Sonntag, 16. März 2008

Kritik an China wächst weltweit an: Dalai Lama spricht von "kulturellem Völkermord"

  • Bei Demonstration in Sichuan 7 Menschen erschossen
  • IOC lehnt Boykott der Spiele weiterhin klar ab
    Bilder der Demos in Lhasa, Kathmandu & Neu Delhi

Die antichinesischen Proteste von Tibetern haben sich weiter ausgebreitet. Tausende Menschen, darunter zahlreiche buddhistische Mönche, demonstrierten in Aba (Ngaba) in der Provinz Sichuan. Das tibetische Exil-Oberhaupt, der Dalai Lama, drückte in einem BBC-Interview die Befürchtung aus, dass es zu noch mehr Blutvergießen in seiner von China besetzten Heimat kommen werde.

Bei den Protesten sind nach exiltibetischen Angaben mindestens sieben Menschen von chinesischen Sicherheitskräften "erschossen" worden. Darunter seien auch Mönche gewesen, berichtete das tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie aus Indien. Hunderte seien verletzt worden, als paramilitärische Truppen gegen die Demonstranten vorgegangen seien. Die Demonstranten hätten zum Sitz der Kreisregierung ziehen wollen.

"Kultureller Völkermord"
Seit 14. März wurden mindestens 80 Menschen getötet. Der Dalai Lama forderte internationale Untersuchungen, um festzustellen, ob in Tibet ein "kultureller Völkermord" vor sich gehe. Peking verlasse sich auf Gewalt, um Ruhe zu erreichen, sagte der Friedensnobelpreisträger. Zugleich sprach er sich gegen einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking aus. China habe die Spiele verdient, die internationale Gemeinschaft habe aber die moralische Verantwortung, China an seine Verpflichtungen zu erinnern. Die Führung in Peking hat den Dalai Lama für die Unruhen verantwortlich gemacht.

Aufstand 1959
Im März 1959, nach der blutigen Niederschlagung einer Volkserhebung, waren der Dalai Lama und die tibetische Regierung mit mehr als 100.000 Landsleuten nach Indien geflohen. Der Dalai Lama hatte Peking schwere Menschenrechtsverstöße in seiner Heimat vorgeworfen, unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen, sowie "kulturellen Völkermord" durch massiven Bevölkerungstransfer.

(APA/red)

16.3.2008 19:50