Samstag, 22. März 2008

Ausverkauf bei Siemens AG Österreich:
Sanierung des Konzerns durch Totalumbau

  • NEWS: Lukrative Österreich-Tochter soll schrumpfen
  • Betriebsratschef: 'Werden 3.500 Mitarbeiter verlieren'

Beim weltweit tätigen deutschen Konzern Siemens brennt derzeit der Hut. Eine Korruptionsaffäre vor wenigen Monaten, eine aktuelle Gewinnwarnung und der Einbruch des Siemens-Aktienkurses belasten den Hightech-Konzern wie noch nie zuvor. Das bekommt nun auch Siemens Österreich zu spüren.

Bislang war die Österreich-Tochter der Paradekonzern innerhalb der Gruppe. Einschneidende Umstrukturierungen, die in der kommenden Woche präsentiert werden, sollen aus dem Multikonzern ein Drei-Säulen-Imperium machen. "Alle Bereiche, die nicht zu den drei Bereichen Medizintechnik, Energie und Industrie gehören, sollen verkauft, oder es soll für sie ein Partner gesucht werden", bestätigt ein Siemens-Sprecher gegenüber NEWS.

Betriebsrat plant Kampfmaßnahmen
Siemens Österreich beschäftigte im Vorjahr 30.254 Mitarbeiter. Friedrich Hagl, Vorsitzender des Zentralbetriebsrates von Siemens, erläutert die Auswirkungen: "Wenn das alles so kommt, dann werden wir rund 3.500 Mitarbeiter verlieren. Das sind mehr als zehn Prozent der Belegschaft." Indes kommentiert Siemens-Sprecher Harald Stockbauer: "Es wird niemand gekündigt. Mitarbeiter werden - falls es zu Verkäufen kommt - von den neuen Firmen übernommen. Das ist fix."

Gespräche im Laufen
Betriebsrat Hagl stemmt sich nicht nur gegen möglichen Personalabbau, sondern auch gegen das Einstampfen der Landesgesellschaft. Hagl: "Siemens Österreich hat sich im Laufe der Zeit breit aufgestellt und macht gute Gewinne. Dadurch sind wir krisenresistent. Der Umbau ist nicht nachvollziehbar und äußerst brutal. Dagegen wehren wir uns, und es gibt Kampfmaßnahmen, wenn nötig." Von Streiks will Hagl noch nicht sprechen: "Ich bin ein Freund des Dialoges. Denn sich gegenseitig bekriegen bringt auf lange Sicht niemandem etwas."

Streiks nicht ausgeschlossen
Welche Maßnahmen neben einer bereits geplanten Betriebsversammlung noch gesetzt werden, hängt von Gesprächen mit dem Konzernbetriebsrat in Deutschland ab, den Hagl noch diese Woche aufsucht. Sollten aber bei der Aufsichtsratssitzung Ende März die Umbaupläne auf der Tagesordnung stehen, dann werden auch Streiks nicht mehr ausgeschlossen.

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22.3.2008 21:22