Donnerstag, 13. März 2008

Sensationelles Finish im Super-G-Weltcup:
Hannes Reichelt holt sich kleine Kristallkugel

  • Mit seinem 4. Weltcup-Sieg fing er Didier Cuche ab
  • In Endabrechnung einen Punkt vor dem Schweizer

Ein Punkt hat den Kampf um die kleine Kristallkugel im Super-G-Weltcup der Herren zugunsten des ÖSV entschieden. Hannes Reichelt schnappte beim Saison-Finale in Bormio mit seinem Sieg Didier Cuche noch die Trophäe weg, der Schweizer landete nur auf dem 16. Platz und blieb damit ohne Zähler. Der neuntplatzierte Hermann Maier verriet nach dem Rennen indirekt, dass er seine Karriere fortsetzen wird.

"Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist." Ein von ÖSV-Trainern vielzitierter Spruch ist Wirklichkeit geworden. Reichel, der vor dem finalen Rennen 99 Punkte hinter Cuche lag, holte sich mit einer Superfahrt auf der Stelvio noch den Globe. Und hatte dabei Schweizer Schützenhilfe bekommen, denn Daniel Albrecht verdrängte trotz Funksprüchen, dass er bremsen möge, seinen Kollegen Cuche noch aus den Punkterängen.

Der 27-jährige Reichelt durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. "Erst komme ich als Führender ins Ziel, dann musste ich warten, und dann musste ich auch immer wieder an die vergangenen Wochen denken", sagte der Trainingsgruppen-Kollege des in Kvitfjell so verhängnisvoll gestürzten Matthias Lanzinger mit Tränen in den Augen. "Wir werden immer für ihn da sein, auch wenn er nicht mehr Rennen fährt." Es sei für alle eine schwierige Zeit gewesen.

Der Kugelgewinn sei eine "unglaubliche Erlösung". Er persönlich habe in seiner Karriere auch schon harte Zeiten erlebt. "Aber es kommt im Leben alles zurück." Es habe einfach alles zusammengespielt. "Ich muss sicher allen ein Bier zahlen, die zwischen mir und Cuche reingefahren sind." So habe Benjamin Raich angekündigt, ihm zu helfen. Raich wurde Vierter und beendete den Disziplinweltcup an dritter Stelle. Das Rennen entschied Reichelt mit 1/100 Sekunde Vorsprung auf den Schweizer Didier Defago und 34/100 vor dem Slowenen Ales Gorza für sich.

Hermann Maier wurde als drittbester Österreicher Neunter und bestätigte anschließend indirekt, dass er seine Karriere fortsetzt. "Ich habe nun 400 Punkte, das war das Ziel, damit kann ich am Freitag auch im Riesentorlauf fahren. Und ich habe damit jetzt auch eine Basis für die nächste Saison gelegt. Ich habe einen großen Schritt nach meinem Materialwechsel gemacht, das Fundament ist da", sagte der Salzburger. Die kommende Saison beinhaltet die Weltmeisterschaften in Val d'Isere, denen Maier mit großer Spannung entgegenblickt.

Dicke Luft herrschte im Lager der Eidgenossen. Nachdem Albrecht seinem Landsmann Cuche noch aus den Punkterängen gefahren hatte, wütete Cheftrainer Martin Rufener. "Der Dani hat den Funkspruch erhalten, dass er etwas zurückstecken soll. Plan B wäre gewesen, zu bremsen. Das hat er nicht gemacht. Manchmal muss man die eigenen Interessen für das Team zurückstecken." Wenige Minuten später, als Albrecht bei den Journalisten stand, entschuldige sich Rufener für seine erste Reaktion, sie sei aus der Emotion heraus passiert, man wolle das Ganze nun sachlich aufarbeiten.

Albrecht rechtfertigte sich: "Ich glaube nicht, dass ich verantwortlich bin, dass Didier die Kugel nicht hat." Er habe erst drei Sekunden vor dem Start vom Funkspruch erfahren und sich dann nicht mehr umstellen können. Cuche hielt sich mit Vorwürfen zurück. "Es ist hart, ich bin zu dosiert gefahren. Der Trottel bin ich selbst und niemand anderer. Ich kann von niemanden verlangen, langsamer zu fahren. Ich verstehe es. Doch ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn er es getan hätte. Aber Skifahren ist ein Einzelsport." Fair verhielt sich Cuche gegenüber Reichelt, er gratulierte umgehend. "Davor muss man den Hut ziehen, ein klasser Bursch", merkte ÖSV-Cheftrainer Toni Giger an.

Alpinchef Hans Pum und Giger erinnerten daran, dass es auch im ÖSV einmal so eine Situation gegebene habe mit Josef Strobl und Andreas Schifferer. Beim Finale 1997 in Vail gewann Schifferer den Super-G vor Strobl, womit die kleine Kristallkugel knapp an den Franzosen Luc Alphand ging. Pum zum Rennausgang: "Heute ist alles für uns gelaufen. Es zahlt sich aus, sich bis zum Schluss reinzuhängen." Schmunzelnd meinte er, jetzt habe sich Albrecht beim ÖSV bedankt, dass er ins Stams in die Schule gegangen sei.


Ergebnisse des Super-G der Herren in Bormio:
1.Hannes ReicheltAUT1:45,00 Minuten
2.Didier DefagoSUI1:45,01+0,01 Sek.
3.Ales GorzaSLO1:45,34+0,34
4.Benjamin RaichAUT1:45,38+0,38
5.Francois BourqueCAN1:45,51+0,51
6.Erik GuayCAN1:45,55+0,55
7.Werner HeelITA1:45,64+0,64
8.Ivica KostelicCRO1:45,87+0,87
9.Hermann MaierAUT1:45,92+0,92
10.Andrej JermanSLO1:45,97+0,97
11.Daniel AlbrechtSUI1:46,00+1,00
12.Bode MillerUSA1:46,01+1,01
13.John KuceraCAN1:46,18+1,18
14.Marco BüchelLIE1:46,30+1,30
15.Christof InnerhoferITA1:46,31+1,31
16.Didier CucheSUI1:46,44+1,44
17.Rainer SchönfelderAUT1:46,65+1,65
18.Manfred MölggITA1:46,67+1,67
19.Stephan GörglAUT1:47,62+2,62
20.Ted LigetyUSA1:58,66+13,66



Ausgeschieden: Christoph Gruber (AUT) , Georg Streitberger (AUT), Michael Walchhofer (AUT), Ambrosi Hoffmann (SUI) , Andreas Sander (GER), Patrick Staudacher (ITA), Robbie Dixon (CAN)

(apa/red)

13.3.2008 17:55