Montag, 24. März 2008

Wahlen in Bhutan: Royalisten freuen sich
über Sieg bei 1. demokratischem Urnengang

  • Nur zwei - sehr ähnliche - Parteien standen zur Wahl
  • Partei für Frieden und Wohlstand ist die königlichere

Die erste Parlamentswahl im Himalaya- Königreich Bhutan hat den Royalisten einen erdrutschartigen Sieg beschert. Die Bhutanischen Partei für Frieden und Wohlstand (Druk Phuensum Tshogpa) gewann 44 der 47 Sitze. Die Volksdemokratische Partei kam nur auf drei Mandate. Die Wahlbeteiligung lag bei 79 Prozent.

Die Unterschiede zwischen beiden Parteien sind nicht groß, die siegreiche Bhutanischen Partei für Frieden und Wohlstand galt aber als die royalistischere von beiden. Dies spiegelt vielleicht auch die Vorbehalte der Menschen in Bhutan gegenüber der Demokratie wider. Der König der abgeschiedenen Region hatte die Abstimmung angeordnet, obwohl seine Untertanen der Demokratie kritisch gegenüberstehen. Nach seinem Willen ist die Zeit der absoluten Monarchie jedoch vorbei.

Der 28 Jahre alte König Jigme Khesar Namgyal Wangchuk wird auch nach der Wahl Staatsoberhaupt bleiben und beträchtlichen Einfluss auf die Geschicke Bhutans haben. Die Entscheidungen fällt dann jedoch die neue Regierung. In Bhutan leben rund 600.000 Menschen.


Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, hatten die Behörden in den 20 Distrikten Bhutans mehr als 850 Wahllokale eingerichtet. Selbst in entlegene Regionen hätten Regierungsvertreter zum Teil mit Hilfe von Maultieren oder zu Fuß elektronische Wahlmaschinen und Wahlunterlagen gebracht, so Wahlkommissionschef Wangdi. Zudem sei der Montag für alle 672.000 Bewohner des wegen der heftigen Himalaya-Stürme auch "Land des Donnerdrachens" genannten Königreichs zu einem Feiertag erklärt worden.

Die Wahl ist der letzte Schritt zur Einführung einer konstitutionellen Monarchie. Ende Dezember war bereits das Oberhaus des neuen Parlaments gewählt worden. Die Demokratisierung war auf Initiative von König Jigme Singye Wangchuck eingeleitet worden, der 2005 demokratische Wahlen ankündigt hatte. Ende 2006 übergab er die Regierungsgeschäfte an seinen Sohn Kronprinz Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, der noch in diesem Jahr offiziell zum König gekrönt werden soll.

'Bruttonationalglück'
Den Grad der Zufriedenheit seiner Einwohner will das abgeschiedene Königreich künftig messen lassen. "Wir werden es den 'Bhutan Entwicklungs-Index' oder das 'Bruttonationalglück' (BNG) in Anlehnung an das Bruttosozialprodukt (BSP) nennen", sagte die Chefin von Bhutans Planungskommission, Karma Tshiteem, in der Hauptstadt Thimphu.

Bhutan ist flächenmäßig etwa so groß wie die Schweiz, hat aber nur ein Zehntel von deren Einwohnerzahl. Dafür hat Bhutan nahezu doppelt so hohe Berge. Die um eine der großen Klosterburgen (Dzong) entstandene Hauptstadt Thimphu zählt 50.000 Einwohner. Geld löste den Tauschhandel erst vor wenigen Jahrzehnten ab. Isoliert zwischen Indien und China eingebettet, war das letzte buddhistische Königreich im Himalaya nie fremdbeherrscht.

Die Wangchuk-Dynastie herrscht seit der Abschaffung der Theokratie 1907. Ugyen Wangchuk bestieg als erster den Thron als "Druk Gyalpo" (Drachenkönig). 1910 stellte sich der frühere lamaistische Klosterstaat unter den Schutz Britisch-Indiens. 1949 schloss man mit dem unabhängig gewordenen Indien einen Freundschaftspakt. Seit 2006 ist Jigme Khesar Namgyel Wangchuk der fünfte König von Bhutan, zu dessen Gunsten sein Vater Jigme Singye Wangchuk abdankte.

ai kritisiert "Bhutanisierung
Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat dem Königreich "ethnische Säuberungen" angekreidet. Die Politik der "Bhutanisierung" richtet sich vor allem gegen die nepalesische Minderheit. Bhutan ist seit 1989 Partnerland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (EZA). (APA/red)

24.3.2008 18:09