Dienstag, 8. April 2008

Kleinanleger der MEL misstrauen Verkauf: Deal lässt keine Vorteile für MEL erkennen

  • Nur Profit für Meinl Bank und Managemengesellschaft
  • Belohnung für Management trotz großer Verluste

Der Verkauf der Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) stößt auf äußerste Skepsis bei den Kleinanlegern. Der Chef des Interessenverband für Anleger (IVA) sagte, die privaten Anleger seien "sehr frustriert und verunsichert". Der Deal biete den neuen Investoren in erster Linie einen günstige Gelegenheit für den Einstieg. Dass für die Auflösung von Verträgen auch noch Geld an die Meinl Bank fließen solle, empfänden "viele Anleger als Provokation".

Was der Deal den Kleinanlegern bringen solle, könne er bisher nicht erkennen, sagte Rasinger im Gespräch mit der APA. Die privaten Anleger hätten sich vielmehr ein Übernahmeangebot erhofft. MEL benötige keine Kapitalerhöhung. Die Gesellschaft habe "ausreichend finanzielle Mittel".

Keine Vorteile für MEL
Ähnlich äußerte sich auch Alexander Proschofsky vom Austria Börsebrief: "Der Deal ist unserer Einschätzung nach sicherlich ideal für die Meinl Bank und die (bisherige externe MEL-Managemengesellschaft) MERE. Für MEL ist er das Gegenteil", erklärte er in einem Internetkommentar. Statt Schadensersatzforderungen gegenüber der Managementgesellschaft MERE und der Meinl Bank zu prüfen oder zu versuchen, den Managementvertrag aus wichtigem Grund sofort zu kündigen, soll Meinl European Land nach dem gestern vereinbarten Deal für die Auflösung von bestehenden Verträgen mit Meinl Bank und MERE auch noch 280 Mio. Euro bezahlen, davon 160 Mio. Euro in Cash, den Rest in Form von Wandelschuldverschreibung mit einem Kupon von 10,75 Prozent und MEL-Zertifikaten zu einem Bezugspreis von 7 Euro.

Proschofsky erinnerte daran, dass Julius Meinl selbst in einem Interview mit der "Zeit im Bild 2" den wahren Wert der MEL vor sechs Monaten mit 20 bis 25 Euro je Aktie beziffert habe.

Belohnung für MERE unverständlich
Auch Rasinger sagt dazu, aus dem über die MERE gesteuerten nachträglich bekanntgeworden Aktienrückkauf im vergangenen Jahr sei "ein wirtschaftlicher Nachteil von je nach Berechnung 400 Mio. Euro bis über eine Mrd. Euro" entstanden. Dass es dafür noch 280 Mio. "Belohnung" geben solle, sei "unverständlich". Vielmehr solle der Aufsichtsrat prüfen, ob es nicht ausreichend Kündigungsgründe für den Managementvertrag gebe. Außerdem verlangt er, dass MEL auch sofort die Gebührenzahlung für die Verwendung des "mehr als angekratzten Namens Meinl" einstellen solle, nachdem die Gesellschaft im Zuge des Deals ohnehin umbenannt werden soll, was Rasinger als "positiv" bezeichnet.

Von Zeichnungsmöglichkeiten für die bestehende Aktionäre bei der geplanten 300 Mio. Euro schweren Kapitalerhöhung hält der Kleinanlegervertreter nichts. Die privaten Anleger würden sich vielmehr ein Übernahmeangebot zum Vermögenswert (Net Asset Value) - zuletzt mit 15,15 Euro beziffert - oder zum vorjährigen Rückkaufkurs von 19,93 bzw. 20,78 Euro pro Stück erwarten. Stattdessen werde von den Anlegern "nach all der Frustration" verlangt, dass sie im Gegenteil noch einmal "zusätzliches Geld" nachschießen sollten. Man könne davon ausgehen, dass kaum einer der privaten Anleger, die bisher bei MEL "nur eingezahlt, keine Verzinsung erhalten und Risiko getragen" hätten, bereit sein werde, das Angebot anzunehmen. Für den neuen Miteigentümer Gazit-Globe, der sich verpflichtet hat, die Kapitalerhöhung zu tragen ("underwriting"), ergebe sich daraus lediglich die Möglichkeit, günstig einzusteigen.

(apa/red)

8.4.2008 11:01