Rückgang bei Asylanträgen: Befürchteter Flüchtlingsansturm scheint ausgeblieben
- 2007: Um 8,26% weniger Antragstellungen als 2006
- Platter gesteht Verdoppelung von "Dublin-Fällen" ein

·"Verzweiflungstaten" sind keine Seltenheit
Asylwerber und ihre drastischen Hilferufe
·Fremdengesetz brachte Verschärfung
Regelungen erleichtern Staat die Ausweisungen
·Polizei: "Routine- mäßige Abschiebung"
"Es gibt Misshandlungs- Verdachtsmomente"
Der befürchtete Flüchtlingsansturm im Zuge der Schengenerweiterung scheint ausgeblieben zu sein. Innenminister Platter hat entsprechende Zahlen präsentiert. Im Jänner bis März 2007 wurden demnach 3.064 Asylanträge gestellt, heuer waren es im gleichen Zeitraum nur 2.811 - das sind um 8,26 Prozent weniger. Im März wurde sogar ein Rückgang von 17,15 Prozent verzeichnet.
Auf Schiene ist laut Platter der neue Asylgerichtshof, der mit 1. Juli seine operative Tätigkeit aufnehmen soll. Seit Einführung des strengeren Asylgesetzes sei die Zahl der Asylanträge halbiert worden, so Platter. Und auch im ersten Quartal 2008 sei ein Rückgang zu verzeichnen. Das Verbreiten von "Angst und Schrecken" im Zusammenhang mit der Schengenerweiterung Ende 2007 habe sich damit nicht bestätigt, sagte Platter.
Abschiebung ins Ursprungsland "absolute Priorität"
Er gestand aber gleichzeitig ein, dass es eine Verdoppelung von Dublin-Fällen gebe - das heißt von Asylwerbern, die bereits in einem anderen Land um Asyl angesucht hatten. Die Abschiebung in das Ursprungsland habe daher "absolute Priorität". Besonders häufig sind Dublin-Fälle von Tschetschenen, die bereits in Polen einen Antrag gestellt haben. Laut Platter sind in den letzten Wochen über 250 Asylwerber abgeschoben worden.
Der Innenminister glaubt, dass sich das strenge Vorgehen Österreichs bereits "herumgesprochen hat". Trotz des Rückgangs sei Österreich aber überdurchschnittlich belastet. Er poche daher auf einer gerechteren Aufteilung in der EU.
Planmäßig läuft laut Platter die Einrichtung des Asylgerichts, das für alle Beschwerden gegen Bescheide der Asylbehörde zuständig sein wird. Die Ausschreibungsverfahren für das Personal seien im Gange, die operative Tätigkeit werde wie geplant Mitte des Jahres aufgenommen. Am Asylgerichtshof werden 77 Richter tätig sein, um 24 mehr als bisher beim Bundesasylsenat. Insgesamt werden 236 Personen dort tätig sein. (apa/red)
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