Sonntag, 23. März 2008

"Urbi et Orbi"-Segen als Höhepunkt: Papst Benedikt XVI. zelebrierte Ostermesse in Rom

  • Weniger Besucher als üblich bei Feier am Petersplatz
  • Papst gedachte auch dem 'gepeinigten Nahen Osten'

Papst Benedikt XVI. hat bei der Ostermesse in Rom tiefe Sorge über das anhaltende Elend in Afrika geäußert und zum Frieden in den Krisenregionen der Welt aufgefordert. Er erinnerte dabei auch an den blutigen Konflikt in Tibet.

Vor Zehntausenden von Gläubigen, die in strömendem Regen und bei einem Gewitter auf dem Petersplatz ausharrten, verwies das 80-jährige Oberhaupt der römisch- katholischen Kirche auf die Konflikte in Darfur und Somalia. Benedikt rief dazu auf, "an den gepeinigten Nahen Osten zu denken - vor allem an das Heilige Land, an den Irak und den Libanon - und schließlich an Tibet". Für diese Regionen unterstütze er die Suche nach Lösungen, "die das Wohl und den Frieden schützen".

Beim Osterhochamt auf dem Petersplatz trug der Papst die liturgischen Gewänder seines Vorgängers Benedikt XV. (1914-1922), der wegen seines Eintretens für Waffenruhe und Völkerversöhnung im Ersten Weltkrieg als "Friedenspapst" in die Geschichte eingegangen ist. Er hatte den Ersten Weltkrieg als "unnützes Blutbad" (inutile strage) verurteilt.

"Wunden der Menschheit"
Gegen die offenen und schmerzenden "Wunden der Menschheit" setzte Benedikt die Solidarität all derer, die auf den Spuren Jesu "um sich herum leuchtende Zeichen der Hoffnung verbreiten an den von blutigen Konflikten heimgesuchten Orten und überall dort, wo die Würde der menschlichen Person weiterhin missachtet und verletzt wird". Genau dort sollten sich Zeugnisse von Milde und Vergebung vervielfachen.

Höhepunkt der Messe war der anschließende Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). Der Papst sprach die Osterwünsche in 63 Sprachen und sagte auf Deutsch: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch." Am 16. April wird der aus Bayern stammende Papst 81 Jahre alt, am 19. April jährt sich zum dritten Mal seine Papstwahl.

Am Ende der anstrengenden Osterfeierlichkeiten wirkte der Papst konzentriert und wieder entspannter. Bereits in der Nacht hatte Benedikt im Petersdom die mehrstündige Osterwache gefeiert. Die Wache war wegen der langen Dauer um eine Stunde vorverlegt worden. Bei der Kreuzweg-Prozession am Karfreitag hatte Benedikt entgegen der Ankündigung das Kreuz auf den letzten drei Stationen vor allem wegen des schlechten Wetters nicht selbst getragen.

Sieben Menschen getauft
Während der Messe im Petersdom zum Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi hatte der 80-jährige Pontifex sieben Erwachsene getauft. Darunter war auch ein früherer Muslim. Der aus Ägypten stammende Magdi Allam ist einer der bekanntesten Journalisten in Italien und arbeitet für die renommierte Zeitung "Corriere della Sera". Nach Drohungen wegen seiner scharfen Kritik am islamischen Extremismus und seiner Unterstützung für Israel stand der 55-Jährige unter Polizeischutz.

Allams Übertritt zum Christentum war ein gut gehütetes Geheimnis und wurde vom Vatikan erst knapp eine Stunde vor Beginn der Messe bekanntgegeben. Konservative Muslime betrachten den Abfall vom islamischen Glauben (arab.: Irtidad) ) als todeswürdiges Verbrechen. (APA/red)

23.3.2008 19:03