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Montag, 16. Juni 2008

Österreich auf CeBIT schwach vertreten: Heimische Hersteller seit 2002 rückläufig

  • Unterschlupf bei Branchengrößen heuer im Trend
  • Vernetzungs-Möglichkeiten und Feedback im Fokus

Aus Österreich sind heuer rund 40 Aussteller auf der weltgrößten Computermesse CeBIT vertreten und damit ungefähr gleich viel wie 2007. In den Jahren 2001 und 2002 präsentierten sich noch mehr als 80 Betriebe dem Publikum.

"Besonders im Softwarebereich wäre mehr möglich gewesen, aber die heimischen Unternehmen gehen lieber mit den Branchengrößen zusammen auf die Messe. Bei Microsoft tummeln sich wahrscheinlich 200 Betriebe am Stand. Dadurch verlieren sie aber ihre Identität", erklärte Wolfgang Weninger, Repräsentant der CeBIT in Österreich. Geplant gewesen sei außerdem ein Gemeinschaftsstand mit der Fachgruppe Unternehmensberatung und IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich mit den Schwerpunkten E-Government, IT-Sicherheit und Open Source. "Der ist aber leider nicht zustande gekommen", so Weninger.

Vernetzung-Möglichkeiten und Feedback im Fokus
Mit einem Gemeinschaftsstand auf der CeBIT vertreten ist hingegen die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG). Neben der Technischen Universität (TU) Wien und der Uni Wien rückt im "future parc" genannten Innovationszentrum unter anderem auch das Software Competence Center Hagenberg neue Forschungsprojekte in den Blickpunkt. "Für uns hat vor allem das Feedback der Nutzer und potenziellen Kunden große Bedeutung. Außerdem können wir uns hier mit anderen Forschungseinrichtungen und der Industrie vernetzen", sagte Jakob Frank von der TU Wien, der den OCG-Auftritt organisiert.

Vorgestellt wird etwa eine Software zur Musikanalyse, die Ähnlichkeiten aufspüren und anschließend einen intuitiven Überblick durch eine "Geschmacks-Landkarte für Musik" geben soll. Weitere Projekte beschäftigen sich mit Computerforensik, Simulationswerkzeugen oder Licht- und Klimasteuerung im Haus. "Die Uni Wien arbeitet außerdem an einer Lösung, bei der Dateien nicht in einer Ordnerstruktur dargestellt werden, sondern es durch semantische Systeme eher dem Ablegen von Information in bestimmten Regionen des Gehirns ähnelt", so Frank.

Ebenfalls vertreten ist das Wiener Unternehmen "Urban Tool", das mit funktionalen Hightech-Textilien und "smarter Kleidung" punkten will. Persönliche Gegenstände wie Handy, iPod, Geldbörse oder Schlüssel sollen dadurch "tragbar gemacht" werden. Philips Österreich ist mit seinem Teilbereich "Speech Processing" auf der CeBIT und setzt dabei unter anderem auf Spracherkennung im Krankenhaus.

Highlight: Gedankenzauber von g.tec
Wer ausprobieren will, wie man Briefe mit Gedanken statt mit der Tastatur schreibt, kann dies am Messestand des österreichischen Medizintechnikunternehmens "g.tec medical engineering" tun. Dabei muss eine Elektrodenhaube aufgesetzt werden, die die Gehirnströme (EEG) der Versuchsperson misst und über einen Biosignalverstärker in konkrete Befehle auf dem Monitor übersetzt.

Die während der CeBIT gesammelten Daten der freiwilligen Tester finden Eingang in ein neues EU-Projekt, bei dem es um "intelligentes Wohnen" geht. Im Vordergrund des Messeauftritts steht für g.tec, das hauptsächlich Forschungseinrichtungen beliefert, die Kontaktpflege. "Aufträge erwarten wir uns gar keine, denn es geht nicht um ein Produkt für Endkunden", erklärte Geschäftsführer Christoph Guger.

Von Blog-Plattform bis Buch-Digitalisierung
Unter den österreichischen Ausstellern finden sich außerdem unter anderem erstmal die Firma Knallgrau - und zwar mit dem deutschen Content-Management-Software-Anbieter CoreMedia, mit dem Knallgrau gemeinsame Internetlösungen anbieten wird. Das Wiener Unternehmen, das mit twoday eine der ersten deutschsprachigen Weblogplattformen gegründet hat, hat zuletzt vor allem mit innovativen Webseiten für große deutsche Medienverlage wie die WAZ gepunktet.

Ebenfalls auf der Teilnehmer-Liste: die Firma Emporia, die mit Handys für Senioren schon am internationalen Mobilfunkkongress 3GSM in Barcelona für Aufsehen gesorgt hat, die seit dem Vorjahr börsenotierte Internet-Security-Software-Firma Phion und das Unternehmen Quidenus, das ein Gerät zum automatischen Umblättern und Einscannen von Büchern entwickelt hat und jetzt an einem EU-Projekt zur Digitalisierung der europäischen Bibliotheken beteiligt ist. (apa/red)

16.6.2008 16:43
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