dem Namen GSPC neu, und nach den Anschlägen vom 11. 9. 2001 reihten sie sich erst sehr lose, dann auch nominell ins Al-Qaida-Netzwerk ein. 2004 ­en­dete allerdings die Terrorlaufbahn des Osama der Wüste jäh, als ein Trupp tschadischer ­Rebellen Abderrezak El Para samt engsten Mitstreitern in der Wüs­te aufstöberten. Über Libyen wurde er dann nach ­Algerien ausgeliefert. Doch erst jetzt droht ihm die Ver­urteilung: möglicherweise ein Todesurteil, das – derzeit­ – in Algerien nicht vollstreckt wird.

Angst davor und die drei Jahre in den Händen der algerischen Sicherheitskräfte dürften den Terrorhardliner trotzdem gezeichnet haben: „Ich möchte gerne vermitteln, damit die Geiselbefreiung funktioniert“, soll er laut algerischen Medien ausrichten lassen. Sei­ne Bewacher beschreiben ihn als geläutert, als „ruhig und ­besonnen“. Tatsächlich könnte seine Hilfe, wie freiwillig auch immer, ein Schlüssel zur Geiselbefreiung sein. Yahyia Abou Ammar, der derzeit agierende Chef der Sahara-Truppen der Islamisten und Kopf der Entführung der Österreicher, gilt als sein enger Verbündeter, so wie Abdelhamid Abou Zaid. Er ist jener Mann, der derzeit angeblich nicht bloß die Geiseln versteckt und bewacht, sondern auch die geheimen Verhandlungen mit Österreich führt. Auf diese beiden Männer hat ihr Exboss, der inhaftierte El Para, noch immer großen Einfluss.

Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin

19.3.2008 16:26