Mittwoch, 19. März 2008

Austria Wien hat wohl das Siegen verlernt:
Nur drei volle Erfolge in 20 Pflichtspielen

  • Austria-Spitzen beraten über Zukunft von Zellhofer
  • Veilchen müssen um UEFA-Cup-Teilnahme bangen

Ist es das Versiegen der Geldquelle Frank Stronachs im Sommer, die ungewisse Zukunft vieler Spieler vor Vertragsgesprächen oder der überraschend verkündete Abschied von Trainer Georg Zellhofer per Saisonende? Nach der blamablen Leistung der Austria im Wiener Derby gegen Rapid (0:2) stellen sich den leidgeprüften violetten Anhängern Fragen über Fragen, was die aktuelle Formkrise ausgelöst haben könnte. Fakt ist aber, dass diese Talfahrt des Fußball-Cupsiegers nicht erst dieser Tage eingesetzt hat.

Die "trockenen" Zeiten der Veilchen begannen nämlich nicht im neuen Jahr mit drei Niederlagen und zwei Remis in sieben Spielen, sondern reichen bis in den Herbst 2007 zurück. Seit 20. Oktober brachte der aktuelle Cupsieger in 20 Pflichtspielen (16 in der Liga und vier in der UEFA-Cup-Gruppe) nur drei Siege zuwege. Das 1:0 in Kärnten (11. November), das 3:1 gegen Meister Red Bull Salzburg (23. Februar) und das 2:1 in Innsbruck (27. Februar) sind für einen Titelanwärter mit Ansprüchen einfach zu wenig.

Austria führte drei Monate Tabelle an
Dabei befand sich der Rekord-Cupsieger (26 Trophäen) und zehnfache Double-Gewinner auf durchaus gutem Weg zum 24. Meistertitel. Die Favoritner, die vorigen Samstag 97 Jahre alt geworden sind, führten in der laufenden Saison erstmals nach der 7. Runde die Tabelle der T-Mobile Bundesliga an, überließen die Spitze danach einmal Rapid und lagen vom 2. September (9. Durchgang) bis zum 2. Dezember (21.), also genau drei Monate, auf dem Platz an der Sonne.

Schadensbegrenzung als oberstes Ziel
Die Gegenwart als Tabellenvierter mit deutlichem Rückstand auf die Salzburger sieht düster aus. Statt des Titels, der zum Frühjahrsbeginn punktegleich mit "Winterkönig" Sturm Graz und den "Bullen" noch realisierbar schien, ist Schadensbegrenzung und Besserung angesagt, das Erreichen des UEFA-Cups zum obersten Ziel geworden.

Endet die Talfahrt gegen Ried?
Am Samstag im Heimspiel gegen SV Ried (18.00 Uhr) haben Schiemer, Acimovic, Kuljic und Co. die nächste Chance, die Talfahrt zu stoppen. Gegen die Wikinger haben die Wiener ein positive Saisonbilanz, wurden von neun möglichen Punkten sieben erobert. Daher soll kurzfristig diese positive Serie halten. Im letzten Heimspiel am 26. April gegen Wacker Innsbruck soll dann wenigstens die Teilnahme am internationalen Geschäft gefeiert werden. An diesem Tag werden auch Größen vergangener, besserer Austria-Zeiten auf der Tribüne sitzen.

30-jähriges Jubiläum des größten Erfolgs
Die Austria lädt am 26. April jene Mannschaft zum Saison-Kehraus und davor zum Lunch in Hotel Marriott ein, die vor fast genau 30 Jahren für den bisher größten Erfolg des Vereins in der Nachkriegszeit gesorgt hat. Prohaska, Parits, Sara, Daxbacher, Gasselich, Baumgartner, Baumeister, Pirkner und Co. standen am 3. Mai 1978 im Pariser Prinzenpark im Endspiel des Europacups der Cupsieger, das gegen RSC Anderlecht allerdings 0:4 verloren ging.

Ob dieses Jubiläum und die dann erhoffte neuerliche UEFA-Cup-Teilnahme mit Zellhofer als Feldherr, mit einem interimistisch eingesetzten Betreuer oder schon mit einem neuen Coach gefeiert wird, liegt in der Entscheidung der Führungsetage des Wiener Traditionsvereins.

Vorzeitiges Saisonende von Zellhofer?
Nach drei Niederlagen in Serie bzw. nur einem erzielten Tor in den jüngsten vier Spielen treten die Führungsspitzen des Fußball-Bundesligisten Austria Magna zur Beratung der sportlichen Krise zusammen. "Wir werden dabei auch diskutieren, ob wir mit Georg Zellhofer weiter zusammenarbeiten oder auf dem Trainerposten kurz-, mittel- oder langfristig etwas ändern sollen", sagte Austria-Manager Markus Kraetschmer gegenüber der APA .

UEFA-Cup-Teilnahme steht auf dem Spiel
Nach dem 0:2 in Hütteldorf gegen Rapid bzw. der gezeigten Leistung dürfe und könne man gar nicht zur Tagesordnung übergehen. "Wir sind sehr verärgert und frustriert. Wir haben aber eine Nacht darüber geschlafen und glauben, dass wir mit der notwendigen Nüchternheit das Spiel und die gesamte Situation analysieren können", meinte Kraetschmer. Es werde eine Entscheidung geben, die halte, kündigte er an. Es stehe in den restlichen sechs Runden für den Verein noch sehr viel auf dem Spiel, sprich die Teilnahme am UEFA-Cup.

Neben Kraetschmer werden Vereinspräsident Wolfgang Katzian, Vize-Chef Rudolf Reisner und Generalmanager Thomas Parits dem "Krisenstab" angehören. Zellhofer hatte nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schlusslicht Austria Kärnten unerwartet und aus der Emotion heraus seinen Rücktritt für das Saisonende angekündigt. Die Wiener sind im Frühjahr mit drei Niederlagen und zwei Remis in sieben Runden vom Titelkandidaten zum Tabellenvierten mit vorläufig sieben Punkten Rückstand abgesackt und müssen ums internationale Geschäft bangen.

(apa/red)

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19.3.2008 13:49