Mittwoch, 12. März 2008

Junger Star und altes Auto für Toro Rosso:
Red Bulls 'kleiner Bruder' hofft auf Chance

  • 'Bubi-Schumi' Sebastian Vettel winkt große Karriere
  • Neuer Bolide kommt erst im 5. Rennen zum Einsatz

Red Bull Racing wird den neuen RB4 beim Formel-1-Saisonauftakt in Melbourne weder spektakulär vom Himmel fallen lassen noch eine der außergewöhnlichen Mega-Partys schmeißen. Selbst beim Präsentations-Reigen für die kommende Saison hielt man sich zurück und überließ dem "kleinen Bruder" Toro Rosso den Vortritt.

So ließ die personell von 110 auf 150 Mitarbeiter aufgestockte Scuderia aus Faenza im "kleinen blauen Cafe" am berühmten Pier von St. Kilda bis auf die beiden Besitzer Dietrich Mateschitz und Gerhard Berger das ganze Führungspersonal aufmarschieren. Allerdings fehlte auch das Auto, aber das kennt man ohnehin längst. Denn Toro Rosso wird 2008 mit dem alten Modell beginnen und den STR3 erst im fünften Saisonlauf in der Türkei erstmals einsetzen.

Neuer Bolide kommt erst im fünften RennenDas hat zwei Gründe. "Vergangenes Jahr wurde das Auto so spät fertig, dass wir nicht genug testen konnten und große Probleme bekamen. Das hätte uns wieder gedroht", erklärte Teamchef Franz Tost, warum man im Kampf um einen soliden Mittelfeld-Platz vorerst auf den STR2-B setzt. Und weil heuer zwar der erste Motorschaden "frei" ist, allerdings nun auch das Getriebe vier Rennen bei sonstiger Rückversetzung halten muss, wird man den neuen Boliden eben erst in der Türkei einsetzen.

Jungstar mit großer Karriere
Neben dem französischen Neuling Sebastien Bourdais ist der deutsche Jungstar Sebastian Vettel weiterhin der zweite Pilot bei Toro Rosso. Eigentlich der erste, denn dem 20-jährigen "Bubi-Schumi", dem man eine große Karriere voraussagt, ist deutlich schneller als der vierfache Champcar-Meister und F1-Neuling Bourdais. Dass die Konkurrenz längst ein Auge auf den schnellen Jungspund geworfen hat, weiß Tost. "Besser, als sie sagen, die Pflaume soll bleiben, wo sie ist!"

Klage bei Gericht anhängig
Vettel hat kürzlich auch den RB4 getestet. Ein Unternehmen, von dem laut Tost beide Rennställe profitieren. "Red Bull kurzfristig, wir langfristig, weil wir ja später ein ähnliches Auto übernehmen", sprach der Tiroler weiterhin offen darüber, dass man über die Red Bull Technology ein Auto bekommt, dass wie der RB4 aus der Feder von Adrian Newey stammt. Und das, obwohl eine diesbezügliche Klage beim Gericht anhängig ist.

Alleine der andere Motor (Ferrari) als bei RBR (Renault) bedinge so viele Unterschiede, dass man im Reglement sei, so Tost. Einen Plan B gibt es nicht, denn die Gerichtsentscheidung kann laut Tost nur lauten, "dass wir im Recht sind". Sollte der klagende Colin Kolles dennoch eine erneute Aktion starten, "würde mich das nicht überraschen." Und zum fast ständig im Raum stehenden Verkauf des immer noch weitgehend von Red Bull finanzierten Rennstalles meinte Tost: "Davon weiß ich nichts."

Stoddart ist stolz aufs neue Team
Bei dieser Aussage spitzte vor allem Paul Stoddart die Ohren. Der Australier, aus dessen Minardi-Team vor drei Jahren Toro Rosso geworden ist, ließ sich die Präsentation in seiner Heimat nicht entgehen. "Ich bin stolz, was aus dem Team geworden ist", ließ Stoddart wissen. Sollte das Team tatsächlich irgendwann zum Verkauf stehen, "könnte ich durchaus Interesse haben. Ich liebe die Formel 1 immer noch sehr."

Allerdings nicht, so lange Max Mosley Präsident des Weltverbandes FIA sei, schränkte Stoddart ein. Ihn störe das Machtgehabe von Mosley, der zudem die Regeln so geändert habe, dass er nicht demokratisch abgewählt werden könne, kritisierte Stoddart und schoss vor allem gegen die Millionenstrafe, die man im Vorjahr wegen der Spionageaffäre gegen McLaren ausgesprochen hatte.

Kopieren ist in Formel 1 keine Seltenheit
Stoddart findet das bedrückend und "pervers". "Dass in der Formel 1 kopiert wird, ist gängige Praxis. Früher ist man mit Digitalkameras durch die Boxen gelaufen, die fotografierten Teile waren schon beim nächsten Rennen auf anderen Autos", betonte Stoddart. "Neu war nur die drakonische Strafe." Warum man aber lediglich Ron Dennis und nicht auch andere wie Flavio Briatore (Anm.: Renault) bestraft habe, müsse einen Grund haben. "Man hat Dennis mit dem Ausschluss gedroht und sein Lebenswerk fast zerstört. Das ist eine persönliche Vendetta, die in der Formel 1 ausgetragen wird", ist Stoddart überzeugt.

(apa/red)

12.3.2008 15:49
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts