Dienstag, 11. März 2008

Sexskandal um New Yorker Gouverneur: Soll Kunde eines exklusiven Sexclubs sein

  • Demokratischer Politiker zum Rücktritt aufgerufen
  • "Klient Nr. 9" eines internationalen Callgirl-Rings

Der Gouverneur von New York, Eliot Spitzer (48), der sich als Saubermann und "Sheriff der Wallstreet" einen Namen gemacht hat, ist wegen angeblicher Sex-Eskapaden unter Druck geraten. Wie die Zeitung "New York Times" unter Berufung auf seinen Stab berichtete, prüft Spitzer, ob er zurücktreten soll. "Der Gouverneur geht ernsthaft in sich und nimmt sich Zeit, die Sache reiflich zu überdenken", schrieb das Blatt. Die "New York Times" und zahlreiche TV-Kommentatoren forderten den demokratischen Politiker zum Rücktritt auf.

Medienberichten zufolge soll der von österreichischen Juden abstammende Gouverneur, der auch "Superdelegierter" beim Parteitag zur Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten ist, Kunde eines exklusiven Sexclubs gewesen sein. Er habe eine Prostituierte eigens von New York nach Washington kommen lassen, hieß es. Bei einem Auftritt vor der Presse hatte der demokratische Politiker bereits Fehlverhalten eingeräumt, sich aber nicht näher zu den Vorwürfen geäußert.

"Klient Nr. 9"
Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, die Ermittler seien Spitzer im vergangenen Monat auf die Spur gekommen, als er einen Termin mit einer New Yorker Prostituierten in einem Hotel in Washington vereinbarte. Die US-Bundespolizei FBI, die das Telefonat abgehört hatte, habe Spitzer als "Klient Nr. 9" eines internationalen Callgirl-Rings identifiziert.

Inkognito
Das Hotelzimmer soll der Gouverneur unter dem Namen "George Fox" reserviert, der Prostituierten 4.300 Dollar gezahlt haben. Der "Emperor's VIP Club", dessen Dienste Spitzer in Anspruch genommen haben soll, vermittelte den Berichten zufolge Prostituierte an betuchte Kunden in New York, Paris, London, Miami und Washington.

Rücktritt?
Bei seinem Auftritt vor der Presse sprach Spitzer entgegen ersten Erwartungen nicht von Rücktritt. Journalisten, die ihn danach befragten, ließ der Gouverneur stehen. In seiner Presseerklärung entschuldigte sich Spitzer bei seiner Familie und der Öffentlichkeit. "Ich habe mich so verhalten, dass ich meine Verpflichtungen gegenüber meiner Familie verletzt habe", sagte der dreifache Vater. Seine Frau Silda, mit der er seit mehr als 20 Jahren verheiratet ist, stand während der Erklärung neben ihm.

Die Republikaner forderten den Demokraten ultimativ auf, innerhalb von 48 Stunden den Rücktritt zu erklären. Andernfalls werde die Fraktion im Parlament der Landeshauptstadt Albany ein Amtsenthebungsverfahren einleiten.

Früher oberster Staatsanwalt
Spitzer war früher oberster Staatsanwalt des Bundesstaates New York. Als Strafverfolger machte er durch sein hartes Vorgehen gegen Finanzkriminalität an der Wall Street Schlagzeilen. Mindestens zweimal ließ er auch einen Prostitutionsring auffliegen.

Als er Anfang 2007 als Gouverneur antrat, hatte er neue ethische Standards für die Politik angekündigt. "Ich habe mich nicht an die Maßstäbe gehalten, die ich von mir selbst erwartet habe", sagte Spitzer. "Wir wollten New York einen richtigen Wandel bringen, und das wird weitergehen", sagte der 48-Jährige.

(apa/red)

11.3.2008 20:27