Dienstag, 11. März 2008

Impfung zum Schutz vor Meningokokken:
Kinder und Jugendliche besonders gefährdet

  • Krankheit kann in wenigen Stunden zum Tod führen
  • "Konsequente Impfung" von Kleinkindern gefordert

Meningokokken-Bakterien können eine Gehirnhautentzündung oder Blutvergiftung verursachen, innerhalb weniger Stunden zum Tod führen oder schwere Folgeschäden verursachen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Jugendliche. Gegen die Krankheitsform Meningokokken C gibt es seit einigen Jahren eine wirksame Impfung, welche auch der Österreichische Impfplan 2008 empfiehlt. Auch die Experten der Plattform "Initiative Meningokokken" sprachen sich auf einer Pressekonferenz für die "konsequente Impfung" von Kleinkindern aus.

Zwischen 2002 und 2007 sind in Österreich 27 Menschen an solchen Infektionen gestorben. "Bei rund 20 Prozent der Erkrankten bleiben nach einer Meningokokken-Infektion Schäden wie Schwerhörigkeit, Hirnschäden, epileptische Anfälle oder Verlust von Gliedmaßen zurück", erläuterte Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien.

Kleinkinder als Hochrisikogruppe
Von den 421 Patienten der vergangenen fünf Jahre in Österreich waren 80 Prozent jünger als 20 Jahre. Die erste Hochrisikogruppe sind Kleinkinder unter vier Jahren, die oftmals wegen ihres noch unreifen Immunsystems Opfer der Infektion werden und von 2002 bis 2007 rund 38 Prozent der Fälle in Österreich ausmachten. Im selben Zeitraum sind 94 Jugendliche (23 Prozent aller Infektionen) erkrankt, 15- bis 19-Jährige sind deshalb die zweite besonders gefährdete Gruppe. "Das hat auch mit ihrem Lebensstil und Sozialverhalten zu tun - gemeinsames Benutzen von Trinkgläsern oder intensives Küssen", erklärte der Mediziner.

Zwei unterschiedliche Impfstoff-Typen
In Österreich spielen vor allem zwei Serotypen der Bakterien vom Typ der Meningokokken eine Rolle, die Serogruppen B und C. Gegen die Erreger der Gruppe C gibt es einen Impfstoff, gegen die Typ B konnte bisher kein Mittel entwickelt werden. Gegen Meningokokken gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Impfstoff-Typen, erklärte Ingomar Mutz, Präsident des Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin und Vorsitzender des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates. Zum einen ein Polysaccharid-Impfstoff, der unerlässlich für Reisen in Weltregionen ist, wo andere Stämme (A, W und Y) eine Rolle spielen. Vor Meningokokken C bietet diese Vakzine nur für drei Jahre einen Schutz.

Experten raten jedem zur Impfung
Einen großen Fortschritt brachte der "Konjugatimpfstoff" gegen Meningkokokken C, der zu einem langanhaltendem Schutz und fast vollständigem Impfschutz führt und sehr gut verträglich ist. Die Empfehlungen der vor fünf Jahren gegründeten "Initiative Meningkokokken" wurden nun in den Österreichischen Impfplan 2008 aufgenommen. Dieser rät prinzipiell jedem zur Impfung, besonders empfohlen wird sie bei Jugendlichen vor Eintritt in Gemeinschafts-Wohneinrichtungen wie Studentenheime oder Kasernen und vor anderen Gruppenveranstaltungen in Ländern mit erhöhtem Infektionsrisiko. Säuglinge und Kleinkinder sollten ebenfalls konsequent mit der Vakzine geimpft werden, so ließen sich 30 bis 40 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen in Österreich verhindern. .

Früherkennung nicht immer einfach
Weil gegen Meningokokken B heute noch keine Impfung möglich ist, ist es umso wichtiger, Krankheitszeichen früh zu erkennen. "Die Behandlung kann nur erfolgreich sein, wenn die Diagnose sehr schnell gestellt wird", so Karl Zwieauer, Vorstand der Kinder- und Jugendabteilung des Landesklinikums St. Pölten. Die Früherkennung ist allerdings nicht immer einfach, weil die ersten Anzeichen einer Erkältung oder Grippe ähneln können: Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Gelenks- und Muskelschmerzen, Krämpfe, Erbrechen Lichtscheue oder Benommenheit können auftreten, ebenso wie rasch ansteigendes Fieber und Schüttelfrost. Typisch sind kleine Blutungen in der Haut. Bereits beim erstem Verdacht muss sofort ein Spital oder ein Arzt aufgesucht werden, so der Spezialist.

Impfstoff zum reduzierten Preis
Meningokokken werden durch eine Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen übertragen. Etwa zehn Prozent aller Europäer sind sogenannte asymptotische Träger von Meningokokken im Nasen-Rachenraum. Vom 17. März bis 30. September wird der konjugierte Meningokokken-C-Impfstoff NeisVac-C in den österreichischen Apotheken zum reduzierten Preis von 53,60 Euro angeboten.

(apa/red)

11.3.2008 13:09