Donnerstag, 13. März 2008

80.000 Kerzen zum Gedenken an NS-Opfer: Gigantisches Lichtermeer am Heldenplatz

  • Vor allem Jugendliche begehen Nacht des Schweigens
  • Mailath-Pokorny: "1938 ist nicht einfach passiert"

Mit einer Nacht des Schweigens haben zum Großteil Jugendliche am Wiener Heldenplatz des 70. Jahrestages des Anschlusses Österreichs an Hitler-Deutschland gedacht. Rund 80.000 Kerzen sollten an die ebenso vielen Opfer des NS-Regimes erinnern. Anwesend waren neben Vertretern der Jugendorganisationen auch Bundeskanzler Gusenbauer, Vizekanzler Molterer und mehrere Minister.

Am meisten Beifall erhielt Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky. Er erinnerte an einen jüdischen Freund, der viele Jahre, nachdem Adolf Hitler auf dem Heldenplatz zu den Menschenmassen gesprochen hatte, denselben Balkon der Hofburg betrat. Vranitzky bezeichnete dies als eine Art Sieg gegen das NS-Regime und sagte zu den Anwesenden: "Alle, die hier hergekommen sind, haben den Verbrecher Adolf Hitler besiegt. Wir müssen ihn immer wieder besiegen und das werden wir tun." Der Altkanzler sagte außerdem, dass es keine Wiedergutmachung für die Verbrechen gebe. "Es wäre unverschämt und schändlich, so etwas zu behaupten."

Mailath-Pokorny: "1938 ist nicht einfach passiert"
Vor Vranitzky hatte der Wiener Kulturstadtrat Mailath-Pokorny das Wort: "1938 ist nicht einfach passiert", mahnte er. Der Anschluss sei nicht nur ein äußerer gewesen, ein innerer sei in Österreich vorangegangen. Ohne auf ihn direkt einzugehen, kritisierte Mailath- Pokorny die Worte Otto Habsburgs, der bei einer Gedenkveranstaltung der ÖVP nachträglich für Wirbel gesorgt hatte. Wer davon spreche, so der Wiener Kulturstadtrat, dass Österreich das erste Opfer des Nazi-Regimes gewesen sei, vergesse, dass bereits vorher eine Diktatur geherrscht habe.

Seniorenratspräsident und Ex-Nationalratspräsident Khol erinnerte direkt nach Mailath-Pokornys Rede: "Die Hunderttausenden, die hier standen, sind nur eine Seite der Wahrheit." Man müsse die ganze Wahrheit betrachten - "der Opfer und der Täter". Geschichte dürfe außerdem nicht als Keule verwendet werden, "die wir dem politischen Gegner über den Schädel ziehen.

(apa/red)

13.3.2008 08:31