Freitag, 14. März 2008

4 von 10 Kids haben Haltungsschwächen:
Schlechte Körperhaltung durch TV und PC

  • Rund 40 Prozent nicht in der Lage, gerade zu stehen
  • Schlecht trainierte Sinneswahrnehmung der Kinder

Vier von zehn Kindern in Deutschland - in Österreich sind die Zahlen in etwa gleich - haben ausgeprägte Haltungsschwächen. Besonders betroffen sind Buben und Mädchen, die viel Zeit vor dem Fernsehen oder Computer verbringen. Das ist das Zwischenergebnis einer Studie der Universität des Saarlandes in Homburg.

Die Wissenschafter untersuchten insgesamt 1.600 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren. Rund 40 Prozent von ihnen waren nach Angaben der Forscher nicht in der Lage, ihren Körper im Stehen aufrecht zu halten: Sie fielen stattdessen ins Hohlkreuz, der Kopf kippte nach vorne, die Schultern sackten nach unten, und der Körper neigte sich deutlich nach vorne oder nach hinten.

Eine schlechte Körperhaltung bei jungen Menschen sei nicht allein auf schwache oder schlecht gedehnte Muskeln zurückzuführen, erklärten die Mediziner. Vielmehr sei mit der Studie erstmals zweifelsfrei nachgewiesen worden, dass in vielen Fällen aufgrund schlecht trainierter Sinneswahrnehmungen das Gefühl der Mädchen und Buben für den eigenen Körper gestört sei.

Um eine gute Körperhaltung einnehmen zu können, müsse das Nervensystem die Muskulatur zielgerichtet, genau dosiert und in einer festen zeitlichen Reihenfolge aktivieren, betonten die Experten. Dafür benötige das Gehirn als Steuerzentrale jederzeit von den verschiedenen Sinnessystemen genaue Informationen über die Stellung der Gelenke und die Spannung der Sehnen und Muskeln.

Häufiges Fernsehen und Computerspielen führten offenbar dazu, dass das visuelle System besonders trainiert werde und dadurch bei der Steuerung der Haltung und Bewegung des Körpers eine dominierende Rolle übernehme. Die anderen Sinneswahrnehmungen würden bei langem Sitzen vor dem Bildschirm dagegen nicht ausreichend geschult. Daher gelinge es den betroffenen Kindern nicht, ihre Haltung optimal zu steuern.

Dieser Nachweis gelang den Forschern, indem sie die Kinder erst mit geöffneten und dann mit geschlossenen Augen eine Minute still stehen ließen und dabei die Körperschwankung maßen. Diese war mit geschlossenen Augen vor allem bei jenen Kindern deutlich höher, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen.

(apa/red)

14.3.2008 09:34