Bildungsniveau ist in Österreich gestiegen: Frauen streben nach höheren Abschlüssen
- In Österreich herrscht hochselektives Bildungssystem
- Im internationalen Vergleich noch unter Durchschnitt

·GRAFIK: Maturanten in Österreich seit 1964
Verlauf und Prognose des Bildungsniveaus
·INFO-GRAFIK
Das Bildungssystem in Österreich auf einen Blick
Eine neue Studie präsentiert Ergebnisse zur Bildungssituation in Österreich. Das Bildungsniveau ist im historischen Vergleich gestiegen. Vor allem der höhere Anteil von Frauen bei der Matura ist für diesen Zuwachs verantwortlich. Im internationalen Vergleich ist Österreich aber immer noch unter dem Durchschnitt.
Der durchschnittliche Österreicher ist so hoch gebildet wie nie zuvor. Zu diesem Schluss kommt Frank Landler vom Institut für Demographie der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in einer vom Wissenschaftsministerium beauftragten Studie zur "Qualifikationsstruktur der österreichischen Bevölkerung im Wandel". Verantwortlich dafür sind vor allem die Frauen, die immer höhere Bildungsabschlüsse erreichen. Im internationalen Vergleich verfügt Österreich aber nach wie vor über geringe Maturanten- und Akademikerquoten - verantwortlich dafür ist unter anderem das "hochselektive" Bildungssystem mit hohen Drop-Out- und Repetentenquoten, so Landler bei einer Pressekonferenz in Wien.
Zuwachs bei Maturaabschluss
Deutlich wird die Entwicklung etwa anhand der Maturantenzahlen: Verfügten 1964 noch 14 Prozent der männlichen Bevölkerung im typischen Abschlussalter (18-21 Jahre) über eine Matura, waren es 1991 26 Prozent und 2003 33 Prozent. Bis 2026 steigt dieser Anteil laut Prognose auf 39 Prozent. Bei den Frauen ist die Situation noch eindeutiger: Bei der weiblichen Bevölkerung lag der Maturantenanteil im typischen Abschlussalter 1964 noch bei acht Prozent und damit unter jenem der Männer, 1984 wurden diese erstmals überholt (23 zu 22 Prozent). 1991 hatten schon 31 Prozent der jungen Österreicherinnen Matura, 2003 45 Prozent. Bis 2026 steigt der Anteil auf 55 Prozent. Weiteres Indiz für die weibliche Bildungsexpansion: Die Zahl der Mädchen in den ersten Klassen der berufsbildenden höheren Schulen (BHS) hat sich zwischen 1971 und 2001 verfünffacht, in den Abschlussklassen sogar verachtfacht.
Im internationalen Vergleich verfügen aber nach wie vor sehr wenige Österreicher über eine Matura oder eine Hochschulausbildung. Grund dafür sind laut Landler die Drop-Out-Quoten, die "zu den höchsten der Welt" zählen. Im Hochschulbereich wurde etwa 1988 mit 57 Prozent der höchste beobachtete Wert gemessen, 2002 betrug er noch immer 34 Prozent. Auch im Sekundarbereich leiste man sich den "Luxus" hoher Repetenten- und Drop-Out-Quoten, so Landler - damit würden enorm viel Humankapital und finanzielle Ressourcen verloren gehen. An den HTL beendeten etwa 1994/95 ein Drittel der Burschen und 22 Prozent der Mädchen die 1. Klassen nicht erfolgreich.
Bildungssystem hochselektiv
"Das österreichische Bildungssystem ist auf allen Bildungsebenen hochgradig (sozial) selektiv und leistet sich den Luxus hoher Repetenten- und Drop-Out-Quoten", schließt Landler. Um eine weitere Höherqualifizierung zu erreichen, müssten etwa die hohen Abbruchraten an den höheren Schulen bzw. den Unis gesenkt bzw. mehr Plätze an höheren Schulen geschaffen werden: "Es würden ja viel mehr an BHS gehen, wenn man sie ließe." Kaum mehr etwas "drinnen" sei dagegen bei den Maturanten selbst - von ihnen beginnen praktisch alle jetzt schon eine postsekundäre Ausbildung.
Wissenschaftsminister Johannes Hahn ortete im Hochschulbereich nach wie vor typische "Frauenstudien" bzw. "Männerstudien" - vor allem Lehrer wird laut Landler immer mehr zum reinen Frauenberuf. Die Drop-Out-Rate an den Unis will Hahn durch verstärkte Beratung an den Schulen senken - dazu starte im Herbst ein Pilotversuch mit Studienberatung an den 7. Klassen. ÖAW-Präsident Peter Schuster machte auf eine weitere Diskrepanz in der Studienwahl aufmerksam: Auf der einen Seite gebe es "Modestudien" mit vielen Studenten und dementsprechend Betreuungsproblemen, auf der anderen Seite würden technische und viele naturwissenschaftliche Studienrichtungen von den jungen Menschen "gemieden".
(apa/red)
