US-Investmentbank im Finanzdilemma: Dramatische Nothilfe für "Bear Stearns"
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Die US-Notenbank Fed und JPMorgan greifen Bear Stearns mit einer dramatischen Nothilfe unter die Arme, weil sich die Geldprobleme der fünftgrößten US-Investmentbank drastisch verschärft haben. JPMorgan teilte mit, sie stelle zusammen mit der Fed New York kurzfristig Gelder zur Verfügung, um einen Engpass bei Bear Stearns zu verhindern. Dort hieß es, in den vergangenen 24 Stunden hätten sich die Liquiditätspositionen "signifikant" verschlechtert.
Die Aktien der Bank verloren nach der Mitteilung binnen Minuten die Hälfte an Wert und auch die Börsen in den USA und Europa gaben nach. Gerüchte über Probleme bei Bear Stearns gab es seit Tagen, die Bank hatte aber stets dementiert. Einige Analysten sehen Bear Stearns nun als baldiges Übernahmeziel.
"Unmittelbar vor dem Abgrund"
"Bear Stearns stand unmittelbar vor dem Abgrund und die Lage war weitaus schlimmer, als wir alle gedacht haben", sagte der Experte Michael Klawitter von Dresdner Kleinwort in Frankfurt. "Man muss sich nun ernsthaft fragen, wie es bei anderen Banken aussieht. Denn Bear Stearns ist ja kein kleines Institut."
JPMorgan erklärte, die Fed biete JPMorgan finanzielle Unterstützung, die an Bear Stearns weitergegeben werden könne. Für die Aktionäre von JPMorgan gebe es deshalb wohl kein Risiko.
Vertrauensmaßnahme
Bear Stearns teilte mit, nach den jüngsten Gerüchten habe man Dichtung und Wahrheit trennen wollen. Mit dem Schritt solle das Vertrauen in die Bank wiederhergestellt und die Liquidität gestärkt werden. Firmenchef Alan Schwartz sagte auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz, die Gerüchte hätten dazu geführt, dass zuletzt viele Kunden Geld abgezogen hätten. Die Situation habe sich daher verschärft. Die Bank kündigte an, die Vorlage ihrer Quartalszahlen vorzuziehen. Dabei könne der Markt davon ausgehen, dass die Zahlen innerhalb der Analysten-Erwartungen lägen. Die Ratingagentur S&P stufte die Bank dennoch von der bisher guten Bewertung "A" auf "BBB" ab.
Die Fed erklärte, sie werde weiter Geld bereitstellen, um ein ordentliches Funktionieren des Finanzsystems zu garantieren. Die Fed-Führung habe die Vereinbarung von JPMorgan mit Bear Stearns einstimmig gebilligt. Wieviel Geld der Bank für den Notfall zur Verfügung steht, blieb aber offen.
Kritik an Finanzchef
Bei den Gerüchten der vergangenen Tage waren als Grund für die Probleme gestiegene Kosten zur Absicherung von Schulden genannt worden. Bear Stearns hatte indes beschwichtigt, was nun zu Kritik führt: "Der Finanzchef (von Bear Stearns) hat zuvor noch erklärt, die Furcht vor Liquiditätsproblemen sei übertrieben", sagte Tom Sowanick, Investmentstratege bei Clearbook Financial. "Aber was soll in 24 Stunden passiert sein, das er nicht schon vor 24 Stunden gewusst hat?"
In Kreisen hieß es, mehrere Großbanken hätten ihre Händler in London angewiesen, keine Geschäfte mehr mit Bear Stearns zu machen. Dazu hätten sich die Commerzbank, Royal Bank of Scotland und JPMorgan sowie mindestens drei andere große Häuser entschlossen, sagte ein Kredithändler, der namentlich nicht genannt werden wollte. Seit 13. März werde die US-Bank auf diese Weise gemieden.
Vereinzelt Mitleid
Vereinzelt gab es Mitleid mit Bear Stearns. "Das ist die hässlichste Geschichte, die ich in den letzten Jahrzehnten an den Märkten gesehen habe", sagte Brian Barish, Präsident von Cambiar Investors LLC. "Es hat niemand mehr irgendeine Sicherheit von Bear Stearns akzeptiert, egal was sie angeboten haben."
Die Bank hatte im vierten Quartal 2007 wegen hoher Abschreibungen den ersten Verlust der Firmengeschichte hinnehmen müssen. Sie hatte sich mit schlecht besicherten Hypotheken verspekuliert und schickte im Sommer Schockwellen durch die Finanzmärkte, als zwei ihrer Hedgefonds zusammenbrachen.
(apa/red)


