Vom Winde verweht: Weltweit dramatische Finanzkrise droht endgültig zu eskalieren
- FORMAT: Verluste der Banken werden immer höher
- Großinstitute zittern, Topbanker rufen nach dem Staat
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Deal über 800 Millionen Euro unter Dach und Fach
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Geht an belgische Groß- bank KBC für 350 Mio.
Die Rettung kam in letzter Sekunde. Nur eine konzertierte Aktion der US-Notenbank Fed und der Großbank JPMorgan verhinderte den Kollaps der Investmentbank Bear Stearns, der das weltweite Finanzsystem mit in den Strudel zu reißen drohte. Danach legte Fed-Chef Ben Bernanke noch nach und senkte die Dollar-Leitzinsen massiv um 0,75 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent.
Dies sorgte zwar an den Börsen weltweit für ein Aufatmen - fragt sich nur, wie lange. Offen ist lediglich, welche Bank als nächste in akute Turbulenzen gerät. Auch die britische Großbank HBOS kam ins Gerede. Die Bank dementierte zwar Liquiditätsprobleme - allerdings können derzeit selbst Gerüchte eine Bank in Misskredit bringen. Schon warnt Bernanke-Vorgänger Alan Greenspan vor der größten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Schätzungen für das Gesamtausmaß des Desasters steigen bereits in astronomische Höhen. Anoop Singh, Direktor des Internationalen Währungsfonds IWF, schätzt die weltweiten Verluste der Banken auf 800 Milliarden Dollar. Der angesehene New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini rechnet sogar mit 1.000 bis 2.000 Milliarden Dollar, die am Ende auf Nimmerwiedersehen aus den Bankbilanzen verschwunden sein könnten.
6.000 Milliarden Euro Kursverluste
Noch höher ist schon jetzt die Rechnung für die Anleger. Seit Beginn der Krise im vergangenen August haben Aktionäre weltweit Kursverluste von rund 6.000 Milliarden Euro erlitten.
Angesichts der dramatischen Entwicklungen an den Finanzmärkten lassen sich auch für gewöhnlich als marktliberal agierende Bankenchefs dazu hinreißen, bei Regierungen und Notenbank um Hilfe zu betteln. "Wir haben nicht die Zeit, zu warten, bis der US-Immobilienmarkt über Jahre das Ungleichgewicht abbaut", sagt Josef Ackermann. Der Deutsche-Bank-Chef unterstützt die Forderung, dass der Staat den in die Krise geratenen Banken ihre faulen Hypothekarkredite abkaufen soll. Der Vorstoß von Ackermann kommt nicht ganz uneigennützig. Immerhin hat die Deutsche Bank über 50 Milliarden Dollar an strukturierten Kreditprodukten (sogenannten Asset Backed Securities, ABS) in den Büchern stehen, deren tatsächlicher Wert fraglich ist und die bisher kaum wertberichtigt wurden.
Ackermanns Vorstoß schlägt hohe Wellen. Christian Felber, Sprecher des globalisierungskritischen Vereins Attac Österreich: "Es kann nicht sein, dass die Steuerzahler die Verluste und Risiken übernehmen, die durch die Finanzmarktkrise entstanden sind, die Gewinne in guten Zeiten aber weiterhin allein den Aktionären gehören sollen."
Unabhängig davon, wer letztlich zahlt, sind die Folgen der Bankenkrise schon bis ins Alltagsleben spürbar:
Zehntausende Mitarbeiter haben, vor allem in den USA, bereits ihren Job verloren. Auch in Europa werden Kündigungen wegen des gedämpften Wirtschaftswachstums zunehmen.
Die Zinsen sind kräftig angestiegen, weil die Banken händeringend nach liquiden Mitteln suchen. Der Geldmarktsatz erreicht derzeit 4,66 Prozent, ein sehr hoher Abstand zum Euro-Leitzins von 4,0 Prozent. Kreditnehmer zahlen deutlich höhere Zinsen. Eigentlich müssten die Notenbanken wegen der hohen Inflationsraten die Zinsen sogar noch weiter anheben. Stattdessen werden jetzt die Finanzmärkte - vor allem in den USA - mit billigem Geld eingedeckt, was auch die Geldentwertung weiter beschleunigen kann.
Aktionäre müssen deutliche Verluste verschmerzen. Mitbetroffen von den Börsenturbulenzen sind auch Besitzer von Vorsorgeprodukten wie Fondspolizzen und Hausbauer mit einem aktienbasierten Tilgungsträger für ihren Kredit. So haben Euro-Aktien in den vergangenen zwölf Monaten im Schnitt 14 Prozent verloren, Bankaktien sogar 27 Prozent. Die Wiener Börse kam noch stärker unter Druck: Der ATX verlor in den letzten zwölf Monaten schon ein Drittel an Wert, Bankwerte büßten noch mehr ein. Die Erste-Bank-Aktie gab fast die Hälfte des Wertes (61,5 auf 34,4 Euro) ab, auch Raiffeisen International stürzte von 122,5 auf 74 Euro ab.
Vorsichtige Anleger, die Garantieprodukte gekauft haben, müssen mit möglichen Ausfällen des Garantiegebers rechnen - ein nicht sehr wahrscheinliches, aber auch nicht ganz ausgeschlossenes Worst-Case-Szenario, zumal auch US-Banken unter den Garantiegebern sind.
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