Dirie-Vorwürfe gegen Polizei nur 'Märchen'?
Soll wie Prostituierte behandelt worden sein
- Behördehhilfe verweigert wegen Rassismusgründen?
- Anwalt der UN-Botschafterin kündigte Anzeige an
Nach den schweren Vorwürfen der UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie gegen die Brüsseler Polizei hat sich die Staatsanwaltschaft der belgischen Hauptstadt zu Wort gemeldet: Jozef Colpin wies auf APA-Anfrage die Anschuldigungen der Autorin, sie sei von Beamten wie eine Prostituierte behandelt worden und habe "wegen ihrer Hautfarbe" keine Hilfe bekommen, als "Märchen" zurück.
"Die Anschuldigungen sind gravierend und unwahr", hieß es bei der Polizei. Der Anwalt des Ex-Models, Gerald Ganzger, kündigte unterdessen eine offizielle Anzeige bei den österreichischen Behörden an. Diesen Schritt werde man setzen, da nichts zur Aufklärung passiert sei, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass die gebürtige Somalierin im Haus eines Taxifahrers gefangen gehalten worden sei.
Staatsanwaltschaft und Polizei bleiben dabei, dass Beamte Dirie im Polizeiauto mitgenommen und mit ihr nach ihrem Hotel gesucht hätten. Dabei sei Dirie verschwunden, erklärte Colpin. Man werde die über die Presse kolportierten Anwürfe nicht weiter verfolgen, außer Österreich oder ein Anwalt erheben in Belgien entsprechende Beschwerden.
"Wir sind davon ausgegangen, dass die belgische Polizei von Amts wegen etwas unternehmen wird", sagte Diries Anwalt zur APA. Da es dafür bisher allerdings kein Signal gebe, werde man nun offiziell eine Anzeige erstatten. Mit den heimischen Behörden sei man bereits in Kontakt.
Polizei dementiert
Die neuen Erklärungen von Waris Dirie seien Versuche, ihre Abwesenheit zu rechtfertigen, so der Sprecher der Polizei der belgischen Hauptstadt, Christian de Coninck, zur APA. Sollte die vom Anwalt des Ex-Models angekündigte Anzeige wegen versuchter Entführung bzw. Vergewaltigung an die Brüsseler Behörden weitergeleitet werden, werde eine Untersuchung eingeleitet. Bei ihrem Wieder-Auftauchen habe Waris Dirie nicht den Eindruck gemacht, dass sie zu irgendetwas gezwungen worden sei, es habe keinerlei Anzeichen gegeben dass sie Opfer eines Verbrechens geworden sei, so die Polizei.
Wie vom Erdboden verschluckt
Waris Dirie war im Rahmen ihrer UN-Tätigkeit nach Brüssel gereist, nach einem Disco-Besuch verschwunden und einige Tage wie vom Erdboden verschluckt. Das Ex-Model gab an, das Hotel nicht mehr gefunden zu haben und auf der Suche danach auf einen Taxifahrer gestoßen zu sein, der sie zwei Tage gefangen gehalten habe. Der Mann habe sie in sein Haus gebracht, Vergewaltigungs-Versuche sollen nach mehreren Kämpfen fehlgeschlagen sein.
In ihrer ersten Reaktion hatte die Autorin ihr Verschwinden als "Missverständnis" abgetan, laut ihrem Manager Walter Lutschinger wegen eines schweren Schocks. Die gebürtige Somalierin hat, so der Arzt Andreas Janousek, beinahe eine Gehirnerschütterung und Prellungen erlitten. Sie wird psychologisch betreut und soll noch einige Tage im Spital bleiben.
(apa/red)
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