Dramatische Wende im 'Cappuccino-Mord': Augenzeugin belastet früheren Angeklagten
- Hat aus Angst um ihr Leben bis jetzt geschwiegen
- Beweismangel: Anklage im November fallen gelassen

Eine überraschende Wende haben die Ermittlungen zu der tödlichen Schießerei im Cafe "Cappuccino" in Wien-Hernals genommen, bei der am 30. Mai 2006 ein Mann ums Leben kam und ein weiterer lebensgefährlich verletzt wurde. Bei dem Schützen soll es sich nun doch um den 39-jährigen Enver H. handeln, der sich im Vorjahr in dieser Sache wegen Mordes im Straflandesgericht zu verantworten hatte.
Am 23. November war die Anklage gegen den Kosovo-Albaner mangels an Beweisen fallen gelassen worden. Staatsanwältin Michaela Schnell kam damals zum Schluss, die Beweislage reiche nicht mehr aus, um eine Verurteilung vertreten zu können. Enver H. wurde nach einem über halben Jahr U-Haft als vermeintliches Opfer unzureichender polizeilicher Ermittlungen auf freien Fuß gesetzt, zumal in seinem Verfahren zuletzt der einzig verbliebene Belastungszeuge "umgefallen" war.
Augenzeugin sagte aus
In einem ganz anderen Verfahren hat nun eine Frau für Aufsehen gesorgt, die früher im "Cappuccino" kellneriert hatte und auch in der "bleihaltigen" Nacht anwesend gewesen war. Sie erklärte als Zeugin im Prozess gegen Munir F. (44) - einen mit Enver H. befreundeten Gastronomen, der sich wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung im Grauen Haus zu verantworten hatte, weil er seinerzeit auf den Angeschossenen noch mit einem Barhocker eingeschlagen haben soll -, sie habe nicht nur diese inkriminierte Szene, sondern auch den "Todesschützen" gesehen.
Auf beide Männer soll demnach Enver H. geschossen haben. "Aus Angst" habe sie bisher geschwiegen: "Ich kann damit aber nicht mehr leben!" Sie wolle daher jetzt "reinen Tisch machen", so die Zeugin. Die Verhandlung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die frühere Kellnerinsoll dem Vernehmen nach schon vor Wochen um Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm gebeten haben, weil sie um ihr Leben fürchtet.
(APA/red)
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