Samstag, 22. März 2008

Neue Bank mit alten Problemen: Bawag hat die schwere Krise noch nicht überwunden

  • 566 Mio. Euro Verlust nach 1. Jahr unter Cerberus
  • FORMAT: US-Subprimes Hauptgrund für das Minus

Mit dem selbstsicheren Smile und einer Professionalität, die er sich als Spitzenmanager der britischen Barclays Bank antrainiert hat, präsentierte Roberts zu Wochenbeginn die vorläufigen Geschäftsergebnisse für 2007. "Die Bawag PSK geht aus einer Position der Stärke in das Jahr 2008.

Die Kundenzufriedenheit steigt und die Profitabilität ist deutlich verbessert. Die gute Entwicklung der Absatz- und Verkaufszahlen machen mich zuversichtlich, dass sich die Bank in den nächsten Monaten weiter gut entwickeln wird", sagte Roberts und grinste breit. Britischer Humor?

Fehlgeschlagene Spekulationen
Ein gänzlich anderes Bild als die positive Botschaft des Generals liefert eine nüchterne Analyse der Bawag-Zahlen: Das erste Jahr unter dem neuen Haupteigentümer Cerberus endete mit einem Verlust von 566 Millionen Euro und Rückgängen auf nahezu allen Ebenen der Ertragsrechnung. Auch Buchgewinne aus Beteiligungs- und Immobilienverkäufen - immerhin 287 Millionen Euro - reichten nicht aus, um das Ergebnis zu drehen. Einzig die 600-Millionen-Euro-Geldspritze von Cerberus stopfte das Millionenloch.

Überraschenderweise sind es weniger die Altlasten, die der Bank im Vorjahr schwer zu schaffen machten. Die milliardenschweren Karibikverluste der Jahre 1998 bis 2002 wurden bereits in der Bawag-PSK-Fusionsbilanz 2005 verdaut. Der teure Vergleich mit den Refco-Gläubigern fand im Geschäftsjahr 2006 seine Berücksichtigung. Die "neue Bank", wie Roberts sie gerne nennt, beschäftigen nun neue Probleme der alten Art: Sie muss fehlgeschlagene Wertpapierspekulationen verkraften.

Immer wieder Kopfzerbrechen
Um nichts anderes handelt es sich bei den Investments in Asset Backed Securities (ABS) und Collateralized Debt Obligations (CDO), die der Bawag nun Kopfzerbrechen bereiten. Diese sind synthetische Wertpapiere, die beispielsweise Forderungen aus Autofinanzierungen, Hypothekarkrediten oder Kreditkarten bündeln, und deren Preis und Bonität von Ratingagenturen festgelegt wurde. Die Risikoklassifizierung beginnt mit Triple-A, was höchste Kreditwürdigkeit bedeutet, und endet beim Konkurskandidaten. In der aktuellen Finanzmarktkrise werden auch ABS-Produkte mit Triple-A-Status mit enormen Abschlägen bewertet. Insgesamt führt die Bawag CDO/ABS-Papiere im Wert rund 3,3 Milliarden Euro in ihren Büchern. Die Hälfte davon entfällt auf den kriselnden US-Markt. Eine tickende Zeitbombe für Roberts. Schon jetzt musste er 378 Millionen Euro wertberichtigen. Zum Vergleich: Die BA-CA, die größte Bank Österreichs, publizierte einen Wertberichtigungsbedarf von 216 Millionen Euro, und die Erste Bank muss nur 111 Millionen verdauen. Nachdem die Lage eher weiter zu eskalieren droht, ist bei allen Banken 2008 mit weiteren Korrekturen zu rechnen - vor allem in der Bawag. Roberts: "Nur Optimisten können das derzeit ausschließen." Harte Worte aus dem Mund eines Zweckoptimisten.

Nicht weniger bedenklich ist, dass die frühere Gewerkschaftsbank auch in ihrem Kerngeschäft nicht vom Fleck kommt: Der Nettozinsertrag ist leicht, der Provisionsertrag stärker gesunken.

Auf dem Rücken der Mitarbeiter
Das hat auch unweigerlich Konsequenzen für das operative Geschäft. Der Druck auf die Bawag-Mitarbeiter wird sich weiter erhöhen. Im Vorjahr wurden bereits 300 Stellen abgebaut - aktueller Personalstand: 6.361. Bis zum geplanten Börsengang 2012 sollen laut FORMAT-Informationen weitere 700 Jobs dem Rotstift zum Opfer fallen. Die Zahlen werden von der Bawag nicht bestätigt. Sehr wohl aber ein Optimierungsbedarf bei der Personaleinsatzplanung. Roberts: "Mitarbeiter aus dem Back-Office sollen an die Kundenfront." Das sei mit Umschulungen hinzukriegen. Die Gespräche mit Betriebsrätin Ingrid Streibel-Zarfl laufen. Mit straffem Kostenmanagement will Roberts die Kosten-Ertrags-Relation von 87,7 Prozent senken: "Die ist viel zu hoch." Sein ambitioniertes Ziel: "Weniger als 60 Prozent sollten drinnen sein."

Mit Costcutting alleine wird der Bawag-Boss das wohl nicht erreichen können. Auf der Ertragsseite wartet noch mehr Arbeit, siehe die rückläufigen Zins- und Provisionserträge. Angesichts der Milliardenabflüsse von 2006 wirken 120 Millionen Euro Plus bei den Spareinlagen und 94.300 neue Girokonten eher mickrig. Für David Roberts bleibt das ein gigantischer Erfolg. "Alle Trends im Privatkundengeschäft zeigen Verbesserungen", sagt er und zeigt Zähne.

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22.3.2008 21:23