Freitag, 14. März 2008

Asien nur für Fortgeschrittene: Heimische Firmen in der Mega-Boomregion Südostasien

  • Erfolg zwischen Modernisierung, Korruption & Armut
  • Gesamtwert der Ausfuhren rund 1,1 Milliarden Euro

Albert Welledits ist müde. Langsam nippt er an einer Tasse lauwarmen Kaffees, schmiert Darbo-Marillenmarmelade auf ein Croissant und lässt sich Rührei mit Speck servieren. Wirklich hungrig wirkt der Wiener aber nicht. Die Tasse bleibt halb voll, das Croissant angeknabbert, Rührei und Speck so gut wie unberührt. "Ich esse von allem nur ein bisschen", sagt Welledits, der ansonsten nur selten über Appetitlosigkeit klagt. Diesmal jedoch ist es anders.

Der lange Flug von Wien über Bangkok nach Singapur inklusive Jetlag macht dem Unternehmer zu schaffen, noch in der Nacht danach kam er kaum zum Schlafen. "Ich bin bis in die frühen Morgenstunden durch Lokale gezogen. Schließlich musste ich sehen, ob es Sinn macht, hier aktiv zu werden", erzählt er. Und, macht es Sinn? "Durchaus. Ich war überrascht, wie viel Bier die Singapurer trinken. Gut möglich, dass ich hier Business mache", so der Besitzer des Wiener Gasthauses Salm Bräu. Welledits führt auch schon erste Gespräche mit lokalen Gastronomen, für die er hochmoderne Brauereianlagen bauen will. Auch in Vietnam und in Thailand rechnet er sich gute Chancen für neue Geschäftsbeziehungen aus.

Asien ist ein Auslandsmarkt für Fortgeschrittene
Der 44-Jährige ist nicht der Einzige, den es an die dynamischen Wachstumsmärkte Südostasiens zieht. Gut ein halbes Dutzend österreichischer Firmenvertreter begleitete Wirtschaftsminister Martin Bartenstein auf seiner siebentägigen Reise nach Singapur, Manila (Philippinen), Hanoi (Vietnam) und Bangkok (Thailand). Vornehmlich kleine und mittelständische Betriebe wie der Baustoffhersteller GK Construction oder das Umwelttechnikunternehmen M-U-T waren an Bord. Sie alle haben bereits erste Auslandserfahrungen in Osteuropa gesammelt und hoffen nun, mithilfe österreichischer Handelsdelegierter auch in Südostasien so manch lukrativen Auftrag an Land zu ziehen. "Geht man in einen so großen Markt, ist es hilfreich, bereits im Ausland aktiv gewesen zu sein", sagt Rudolf Thaler, Regional Manager der Wirtschaftskammer Österreich für Südostasien. Was er meint: Asien ist ein Auslandsmarkt für Fortgeschrittene. Denn wer den Sprung in den rund 500 Millionen Menschen zählenden Raum schaffen will, muss ausgeschlafen sein: Korruption und Schattenwirtschaft sind überall unübersehbar präsent. Wer dort reüssieren will, muss zum Teil tief in die Tasche greifen. "Ohne Schmiergeld ka Auftrag", bekennt ein auf den Philippinen tätiger Unternehmer unumwunden.

Bartenstein stellt demgegenüber vor allem die guten Wirtschaftsbeziehungen in den Vordergrund: Im Vergleich zum österreichischen Handelsvolumen mit dem 1,2 Milliarden Einwohner zählenden Indien (2007: eine Milliarde Euro) kann sich jenes mit den südostasiatischen Ländern sehen lassen; zuletzt waren es 2,5 Milliarden Euro - Tendenz: steigend.

Gesamtwert der Ausfuhren rund 1,1 Milliarden Euro
Drei Prozent der insgesamt 30.000 heimischen Exportbetriebe liefern ihre Waren bereits nach Südostasien, der Gesamtwert der Ausfuhren erreichte 2007 rund 1,1 Milliarden Euro. Und die Exporte wuchsen in den letzten Jahren schneller als die Importe. Österreich ist in der Region bereits mit 320 Vertriebs- und Produktionsniederlassungen vertreten. "Vor allem in den Bereichen Umwelt- und Energiewirtschaft sowie Infrastruktur haben wir viel zu bieten", meint Bartenstein. Mit Stolz verweist er auf rot-weiß-rote Unternehmen wie Raiffeisen, Tyrolit (Swarovski), Rosenbauer, Plasser & Theurer, Vamed, Frequentis und VA Tech Hydro (Andritz), die schon seit vielen Jahren erfolgreich tätig sind.

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14.3.2008 17:08