Samstag, 15. März 2008

Geheimnisvolle Frau hinter dem Schleier:
Die Lebensgeschichte von Mona S. in NEWS

  • "Terror-Braut" tauchte immer tiefer in den Islam ein
  • Wollte Islamische Theologie und Mathematik studieren

"Sie lacht so gerne", antwortet Elisabeth S. erst einmal auf die Frage, wie sie ihre Tochter Mona beschreiben würde. Mona S. - jene 21-Jährige, der vorgeworfen wurde, gemeinsam mit ihrem Mann Mohamed eine Terrorzelle gebildet und Österreich bedroht zu haben, und die nun zu 22 Monaten unbedingter Haft verurteilt wurde. (Das Urteil ist nicht rechtskräftig.)

Schlagzeilen machte Mona S. vor allem durch ihre Weigerung, vor Gericht unverschleiert zu erscheinen - worauf sie von Richter Norbert Gerstberger vom Verfahren ausgeschlossen wurde. Seit September vergangenen Jahres ist sie mit dem um eineinhalb Jahre älteren Mohamed verheiratet. Schon seit mehr als zwei Jahren trägt die Muslimin in der Öffentlichkeit den "Niqab", wie der Schleier im Islam genannt wird. Um Männer nicht mit ihren Reizen zu betören und aus religiösen Gründen - so schreibt es der Koran vor.

Mona hat fünf Geschwister
Mutter Elisabeth ist seit 30 Jahren mit dem gebürtigen Ägypter Mohamed, Pensionist und früher Botschaftsangestellter, verheiratet. Mona ist eines von insgesamt sechs Kindern - vier Burschen und zwei Mädchen - im Alter von 15 bis 29 Jahren. Kurz nach ihrer Heirat konvertierte die 50-jährige Elisabeth S. zum Islam, trägt seither auch einen Schleier und lebt die Regeln des Koran: kein Alkohol, kein Schweinefleisch, fünfmal am Tag beten.

"Natürlich habe ich auch meine Kinder nach diesen Glaubensgrundsätzen erzogen, aber das heißt nicht, dass ich ihnen damit ihren Willen genommen hätte", berichtet Elisabeth S. über ihre Methoden. Irgendwann, erzählt sie weiter, sei Mona tiefer und tiefer in den Islam eingetaucht: "Ich mache Kompromisse, ich zeige zum Beispiel mein Gesicht. Mona nicht." Und: "Ich habe meine Töchter so erzogen, dass sie auch etwas zu sagen haben und sich ihre eigene Meinung bilden können."

Lieblingsspeise Lasagne
Ein liberales Aufwachsen scheint auch die Schulbildung der mutmaßlichen Terroristin zu bestätigen: Volksschule, Mittelschule, dann Oberstufenrealgymnasium und noch zwei Jahre Modeschule. "Mona hat sich sehr für Design interessiert, sie wollte später etwas im orientalischen Stil entwerfen", weiß der ältere Bruder. Und Mathematik und Islamische Theologie wollte sie eines Tages studieren, ergänzt die Mutter.

Lasagne ist Monas Lieblingsspeise, im Internet hat sie immer nach neuen Rezepten gesucht und die Familie damit bekocht. Ihr älterer Bruder sitzt neben seiner Mutter auf der grünen Stoffcouch im Wohnzimmer und spricht immer wieder in der Vergangenheit von seiner Schwester: "Sie hat einen unglaublichen Gerechtigkeitssinn gehabt und ihren Kopf meistens durchgesetzt." Seine Mutter unterbricht ihn - "bitte sprich doch nicht in der Vergangenheit über deine Schwester ..."

Wenn die Familie Mona im Gefängnis besucht, erschrickt sie jedes Mal aufs Neue: Die 21-Jährige verliert immer mehr an Gewicht, mit einem Meter achtundsechzig kommt sie jetzt gerade mal auf knappe 50 Kilo.

Terroristin oder verliebter Twen?
"Meine Tochter eine Terroristin? Das ist doch völliger Unsinn, im Gegenteil, sie hat sich immer fürchterlich aufgeregt, wenn bei Anschlägen Menschen gestorben sind", zeigt sich Elisabeth S. von der Unschuld ihrer Tochter überzeugt.

Fast wie zum Beweis zeigt sie Monas Zimmer: rosa gestrichene Wände, als Lampe ein gelber Halbmond, auf die Wand oberhalb des Kopfpolsters ist eine Sure aus dem Koran geschrieben. Sie bedeutet: "Jeder hat seinen Glauben, wir haben unseren. Und jeder soll mit seinem Glauben leben dürfen." Gleich rechts davon ist mit blauem Filzstift in arabischen Schriftzeichen geschrieben "Allahu akbar" - "Gott ist groß".

Seit Monas Verhaftung am 12. September vergangenen Jahres ist das Zimmer unbewohnt. Die Batterie im Wecker, ein rosa Plastikgehäuse in Form einer Moschee inklusive Minarett, ist mittlerweile leer. "Der Wecker läutet nicht normal, der Weckruf ist die Stimme des Muezzin", erklärt Elisabeth S. und lächelt dabei, weit weg in Gedanken an die Vergangenheit.

Lesen Sie die ganze Story im NEWS 11/08!

15.3.2008 21:25