Samstag, 22. März 2008

FORMAT über Österreichs Filmlandschaft: Film-Finanzierung auf allerkleinstem Markt

  • Gerichtsthriller "Darum" muss einige Hürden nehmen
  • Oscar für "Die Fälscher" sollte Bewusstsein schaffen

Wie lässt sich auf einem kleinen Markt wie Österreich ein Film finanzieren? Sind massive Förderungen unabdingbar? Auch der aktuelle Gerichtsthriller "Darum" musste einige Hürden nehmen.

Stellen Sie sich einen Mordfall vor, bei dem die Polizei den Täter nachhause schickt, um ihm den Anblick der Leiche zu ersparen. Der untadeligen Person auch dann nicht glaubt, wenn diese Stunden später zurückkehrt, mit der Tatwaffe in der Hand, um endlich verhaftet zu werden. Eine unwahrscheinliche Mordgeschichte, ohne Motiv, ohne jeden Konnex zwischen Täter und Opfer. Verfilmt ergibt sie einen recht paradoxen Gerichtsthriller: Der Angeklagte versucht verzweifelt, seine Schuld zu beweisen.

Versponnenes "Warum"
In "Darum", der jüngsten Arbeit des österreichischen Blockbuster-Spezialisten Harald Sicheritz, ist das Publikum seiner eigentlichen Aufgabe enthoben. Es wird kein Täter gesucht, sondern vielmehr dessen versponnenes "Warum". Bereits Buchautor Daniel Glattauer hat das kriminalistische Rätsel in das Innere seines Protagonisten verschoben, Sicheritz übersetzt es in sich subjektiv verengende Bildräume. Wer bereit ist, die Logik kurz mal auszuknipsen, so wie das der Selbstankläger und Journalist Jan Haigerer (Kai Wiesinger) tut, wird ganz unterhaltsam bis ans Ende der Erzählspirale gezogen.

Rare Genre-Arbeit
Im heimischen Filmschaffen stellt "Darum" eine rare Genre-Arbeit dar. Wuchs der österreichische Film in den vergangenen zehn Jahren auf den Festivals dieser Welt zu einer fixen Größe, blieb er hierzulande am Publikum gemessen eine Randnotiz. Während zumindest der so genannte "Kabarettfilm" das fernsehgeschulte Publikum scharenweise in die Kinos lockte, sind laut Kinomotivationsstudie des Österreichischen Filminstituts (ÖFI) Michael Haneke, Barbara Albert oder Ulrich Seidl einer breiten Öffentlichkeit gar kein Begriff.

Oscar schafft Bewusstsein
ÖFI-Geschäftsführer Roland Teichmann: "Wir haben nicht einmal genügend Mittel, um das Publikum übers Jahr kontinuierlich mit Filmen zu versorgen. Erst Wahrnehmung schafft Bewusstsein. Da hat der Oscar für 'Die Fälscher' sicherlich geholfen. Jetzt weiß jeder Taxifahrer, dass es so etwas wie den österreichischen Film gibt. Darauf müssen wir aufbauen."

Schwierige Finanzierung
Die Finanzierung von "Darum" - mit 2,2 Millionen Euro ein durchschnittliches Budget - scheiterte fast. Grasser: "Obwohl keiner der Förderer unsere eingereichte Kalkulation beanstandete, hieß es beim Filmfonds Wien plötzlich, dass nur die Hälfte der beantragten 600.000 Euro zugesagt werden. Das Projekt kippte fast, am Ende erhöhte der Fonds wenigstens noch um 60.000 Euro." Dann stockte noch der ORF auf, während Allegro Film eisern den Sparstift ansetzte.

Leben von Kinofilmen kaum möglich
Als Filmproduzent verdient man sich auf einem kleinen Markt wie Österreich nur in den seltensten Fällen eine goldene Nase. Vom Kinofilm selbst zu leben ist kaum einem Produzenten möglich. Wer sein Unternehmen gut kapitalisieren will, braucht neben der Werbung unbedingt das Fernsehen als Auftraggeber. Freilich sind die Plätze am Futtertrog des ORF knapp, und von den stattlichen 2.800 Unternehmen, die der Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie registriert, sind die meisten sogenannte EPUs. Also Ein-Personen-Unternehmen, die prekär existieren und - als Filmproduzent - nur alle paar Jahre ein Projekt realisieren. Vom Genuss, für den Küniglberg zu arbeiten, sind sie zumeist weit entfernt.

Gespräche über zustätzlichen Film-Fonds
Während indes in der Filmszene die vielen Willensbekundungen der Kunstministerin Claudia Schmied nachteilig auf sie zurückzuschlagen scheinen, soll es im Finanzministerium Gespräche über einen zusätzlichen Fonds gegeben haben. Eine "automatische" Förderung, bei der nicht eine Jury, sondern rein wirtschaftliche Kriterien ausschlaggebend sind. Nun fürchten einige Produzenten, dass das Koalitionstheater diese Pläne im Gedächtnis des Finanzministers schon wieder zerstäubt habe.

Die ausführliche Geschichte lesen Sie im FORMAT 12/08!

22.3.2008 21:21