Freitag, 14. März 2008

"Prozess des Jahrhunderts" hat begonnen:
Milliardenpleite bei Parmalat vor Gericht

  • 56 Angeklagte vorgeladen, 100 Anwälte anwesend
  • Firmengründer Calisto Tanzi war nicht anwesend

Mehr als vier Jahre nach dem Zusammenbruch des italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat hat in der Stadt Parma ein Mammutprozess um die Milliardenpleite des Unternehmens begonnen. 56 Personen, darunter Firmengründer Calisto Tanzi, müssen sich wegen Insolvenzbetrug und Bildung einer kriminellen Vereinigung verantworten. Tanzi, dem bis zu 15 Jahre Haft drohen, erschien wegen seines angeblich angeschlagenen Gesundheitszustands nicht vor Gericht.

Zum Auftakt des Prozesses waren über 100 Rechtsanwälte im Gerichtssaal anwesend. 33.000 geprellte Anleger wollen als Nebenkläger am Prozess teilnehmen. Sie wollen eine Entschädigung von insgesamt 40 Mio. Euro fordern. Dies entspricht zehn Prozent der Summe, die die Anleger in Parmalat-Anleihen investiert hatten, teilte das Gericht von Parma mit.

Bisher gab es schon mehrere Prozesse um den Finanzskandal, der als einer der größten in der europäischen Geschichte gilt. Das nun anstehende Verfahren ist aber das bisher umfangreichste, daher wird er von italienischen Medien als "Prozess des Jahrhunderts" bezeichnet. Parmalat ging bankrott, als 2003 ein Loch von mehr als 14 Milliarden Euro in der Bilanz entdeckt wurde.

Die Kinder von Calisto Tanzi waren im Februar 2007 wegen ihrer Verantwortung bei der Pleite des Unternehmens zu Haftstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in Parma verurteilte Francesca Tanzi zu drei Jahren und fünf Monaten Haft. Ihr Bruder Stefano wurde zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Der seit 2005 wieder an der Börse notierte Konzern schreibt inzwischen schwarze Zahlen. Der Konzern hat seine Beinahe-Pleite vor fünf Jahren nach eigenen Angaben endgültig überwunden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2007 bei rund 367 Mio. Euro. Der Umsatz kletterte um 6,3 Prozent auf 3,86 Mrd. Euro. Der Konzern wird eine Dividende von insgesamt 264 Mio. Euro ausschütten, teilte das Unternehmen mit.

Der Konzern warf mehreren Banken vor, maßgeblich zur Insolvenz beigetragen zu haben und verklagte sie auf Schadenersatz. Mit Hilfe der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen sei das Unternehmen nun saniert und stehe finanziell auf sicheren Beinen, teilte Parmalat mit. (apa/red)

14.3.2008 19:44