Rot-blau gegen den schwarzen Mann: Eine
'liaison dangereuse' zwischen Strache & Cap
- NEWS: Was wirklich hinter der Freundschaft steckt
- Gemeinsame Arbeit an einer Minderheitsregierung

Sie treffen einander immer wieder zu einem kleinen Braunen - wie zuletzt vergangene Woche im Café Eiles gleich hinter dem Parlament. Dann und wann sieht man sie auch gemeinsam bei einem trauten Mittagessen im Restaurant Adam neben dem Wiener Landesgericht. Und ganz oft - in bewegten Tagen wie diesen manchmal sogar mehrmals täglich - hört man sie telefonieren. Die Rede ist von SPÖ-Klubchef Josef Cap und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.
Die beiden Herren pflegen schon seit dem Frühjahr 2006 ein inniges politisches Verhältnis. Damals hatte der rote Marathonläufer den blauen Rabiat-Oppositionspolitiker erstmals "eingebunden", damals hatte er Strache dazu gebracht, die sogenannte Regenbogenkoalition für den Sturz Monika Lindners an der ORF-Spitze zu unterstützen. Und seit diesen stürmischen Tagen hat Strache - eigentlich Paria der heimischen Politikszene - den Flirt mit den Roten zu schätzen gelernt. Der FPÖ-Chef selbst spricht denn auch von einer "korrekten und guten Gesprächsbasis zu Josef Cap". Etwas, das Cap gar nicht erst großartig dementiert: Es sei eben "normal, sich mit allen Parlamentsparteien zu treffen".
Liaison dangereuse
Aber was verbindet die zwei auf den ersten Blick so unterschiedlichen Männer? Der eine, der Rote, ist schließlich für seine Belesenheit, sein Faible für gute Weine und delikate Küche bekannt. Der andere sorgte eher mit "Jugendsünden" (Copyright Alfred Gusenbauer) in Uniformen im Wald mit zwielichtigen Kameraden für Aufregung. Vielleicht liegt es ja daran, dass Strache - der von den Seinen stets als "der ohne Matura" Belächelte - von Cap das Gefühl bekommt, ernst genommen zu werden. Und der rote Zyniker und brillante Rhetoriker Cap? Nun, der genießt nicht nur die "Lust an der Provokation", wie es ein Roter nennt, sondern auch die Möglichkeit, "den Schwarzen endlich eins auszuwischen", wie er es im kleinen Kreis gerne nennt. Diese tiefe Abneigung gegen die ÖVP ist tatsächlich das stärkste Bindeglied zwischen dem seltsamen Pärchen.
Rache an der VP
Denn beide sind von Rache gegen jene ÖVP und vor allem Wolfgang Schüssel getrieben, die sie einst "umbringen wollte", wie es Strache pathetisch bezeichnet. Cap wiederum will die Seinen endlich aus der großkoalitionären Ausweglosigkeit - aus dem Mangel an Alternativen - befreien. Und so sind diese rot-blauen Flirts auch ernster zu nehmen, als es so manchem Parteifreund von Cap lieb ist. Sicher, im Moment will Cap vor allem eine blaue Unterstützung eines VP-Neuwahlantrages verhindern und eine mögliche FP-Unterstützung für eine SPÖ-Minderheitsregierung ausloten. Aber der rote Klubobmann denkt auch an den Tag nach der nächsten Nationalratswahl, an dem es um neue Koalitionen und Wege geht. In der FPÖ freut man sich über die neue Rolle der Umworbenen. Auch dort würde man gerne - zumindest die meisten - eine Koalition mit den Sozialdemokraten Schwarz-Blau vorziehen.
SPÖ-Wickel
Viele Rote betrachten das rot-blaue Frühlingserwachen freilich mit Argusaugen. Lautstark dagegen auftreten wollen die derzeit aktiven Roten freilich nicht. Auch ihr Groll gegen die ÖVP ist zu groß. Auch ihre Angst, wieder ohne Option jenseits der Schwarzen dazustehen, ist zu dominierend, um an den aufrechten Parteitagsbeschluss von 2004 zu erinnern. Darin hatte sich die SPÖ zum Kurs von Ex-SP-Bundeskanzler Franz Vranitzky bekannt, wonach es keine Koalition mit den Blauen geben dürfe.
Roter Groll über Gusenbauer
Solange die Neuwahlkarte am Tisch liegt, wird sich der rote Groll nicht lautstark über Kanzler Alfred Gusenbauer und Cap ergießen. "Wir werden uns das ganz genau anschauen", droht schon ein SP-Grande. Ein wenig Fremdgehen sei schon erlaubt. Aber eine Ehe? "Keinesfalls", erklärt nicht nur Altkanzler Vranitzky. Cap und seine Anhänger sehen das anders. Im Kreise von Vertrauten meinte der erfahrene Politfuchs Cap unlängst: "Wenn wir Erster bleiben und sich Rot-Blau ausgeht, werden wir dafür eine Mehrheit erhalten." Offiziell will er von solch einer Koalition freilich noch nichts wissen.
Schwarzer Verführer
Und Strache? Er hofft, dass eine allfällige Trauung der Seinen mit den Roten ihn endgültig zum anerkannten Player in der Politik machen könnte. Bis dahin stehen dem Duo Cap/Strache noch jede Menge Bewährungsproben bevor. Einen FP-Vorsitzenden für den Untersuchungsausschuss - Peter Fichtenbauer - haben sie bereits installiert. Ob Strache auch in Sachen VP-Neuwahlantrag hart bleiben wird? Mal sehen, denn der schwarze Verführer wartet schon längst am nächsten Eck: Wolfgang Schüssel, der die blaue Braut den Roten abspenstig machen will.
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