Donnerstag, 20. März 2008

Bin Laden droht Europa mit "Abrechnung": Will Vergeltung für Mohammed-Karikaturen

  • Al Kaida-Anführer meldet sich in neuer Tonbotschaft
  • Bush sei Europas "unterdrückerischer Verbündeter"

Der islamistische Terrorist Osama bin Laden hat Europa wegen der in dänischen Zeitungen veröffentlichten Mohammed-Karikaturen mit Vergeltung gedroht. Die Europäer müssten sich auf eine "Abrechnung" einstellen, erklärte der Führer des Terrornetzwerks Al-Kaida in einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft. Eine Website islamischer Extremisten veröffentlichte die Erklärung zusammen mit einem Foto, das den Terrorführer mit einem Sturmgewehr zeigt.

Die Karikaturen des Propheten Mohammed seien Teil eines "neuen Kreuzzugs" gegen den Islam, in dem Papst Benedikt XVI. eine besondere Rolle spiele, erklärte Bin Laden. In Anspielung an den neuerlichen Abdruck der Mohammed-Karikaturen im Februar sagte er: "Ihr habt es in eurem Unglauben übertrieben, indem ihr diese beleidigenden Zeichnungen veröffentlicht habt. Das ist das größte und gefährlichste Unglück und das Urteil dafür wird entschlossener ausfallen." Die Antwort werde sein, "was ihr seht und nicht, was ihr hört", fuhr der Al-Kaida-Führer fort. Den fünften Jahrestag des Irak-Kriegs erwähnte Bin Laden in seiner jüngsten Botschaft nicht.

Reaktionen aus dem Vatikan
Der Vatikan wies die Anschuldigungen Bin Ladens als "völlig gegenstandslos" zurück. Der Papst habe die Veröffentlichung der Karikaturen mehrfach kritisiert, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom. Das Oberhaupt der katholischen Kirche bemühte sich zuletzt um einen intensiveren Dialog mit dem Islam. Er hatte 2006 mit einer Rede in Regensburg wegen eines islamkritischen Zitats weltweit heftige Reaktionen bei Muslimen hervorgerufen.

Audiobotschaft
Die fünfminütige Audio-Erklärung ist die erste Bin Ladens in diesem Jahr. Zuletzt hatte er am 29. Dezember vergangenen Jahres die sunnitischen Iraker davor gewarnt, die Al-Kaida im Irak zu bekämpfen und mit Anschlägen auf Israel gedroht. Damals hatte die irakische Al-Kaida in ihrer langjährigen Hochburg, der westlichen Provinz Anbar, schwere Verluste hinnehmen müssen. US-Präsident George W. Bush sprach zum fünften Jahrestag des Irak-Kriegs in diesem Zusammenhang von dem "ersten arabischen Aufstand" gegen Al-Kaida.

In der fünf Minuten langen Botschaft nannte Bin Laden die Karikaturen für Muslime noch beleidigender als die im Krieg getöteten Frauen und Kinder. Der Westen, angeführt vom Weißen Haus, bombardiere gezielt arabische Dörfer. Gegen die Veröffentlichung der "beleidigenden Zeichnungen" verblasse aber auch die Tragödie der getöteten Frauen und Kinder. Dafür werde die Abrechnung noch schwerer wiegen, drohte er. Die Botschaft richtet sich an "alle Intelligenten" in der Europäischen Union.

Mohammed-Karikaturen
Mehrere dänische Zeitungen hatten am 13. Februar erneut eine umstrittene Karikatur Mohammeds mit einer Bombe im Turban abgedruckt. Sie reagierten damit auf die Aufdeckung von Mordplänen gegen den Zeichner. Die Veröffentlichung mehrerer islamkritischer Zeichnungen stieß wie schon im Jahr 2006 auf Proteste in der islamischen Welt.

Es gebe keine Hinweise darauf, wann die Erklärung aufgenommen worden sei, sagte Adam Raisman, der für die private SITE Intelligence Group in Washington Veröffentlichungen von Terrororganisationen untersucht. Die Website mit der jetzt verbreiteten Erklärung war bereits früher als Sprachrohr der Al-Kaida genutzt worden. Veröffentlicht wurde die Audio-Erklärung am Vorabend der Feiern in der islamischen Welt zum Geburtstag des Propheten Mohammed.

(apa/red)

20.3.2008 15:45