Didier Cuche holt den Abfahrts-Weltcup:
Letzte Abfahrt in Bormio musste entfallen
- Wegen zu weicher Piste kein mehr Training möglich
- Abfahrtsweltcupsieg mit fünf Punkten Vorsprung

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Für gewöhnlich steht Didier Cuche vormittags auf den Skiern, am Dienstag aber schlürfte er Champagner und stieß mit Trainern und Teamkollegen auf die gewonnene Kristallkugel in der Abfahrt an. Wegen zu weicher Schneeverhältnisse war das einzige geplante Training für das finale Speedrennen in Bormio abgesagt worden, womit die Weltcup-Abfahrt entfällt und Cuche mit einem Vorsprung von nur fünf Punkten auf den US-Amerikaner Bode Miller die kleine Kugel erfolgreich verteidigte. Michael Walchhofer wurde in der Disziplinwertung Dritter.
Cuche war bester Laune und bemühte im Laufe seines Gespräch mit den Journalisten in der Sonne vor dem Hotel Funivia, wo schon 1985 sein Landsmann Pirmin Zurbriggen WM-Gold in Abfahrt und Kombination gefeiert hatte, gleich zwei tierische Sprichwörter. Dazu, dass er zwar die Abfahrtskugel in der Tasche hat, aber der Gesamtweltcup mit dem Ausfall wohl an Miller (hat 169 Punkte Vorsprung) verloren ist, meinte er: "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach." Und dazu, dass er den Österreichern nun zweimal en suite die Abfahrtskugel weggeschnappt und auch im Super-G die besten Chancen auf Platz eins hat, sagte er: "Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, ehe er erlegt ist."
Lieber eine als keine
Der in Neuchatel lebende 33-Jährige wäre in Bormio gerne noch die Abfahrt gefahren und hätte die Entscheidung lieber auf der Piste als am Grünen Tisch, wie er es bezeichnete, gesucht. "Ich Erster und Bode Zweiter, oder ich Sechster und er Siebenter, das wäre mir lieber gewesen", sagte Cuche, der jedoch zu bedenken gab. "Ich hätte mit einem Rennen beide Kugeln verlieren können." Als Miller, Sieger von drei Saisonabfahrten, ihm gratulierte, habe er geantwortet: "Es tut mir leid, dass ich die Kugel so gewinne." Der US-Amerikaner wird es verschmerzen, wenn er am Samstag das große Kristall stemmt.
Cuche indes war naturgemäß glücklich. "Die Kugel mit einem Sieg in Kitzbühel zu holen, das ist das Schönste, das passieren kann", sagte er. Und die Bestätigung der Vorsaisonleistung sei noch höher einzustufen als der erste Gewinn. "Weil ich zu Beginn des Winters ja wieder von Null angefangen habe. Ich war die ganze Saison über konstant, das ist irrsinnig schön", betonte der Schweizer. Bis Kvitfjell habe er getan, was er dafür tun musste, in Norwegen habe ihm dann Werner Heel geholfen. Der Südtiroler hatte in der ersten Abfahrt einen Miller-Sieg verhindert. "Wenn er Bier gern trinkt, dann kann er gleich ein paar Kästen von mir haben", wollte sich Cuche bei Heel erkenntlich zeigen.
Kein Training: Sicherheit geht vor
Ein alpines Ski-Finale ohne Herren-Abfahrt ist natürlich ein Verlust, aber ein Training war unmöglich und einen Ausweichtermin gab es nicht, weil die Woche keinen Reservetag bietet. "Die FIS hat momentan andere Probleme zu lösen, als einen Reservetag einzuführen", meinte dazu Cuche - mit Erinnerung an den für den Österreicher Matthias Lanzinger so verhängnisvollen Super-G in Kvitfjell. Die Absage des Trainings war ein gutes und deutliches Zeichen, dass die Sicherheit oberste Priorität hat. "Das war vernünftig, es wäre zu gefährlich gewesen. Wenn man ein bisschen Druck auf den Ski gegeben hat, ist man fünf bis zehn Zentimeter eingesunken", erklärte Cuche.
Am Dienstag gab es keine Diskussionen darüber, was zu- oder unzulässig ist; dass die Piste unfahrbar war, war offensichtlich. Doch nicht immer ist das so, und deshalb wünscht sich auch Didier Cuche für die Zukunft ein Mitspracherecht der Fahrer. "Wenn wir sagen, ein Sprung geht zu weit, dann geht er zu weit. Wir können nicht alles bestimmen, aber wir wollen gehört werden", sagte der Schweizer, der in seiner Karriere zwei Medaillen gewonnen hat - Super-G-Silber bei Olympia 1998 und RTL-Bronze bei der WM 2007.
(apa/red)
