Löw, Beenhakker und Bilic auf Wien-Visite:
ÖFB-Gegner erwarten ausgeglichene Gruppe
- DFB-Trainer von Lehmann-Diskussion unbeeindruckt
- Beenhakker hat Kader im Kopf, Bilic überlegt noch

·"Humor ist bei uns
'ne ernste Sache"
Deutschland und das liebe Hobby Autowaschen
·Kroatien ist ein Land zahlreicher Facetten
Über Faulpelze und Fußball als Landessymbol
·Polen könnte unsere Neugierde wecken
Als Urlaubsland noch weitgehend unentdeckt
Die drei Fußball-Nationaltrainer von Österreichs Vorrunden-Gegnern bei der EURO 2008 haben sich ein Bild von jenem Stadion gemacht, an dem sie am 8. (Kroatien), 12. (Polen) und 16. Juni auf die ÖFB-Elf treffen. Im Rahmen des Workshops der Endrunden-Teilnehmer im Wiener Ernst Happel Stadion tauschten Joachim Löw, Leo Beenhakker und Slaven Bilic nicht nur Höflichkeiten mit ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger aus, sondern sprachen auch über die Chancenverteilung in Gruppe B.
Löw sieht sein Team nicht in der absoluten Favoritenrolle, glaubt wie Beenhakker an ein ziemlich ausgeglichenes Rennen um die beiden Aufstiegsplätze. Die Tormannfrage bedrückt den DFB-Teamchef derzeit wenig. "Jens Lehmann wird gegen die Schweiz auf jeden Fall spielen, das haben wir schon länger gesagt", betonte Löw. Man werde den 38-jährigen Arsenal-Ersatzgoalie, der bei den Londonern im schlimmsten Fall bis zur EURO kein Pflichtspiel mehr bestreiten wird, aufgrund des Österreich-Spiels (3:0) nicht infragestellen.
Lehmann hat EURO-Stammplatz noch nicht fix
"Er hat dabei nicht sein bestes Spiel gemacht, dass muss man auch klar sagen, letztendlich hat er aber in den vergangenen zwei bis zweieinhalb Jahren immer überragende Leistungen gebracht", argumentierte der Bundestrainer. Einen EURO-Stammplatz hat aber auch der Routinier noch nicht. "Gegen die Schweiz wird er spielen, alles andere wird man erst danach sehen", sagte Löw.
Im Kader für die Test-Partie am 26. März im zweiten EURO-Gastgeberland (20.45 Uhr/in Basel) wird es voraussichtlich keine Überraschungen geben. "Ich werde das Wochenende noch abwarten, es ist aber nicht zu rechnen, dass jemand, der noch nie dabei war, diesmal dazukommt", sagte Löw. Sicher im Aufgebot stehen wohl die Offensivkräfte Mario Gomez (Stuttgart), Kevin Kuranyi (Schalke 04), Lukas Podolski und Miroslav Klose (beide Bayern München).
Deutsche Angriffsstärke
Die Sturmreihe ist derzeit auch das Prunkstück des EM-Mitfavoriten. "Im Sturm haben wir gute Möglichkeiten, unterschiedliche Spielertypen mit verschiedenen Stärken und Schwächen", wies Löw hin. Seine Angreifer wie Gomez seien derzeit sehr gut drauf. "Kuranyi macht seine Tore, Podolski spielt wieder und Klose ist sowieso immer über das ganze Jahr in der Torschützen- und Scorerliste ganz vorne dabei", freute sich Löw.
Der ehemalige Austria- und Tirol-Trainer hat aber in Blickrichtung EURO mit den verletzten Christoph Metzelder (Real Madrid) und Torsten Frings (Werder Bremen) auch zwei "Problemkinder". "Bei beiden müssen wir noch geduldig sein, sie sind auf einem ordentlichen Weg, ob sie es aber schaffen bei der EM in Topverfassung zu sein, muss man abwarten."
Polen-Trainer studiert EM-Kader
Auch Beenhakker ist derzeit voll und ganz mit seiner Kaderzusammenstellung beschäftigt. "Natürlich verfolgen wir das Geschehen bei unseren Gegnern, aber derzeit beschäftige ich mich noch nicht wirklich mit ihnen. Oberste Priorität hat, dass ich die 23 besten Spieler für Polen finde. Ich bin derzeit voll und ganz auf meine Mannschaft fokussiert."
Angst, dass ihn die Gegner überraschen könnten, hat Beenhakker ohnehin keine. "Geheimnisse gibt es im heutigen Fußball keine mehr. Jeder weiß alles von jedem." Beenhakker habe bereits "eine Liste mit 18, 19 Namen" im Kopf, über Positionen und Namen wollte der 65-Jährige aber nicht reden. Austria-Wien-Verteidiger Jacek Bak dürfte sich jedoch in diesem engeren Kreis der Kandidaten befinden.
Ein heißes Thema in der polnischen Öffentlichkeit ist derzeit Starspieler Jacek Krzynowek, der bei seinem Arbeitgeber VfL Wolfsburg nicht zur Stammformation gehört. "Ich mache mir keine Sorgen um ihn, Jacek wird bei der EURO voll da sein", ist sich Beenhakker sicher.
Kroatien muss auf Stürmerstar Eduardo verzichten
Bilic dagegen muss auf einen absoluten Schlüsselspieler verzichten, da Stürmerstar Eduardo da Silva wegen einer schweren Beinverletzung monatelang ausfällt. "Aber er wird stärker als je zuvor zurückkommen", versprach der WM-Dritte von 1998, der an das Happel-Stadion weniger gute Erinnerungen hat: Am 29. März erreichte sein damaliger Club Karlsruhe im Semifinal-Hinspiel des UEFA-Cups gegen Salzburg ein torloses Remis, wobei Bilic wegen eines Muskelrisses fehlte. Im Rückspiel war er wieder mit von der Partie, schied allerdings durch ein 1:1 in Deutschland aus.
An die Vergangenheit denkt der frühere Stuttgart-Spieler aber nicht mehr, vielmehr steht derzeit das Testspiel am 26. März in Glasgow gegen Schottland im Mittelpunkt. "Das wird für uns ein echter Test, der uns zeigt, wo wir im Moment stehen. Die Schotten haben eine so starke Mannschaft, dass man kein Match gegen sie als Freundschaftsspiel bezeichnen kann", erklärte Bilic.
Bilic lässt EM-Kader noch völlig offen
Im Gegensatz zu Beenhakker betonte Bilic, dass sich kein kroatischer Kicker seiner EURO-Teilnahme sicher sein dürfe: "Alle 23 Kaderplätze sind offen." Offen ist aber auch noch seine persönliche Zukunft, schließlich wird der 39-Jährige, dessen Kontrakt nach der EURO endet, von Clubs wie West Ham oder HSV umworben. Eine Entscheidung über eine mögliche Vertragsverlängerung könnte laut kroatischen Medien schon während des Wien-Aufenthalts fallen, wenn Bilic und Verbands-Präsident Vlatko Markovic ein Gespräch über dieses Thema führen.
(apa/red)










