Montag, 10. März 2008

Brandanschlag auf Staatsanwältin verübt:
War Tat Racheakt gegen Kaprun-Anklägerin?

  • Mutmaßlicher Täter stellte sich der Polizei selbst
  • Glück im Unglück: Keine Verletzten bei Attentat

Ein Brandanschlag im Büro einer Staatsanwältin am Salzburger Landesgericht ist zum Glück glimpflich verlaufen: Die 59-jährige, aus dem Kaprun-Strafverfahren international bekannte Juristin Eva Danninger-Soriat blieb unverletzt, der Sachschaden ist gering. Die Polizei vermutet, dass sich der mutmaßliche Täter, ein 27-jähriger Frühpensionist, wegen einer kürzlich erfolgten Verurteilung gerächt hat. Er hatte eine brennbare Flüssigkeit auf den Besprechungstisch geschüttet und entzündet. Eine Dreiviertelstunde später stellte er sich der Polizei.

Der amtsbekannte Mann öffnete ohne anzuklopfen die Bürotür im zweiten Stock, leerte die hochentzündliche Flüssigkeit aus einer Trinkflasche auf den zwei Meter langen Besprechungstisch und entzündete diese mit einem Feuerzeug. Die Staatsanwältin saß gerade an ihrem Schreibtisch, der sich hinter dem Besprechungstisch vor dem Fenster befindet. Sie wurde von der Stichflamme nicht verletzt.

Als der Tisch, zwei Sesseln und einige Akten in Flammen aufgingen, konnte die Juristin noch den Alarmknopf drücken und wie der Täter aus dem Zimmer flüchten. Ein Kollege versuchte das Feuer zu löschen, Mitarbeiter des Hausdiensten eilten mit Feuerlöschern zu Hilfe und konnten die Flammen bekämpfen. Ein Großaufgebot an Polizei und Berufsfeuerwehr wurde ins Landesgericht gerufen. Das Gebäude wurde zur Spurensicherung und wegen der Suche nach weiteren Brandmitteln vorübergehend gesperrt.

Verdächtiger stellte sich
Noch während der Großfahndung stellte sich der mutmaßliche Täter der Polizei. "Er kam ins Kriminalreferat des Stadtpolizeikommandos und wollte einen Suchtgiftfahnder sprechen. Wir haben ihn sofort festgenommen", erklärte Kripo-Chef Andreas Huber.

Die betroffene Staatsanwältin hat nach eigenen Angaben mit dem verdächtigen Salzburger in den Wochen vor dem Anschlag zwei persönliche Gespräche wegen eines offenen Strafverfahrens geführt. "Es verlief alles ganz normal, es gab keinen Grund für Bedenken", sagte die Staatsanwältin, die psychologische Betreuung nicht in Anspruch nehmen will.

Der Frühpensionist ist vor rund zwei Wochen wegen einer gefährlichen Drohung zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt worden. Deshalb geht die Polizei von einem Racheakt aus und ermittelt, ob der Mann für noch ungeklärte Brandanschläge in der Stadt Salzburg wie zum Beispiel in der Gebietskrankenkasse oder im Kriminalreferat in Frage kommt. "Er hat heute gesagt, er möchte jetzt reinen Tisch machen", erklärte Ermittlungsleiter Major Gerhard Waltl im APA-Gespräch. Ein Zusammenhang mit dem Kaprun-Strafverfahren gilt als unwahrscheinlich.

Bekannt durch Tragödie von Kaprun
Eva Danninger-Soriat ist seit 29 Jahren Staatsanwältin in Salzburg. Die gebürtige Oberösterreicherin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie vertrat im Strafverfahren nach der Brandkatastrophe von Kaprun mit 155 Toten die Anklage. Alle 16 Beschuldigten wurden damals freigesprochen, weil keinem einzelnen persönlich ein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen werden konnte. Die Katastrophe, die von einem Heizlüfter mit Konstruktionsfehlern ausgelöst wurde, sei nicht voraussehbar gewesen, hieß es im Urteil.

Der Präsident des Salzburger Landesgerichtes, Hans Rathgeb, kündigte gegenüber der APA eine Evaluierung der Sicherheitsmaßnahmen im Gerichtsgebäude an, weil es dem Täter gelungen war, eine hochentzündliche Flüssigkeit durch die Sicherheitskontrolle zu schleusen. Die Mitnahme von Flüssigkeiten ist nicht verboten.

(apa/red)

10.3.2008 14:45