Kein Kinderspiel für Carl-Gerold Mende: Nun
steht Sanierung der Post-Paketsparte bevor
- Ausbau des nationalen Marktanteils von 5% auf 20%
- Bei Erfolg winkt Mende der Vorstandssitz der Sparte

Die Magie der Zahl ist für ihn etwas ganz Besonderes. "Mein größtes berufliches Erfolgserlebnis ist, wenn sich die Zahl - das Endergebnis - in die richtige Richtung bewegt", erklärt Carl-Gerold Mende.
Der 51-jährige Deutsche wird ab Mitte Juni als fünfter Vorstand der Österreichischen Post in der Paketsparte für die passenden Zahlen sorgen müssen. Noch ist er bei der britischen Royal Mail Group für die Abteilung "International" zuständig. Eine Ergebnisverbesserung ist auch bitter nötig, hat doch die Post im vergangenen Jahr 15 ihrer ehemals 47 Millionen Versand-Packerln an den Neo-Rivalen Hermes abgeben müssen. Das Ergebnis: Restrukturierungen, Personalabbau und ein rabiater Preiskampf.
Selbstkostenpreis unterschritten
In der Branche ist jedenfalls seit längerem zu hören, dass die Pakete von Post-Vertrieblern unterhalb des Selbstkostenpreises angeboten werden. Zudem will die Post mit Geschäftspaketen voll durchstarten und ihren nationalen Marktanteil von jetzt fünf auf 20 Prozent ausbauen. Viel zu tun also, Herr Mende? "Den Eindruck habe ich auch", sagt er im Exklusiv-Interview mit FORMAT.
Über seine konkreten Pläne möchte der Vorstand in spe hingegen erst Auskunft geben, wenn er in drei Monaten das Ruder in Wien übernimmt. "Natürlich habe ich gewisse Überlegungen, dennoch brauche ich zuerst den Input. Das Ganze ist ein Teamspiel. Bloß weil eine neue Führungskraft auftaucht, marschieren ja nicht alle gleich in dieselbe Richtung." Eine Aussage, die die Mitarbeiter wohl gerne lesen werden.
Nur Gutes zu berichten
Branchenkenner wie der Hamburger Logistikberater Horst Manner-Romberg wissen nur Gutes über den Neuen zu berichten. "Mende ist ein echter Hochkaräter und genießt einen astreinen Ruf", kommentiert der Consulter. Auf besondere Resonanz stößt vor allem Mendes breites Erfahrungsspektrum. Der Deutsche, der in seiner Freizeit gerne Bridge spielt, begann beim Paketdienst DHL und wechselte später zu FedEx. Auf seiner nächsten Station, der Geschäftsführung von General Parcel Logistic (GLS), baute er ab Anfang der Neunzigerjahre den größten europäischen System-Paketdienstleister mit auf. Und das, so erklärt der heimische Logistik-Experte Martin Füll, nach genau jener Strategie, die die Post in Osteuropa verfolgt: dem Zusammenschluss nationaler Paketdienste zu weltweiten Versandnetzen.
Die vergangenen Jahre verbrachte der Neo-Vorstand im Ausland, zunächst für GLS in Amsterdam, dann bei Royal Mail in London. "Ich habe die einzelnen logistischen Fachstationen alle durchlaufen", meint Mende, "die Herausforderung ist jetzt, daraus etwas zu bauen, was für die Österreichische Post - und deren Mitarbeiter und Aktionäre - eine echte Wertsteigerung darstellt."
Nebenabsprachen vorbereitet
Ist das nicht ziemlich viel Erfahrung für einen einfachen Vorstandsposten? Füll findet schon: "Für jemanden dieses Profils dürfte in einem Unternehmen wie der Post, die doch einige Nummern kleiner ist als sein bisheriger Arbeitgeber, nur ein Job wirklich einen Aufstieg bedeuten: der des CEO."
Füll, heute Geschäftsführer von Postconsulting.at, war selbst jahrelang beim gelben Briefkonzern beschäftigt. Er glaubt, dass entsprechende Nebenabsprachen bereits vorbereitet wurden, schließlich laufen die anderen Vorstandsverträge nur mehr drei Jahre und damit ebenso lang wie Mendes Vertrag. Deckungsgleich ist damit auch ein weiterer wichtiger Zeitpunkt für die Post - die Totalöffnung des heimischen Briefmarktes.
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