Training für Top-Jobs: Wie österreichische Unternehmen ihre Mitarbeiter intern fördern
- Höhere Aufstiegschancen durch richtige Weiterbildung
- NEWS: Persönlichkeits- & Verkaufstraining im Trend

Ein Unternehmen ist immer nur so gut wie seine Mitarbeiter. Gute Leute aber können sich aussuchen, für wen sie arbeiten. Beim Wettbewerb um die besten Mitarbeiter geht es deshalb nicht mehr allein ums Gehalt, sondern verstärkt auch um nichtmonetäre Anreize, wie etwa Weiterbildungsprogramme, die neue Karrierewege im Konzern eröffnen.
"Die jährliche Fluktuation im RZB-Konzern ist mit nur fünf Prozent so gering", sagt Günther Lindenlaub, Leiter Global Markets bei Raiffeisen, "weil hier High Potentials gezielt gefördert werden." Er selbst ist dafür das beste Beispiel. Einmal auf den Radarschirm der Chefs gelangt, durchlief Lindenlaub zahlreiche Förderprogramme im Unternehmen: Coachings zur Stärken-Schwächen-Analyse, Kommunikationstrainings - das Kursbuch der RZB fasst über 100 Seiten. "In den Kursen wächst man sukzessive in Führungspositionen hinein."
Höhere Aufstiegschancen
Netter Nebeneffekt: Die Seminare eignen sich auch vortrefflich zum Networking mit Kollegen in gleicher Position - laut WIFI-Studie immerhin für 11,4 Prozent aller österreichischen Kursbesucher der größte Anreiz für ihre Teilnahme an einem Weiterbildungsseminar. Noch mehr, nämlich satte 38,8 Prozent, rechnen sich durch gezielte Job-Trainings zusätzlich bessere Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen aus.
Ab zur Spitze
Das war auch die Bewerbungsmotivation von Alexandra Krones für das "Top Performer"-Programm der ÖBB. In diesem wird seit 2007 bei Projektarbeiten oder Einzelcoachings gezielt nach neuen Führungskräften gefahndet. Franz Nigl, Geschäftsführer ÖBB Dienstleistung: "Dadurch erhoffen wir uns, hochqualifizierte Mitarbeiter an die richtigen Positionen zu hieven." Derzeit durchlaufen rund 60 ÖBBler die einjährige Schulung. Als eine der ersten Absolventinnen hat Alexandra Krones bereits jetzt die Teamleitung über zwölf Mitarbeiter im Fernverkehr übernommen.
Lust auf Kurs
Wie gefragt Weiterbildungsprogramme innerhalb der führenden heimischen Unternehmen sind, zeigt auch das Beispiel der Wiener Städtischen. Nicht weniger als 75 Prozent der Mitarbeiter besuchen mindestens einmal im Jahr eines der über 200 Fortbildungsangebote der Versicherungsgruppe. Besonders gefragt sind dabei Persönlichkeits- und Verkaufstrainings. Sales Managerin Michaela Stangl: "Gerade im täglichen Kontakt mit Kunden haben mich die Kommunikationskurse ein großes Stück weitergebracht."
Soft Skills gefragt
Was früher als "Selbstfindungskurse" verlacht wurde, gilt nun als Ding der Stunde. Denn nicht nur in der Versicherungs-, sondern in allen Branchen steigt laut WIFI-Boss Michael Landertshammer der Bedarf an "Soft Skills" wie Kommunikation, Marketing und Personalführung. Bei Hervis, der Sportdivision der Spar-Gruppe, gibt es zum Beispiel einen einjährigen Lehrgang für Führungskräfte. In sechs Modulen konnte sich damit Heinz Sendlhofer vom einfachen Shop-Assistant zum Leiter der Linzer Filiale Blütenstraße hochlernen: "Vor allem habe ich während des Lehrgangs von den Benchmarkreisen profitiert."
Am Puls der Zeit
Ihren Koffer hat auch IT-Spezialistin Ricki Koenig in den letzten acht Monaten beim Online-Wettanbieter bwin. com selten ausgepackt: "Gerade in der Web-Branche muss man am Puls der Zeit sein. Deshalb schickt mich die Firma zu Seminaren in ganz Europa." Derlei Bildungstourismus klingt zwar lustig - doch daheim muss Koenig einen detaillierten Report über den Kurs vorlegen. Bildungscontrolling gibt's eben auch.
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