Mittwoch, 12. März 2008

Von der freien Wildbahn ins Museum: Bär Bruno in Münchner Schau 'Mensch und Natur'

Fast zwei Jahre nach seinem Abschuss nahe dem oberbayerischen Spitzingsee kommt "Bruno" ins Museum. Gleich nach Ostern ist der ausgestopfte Braunbär erstmals öffentlich in der Münchner Schau Mensch und Natur zu sehen. Welche Haltung er genau hat, bleibt bis dahin geheim. Es solle eine Überraschung werden, sagt Museumsleiter Michael Apel.

In dem Museum in Schloss Nymphenburg hat schon "Brunos" letzter freilebender bayerischer Artgenosse, der 1835 in Ruhpolding erlegt wurde, seine Heimat gefunden. "Bruno", aus dem italienischen Trentino eingewandert, war im Sommer 2006 der erste Bär in Freiheit, der nach 171 Jahren wieder seine Tatzen auf deutschen Boden setzte.

Lange war über die Zukunft von "Brunos" Pelz spekuliert worden, zeitweise verlangte Italien die Auslieferung. Für die Ausstellung waren auch die Zoologische Staatssammlung und das Bauernhof- und Wintersportmuseum Schliersee von Ex-Skistar Markus Wasmeier im Gespräch. "Ich hätte ihn gerne gehabt", sagte Wasmeier, nachdem das Umweltministerium dem Museum Mensch und Natur den Zuschlag erteilte. "Ich werde ihn jedenfalls besuchen."

Mehrere Monate hat Tierpräparator Dieter Schön an "Brunos" Aussehen gefeilt. Nach dem Gerben des Fells wurden mehrere Modelle konstruiert. Um Bewegungsabläufe und Muskelspiel des lebenden Bären zu studieren, ging Schön auch in den Tierpark. Es folgten das Modellieren und Abformen des Körpers mit Kunststoff, dann wurde das Fell aufgezogen - es sitzt perfekt. Apel: "Wenn Sie beim Schneider einen Maßanzug bestellen, sollte der auch passen. Der Unterschied: Beim Schneider wird der Anzug dem Körper angepasst - hier wird der Körper dem Anzug angepasst." Es gebe auch Fertigkörper aus Katalogen "in allen Größen von XS bis XL". "Aber so was haben wir hier nicht - es ist ein individueller Körper für "Bruno" modelliert worden, das ist keine Arbeit von der Stange."

Jetzt ist "Bruno" so gut wie fertig. Zuletzt wurden kosmetische Korrekturen vorgenommen. "Im Nasen- und Lippenbereich ist oft die Farbe ein bisschen weg, da muss nachkoloriert werden", erläutert Apel. "Es ist so ähnlich wie Schminken." Vor allem der Bereich um die Augen müsse "schön dunkel" sein, um Ausstrahlung zu haben. "Brunos" braune Augen sind aus Glas und er bekam ein künstliches Gebiss - ein Abguss seiner echten Zähne - verpasst. Zwar hat der präparierte Bär das Maul nicht weit aufgerissen, aber ein wenig soll doch von dem Gebiss zu sehen sein, mit dessen Original "Bruno" zu Lebzeiten Dutzende von Schafen riss und teilweise verzehrte.

Mit seinen Eskapaden hatte "JJ1" - Erstgeborener von Mutter Jurka und Vater Jose - im Sommer 2006 weltweit Sympathien auf sich gezogen. Er tappte durch Ferienorte, verspeiste Schafe und Hühner, knackte Bienenstöcke, leckte Honig - und machte sich rechtzeitig davon, bevor die teuer aus Finnland eingeflogenen Bärenjäger auftauchten. Im Internet wurden Wetten abgeschlossen und Solidaritäts-T-Shirts mit Aufdrucken wie "JJ Guevara" oder "Mich kriegt ihr nie" angeboten.

So frech "Brunos" Verhalten auch wirkte: Er lief immer wieder um sein Leben. Im Morgengrauen des 26. Juni 2006 brachten ihn im Spitzingseegebiet zwei Schüsse zur Strecke. Zuvor hatte das Umweltministerium den Abschuss erlaubt. Die Schützen sind bis heute nicht offiziell bekannt - Ministerium und andere Beteiligte bekamen massive Kritik bis hin zu Morddrohungen.

Das Museum will deshalb "Bruno" nicht nur ausstellen, sondern auch über Wildtiere an sich aufklären. "Wir versuchen, in der Ausstellung den konkreten Fall "Bruno" Revue passieren zu lassen mit Bildern und einer Dokumentation", sagt Apel. Für die Besucher soll es eine Pinnwand geben, auf der sie ihren Kommentar zu "Bruno" abgeben können. Der Blick solle aber auch auf die allgemeine Problematik gerichtet werden. Es gehe um Möglichkeiten, "über Wildtiermanagement Bedingungen zu schaffen, dass solche großen Beutegreifer wie der Bär wieder bei uns heimisch werden". Apel: "Es ist geplant, diesen Bereich zu erweitern und auch andere Tiere wie den Wolf zu behandeln" - und auch leibhaftig auszustellen.

Inzwischen wird schon über einen neuen Bären für Bayern spekuliert. Der siebenjährige "Moritz" aus Österreich sei sehr wanderfreudig, heißt es. Dass er sich nach seinem Winterschlaf schon auf den Weg in Richtung Freistaat gemacht hat, haben Experten aber bisher dementiert.

(apa/dpa/red)

12.3.2008 13:49