US-Amerikaner demonstrieren gegen Krieg im Irak: Rund 200 Personen festgenommen
- Präsident George Bush verteidigt weiterhin Einsatz
- Tür zu einem "großen strategischen Sieg" geöffnet

·Neue Kommentare zur Irakinvasion 2003
Die wichtigsten Stimmen der europäischen Presse
Mit zahlreichen Protestveranstaltungen haben Gegner der US-Invasion im Irak den fünften Jahrestag des Kriegsbeginns begangen. Landesweit wurden in den Vereinigten Staaten rund 200 Personen festgenommen. Kriegsgegner blockierten Straßen und Behördengebäude in Washington, San Francisco, New York und weiteren Städten. Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich die soziale Situation im Irak enorm verschlechtert. Sauberes Trinkwasser und sanitäre Anlagen seien mittlerweile zu Luxusgütern geworden, berichteten die beiden UN-Organisationen.
In San Francisco wurden nach Angaben der Behörden rund 150 Personen abgeführt. Sie hatten den Verkehr im Finanzzentrum blockiert oder sich an Gebäude angekettet. Schwarze Luftballons säumten die Straßen, während Demonstranten einen "unhappy birthday cake" anschnitten und die Kuchenstücke an Passanten verteilten. Einige Demonstranten hätten mit Farbe gefüllte Weihnachtsbaumkugeln auf Polizisten geworfen, sagte ein Polizeisprecher.
Sitzblockade in Washington
In Washington wurden bei einer Sitzblockade vor dem Kapitol etwa 20 Teilnehmer festgenommen. Weitere Festnahmen gab es, als Demonstranten die Absperrungen vor einer Finanzbehörde überwanden. In Syracuse wurden 20 Demonstranten festgenommen, die an einem Straßentheater teilgenommen hatten, bei dem Szenen in Bagdad nachgespielt wurden. In Chicopee in Massachusetts wurden acht Personen bei der Blockade eines Luftwaffenstützpunkts abgeführt. In Cincinnati legten Kriegsgegner 4.000 T-Shirts aus, um so an die 4.000 im Irak getöteten US-Soldaten zu erinnern. In Louisville im US-Staat Kentucky stellten Demonstranten Militärstiefel, Sandalen und Kinderschuhe auf die Stufen eines Gerichtsgebäudes.
Irak-Debatte im Vorwahlkampf
Der Jahrestag brachte die Irak-Debatte auch in den Vorwahlkampf zurück. Der bei den Demokraten bisher führende Senator Barack Obama sagte in North Carolina, seiner Rivalin Hillary Rodham Clinton könne nicht vertraut werden, wenn es um die Beendigung des Krieges gehe. Während er selbst von Anfang an gegen das militärische Vorgehen im Irak gewesen sei, habe die frühere First Lady im Senat zunächst für den Einsatz gestimmt.
Präsident Bush verteidigt weiterhin Einsatz
US-Präsident George W. Bush bekräftigte anlässlich des Jahrestags seine Ablehnung eines Truppenabzugs. Der Befehlshaber der US-Truppen im Irak, General David Petraeus, sagte dem Fernsehsender CNN, die Sicherheitslage habe sich im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich gebessert. Die Fortschritte seien aber weiter gefährdet, sagte der General und fügte hinzu: "Es gibt da draußen zahllose Herausforderungen."
UNICEF und WHO-Kritik
UNICEF und WHO warnten, dass viele Grundbedürfnisse von Familien im Irak nicht mehr erfüllt werden könnten, vor allem das Leben der Kinder sei durch Seuchen und Krankheiten gefährdet. Besonders die Trinkwasser- und Sanitärsysteme sind durch Zerstörung der Infrastruktur, mangelnde Wartung und fehlende Fachkräfte betroffen. Lediglich 17 Prozent der Abwässer des Irak werden zur Zeit gereinigt, bevor sie in die Flüsse und Wasserwege des Landes geleitet werden. Das unbehandelte Abwasser aus Bagdad allein würde täglich 370 olympische Schwimmbecken füllen, hieß es in einer Aussendung. Fünf Jahre nach Kriegsbeginn geht es Millionen Irakern keineswegs besser als vorher, wie die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in ihren Berichten aufzeigen. "Saddam Husseins Regime war ein Synonym für die Verletzung von Menschenrechten", sagte Malcolm Smart, ai-Referent für den Nahen Osten. "Aber sein Sturz hat den Irakern keinerlei Erleichterung gebracht."
In seinem Bericht "Gemetzel und Hoffnungslosigkeit" verweist amnesty international darauf, dass der Krieg mehr als vier Millionen Iraker zu Flüchtlingen gemacht habe, die zumeist unter elenden Bedingungen leben. Während Millionen Dollar für Sicherheitsvorkehrungen ausgegeben worden seien, hätten heute zwei von drei Irakern keinen Zugang zu sauberem Wasser. Fast jeder Dritte sei auf Lebensmittel-Nothilfen angewiesen.
CNN-Umfrage
Rund zwei Drittel der Amerikaner lehnen den Krieg laut einer CNN-Umfrage ab. Nur 36 Prozent der Befragten glaube heute noch, dass es richtig gewesen sei, den Irak anzugreifen, heißt es in der veröffentlichten Untersuchung des US-Nachrichtensenders. Im März 2003 hatten 68 Prozent der Amerikaner den Feldzug noch für gerechtfertigt gehalten.
71 Prozent der Befragten meinten, dass der Irak-Krieg der Wirtschaft der USA geschadet habe. 61 Prozent der Amerikaner möchten der Umfrage zufolge, dass der neue US-Präsident "in wenigen Monaten nach seiner Amtsübernahme" (Ende Jänner 2009) die US-Truppen aus dem Irak zurückzieht. Bei der Umfrage waren CNN-Angaben zufolge Mitte März 1019 Menschen Menschen befragt worden.
(apa/red)
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