Donnerstag, 13. März 2008

Ungesunde Gesundheits-Checks: Mediziner
warnen vor privaten "Versuchs"-Labors

  • In Großbritannien kann jeder Checkpoint eröffnen
  • Einzige Lösung: Einheitliche Sicherung der Qualität

Die britische Stiftung Sense About Science warnt vor privaten Vorsorgeuntersuchungen, die in Großbritannien immer beliebter werden. In der Branche würden mittlerweile geschätzte 130 Mio. Euro umgesetzt, die staatliche Regulierung und Qualitätssicherung sei jedoch unzureichend. Bereits 2007 warnte das Committee on Medical Aspects of Radiation vor den Folgen unnötiger Röntgenuntersuchungen, die das Krebsrisiko der Patienten erhöhen würden.

Nichtsdestotrotz verlassen sich viele Menschen auf private Vorsorgeuntersuchungen. "Die Ressourcen des öffentlichen britischen Systems sind knapp und lange Wartezeiten für den Patienten sind die Regel", erklärt Martin Stickler, Sprecher der österreichischen Ärztekammer.

"Die Gesundheitssysteme in Großbritannien und Österreich sind grundsätzlich nicht zu vergleichen", so Stickler. "In Österreich hat jeder Bürger durch die Sozialversicherung Anspruch auf bestimmte Leistungen, unter anderem eine jährliche Vorsorgeuntersuchung. Diese ist selbstverständlich freiwillig und wird im Normalfall vom Hausarzt durchgeführt. Wenn nötig wird der Patient anschließend an einen Facharzt verwiesen. Jedenfalls kann kein Patient in eine Röntgenklinik oder ein Labor gehen und sich einfach auf eigene Faust durchchecken lassen."

Labor-Schlupfloch in Großbritannien
In Großbritannien umgehen Patienten jedoch immer öfter ihren Arzt und unterziehen sich Tests bei privaten Anbietern. Damit könne jede beliebige Person ein Labor eröffnen und Untersuchungen anbieten, warnt Sense About Science. "Im Gegensatz zu staatlichen Vorsorgeprogrammen gibt es keine Regulierung oder Notwendigkeit von Überprüfung der Effizienz der Untersuchungen", heißt es in dem Report der Stiftung.

Qualitätssicherung gefordert
Viele der angebotenen Untersuchungen testeten die Patienten auf bestimmte Biomarker, würden jedoch nicht deren Auswirkungen feststellen, die stark vom persönlichen Lebensstil abhängig sein können. Selbstdurchgeführte Bluttests lieferten zudem oft falsche Ergebnisse. Die Proben würden verschmutzt oder am Postweg ins Labor durch Umwelteinflüsse unbrauchbar gemacht. "Die Menschen kaufen ihre Untersuchungs-Sets im Geschäft oder über das Internet und wissen nicht über die Beschränktheit der Ergebnisse Bescheid", so Danielle Freedman, Co-Autorin des Reports, gegenüber der BBC. Die Experten fordern nun ein staatliches System zur Qualitätssicherung der Vorsorgeuntersuchungen und eine öffentliche Datenbank, die Informationen zu den Leistungen der einzelnen Tests anbietet. (pte/red)

13.3.2008 11:51