Mittwoch, 5. März 2008

Da bleibt kein Auge trocken: Pollensaison bringt Allergiker heuer zum Haareraufen

  • Ausdauernde Übeltäter: Auf Hasel und Erle folgt Birke
  • Umweltverschmutzung verlängert Allergie-Reaktionen

Der Pollensaison kann auch in diesem Jahr niemand entrinnen. Für Schnupfnasen und geschwollene Augen sorgen seit Mitte Jänner bereits Hasel und Erle, die Birke folgt heuer unerwartet früh Ende März, sagte Siegfried Jäger von der HNO-Universitätsklinik im Wiener AKH im APA-Gespräch. Die Umweltverschmutzung verlängert die jeweilige Welle noch weiter, weil Feinstpartikel die Allergene der Pollen zusätzlich aufnehmen.

Die Belastung durch Hasel und Erle ist für heuer fast vorüber, sie hatten in den meisten Regionen bereits Mitte Jänner ihren Gipfel. "Üblicherweise blühen sie im Laufe des Februars, sie sind heuer aber wegen des milden Wetters früher dran", sagte Jäger. In den Tieflagen können die Allergiker bereits aufatmen, nur im Mittelgebirge und Hochlagen gibt es die beiden noch. Die Hasel-Erle-Saison ist heuer sehr stark im Vergleich zum Vorjahr, auch im langjährigen Schnitt sei die Belastung "überdurchschnittlich, an manchen Stellen sogar rekordverdächtig", so der Mediziner.

Vernaufpause für Allergiker
Bis rund um den 24. März können die Allergiker eine kurze Verschnaufpause einlegen: "Nach der Hasel-Esche-Saison gibt es ein Loch bis zur Birke-Esche-Saison. Es sind in der Regel in etwa zwei Wochen, das ist aber sehr stark vom Wetter abhängig", erklärte der HNO-Spezialist. In dieser Zeit sind zwar ebenso Pollen in der Luft, wie zum Beispiel jene der Ulme, Pappel, Weide und auch der Eschenahorn. "Darauf ist aber kaum jemand allergisch", beruhigte er. Umso mehr triefende Nasen dürfte es dann unerwartet früh Ende März besonders in Wien geben, wenn die Birke zu blühen beginnt. Diese tritt in ihrer ersten Welle gleich im Doppelpack mit der Esche auf, zehn bis 14 Tage später danach nochmals alleine. "Die Birke ist heuer deutlich stärker, gut doppelt so viel wie 2007", prognostizierte Jäger.

Eiche und Plantane
Aufatmen dürfen Betroffene aber auch danach nicht: Wer besonders stark auf die Birke reagiert, hat laut Jäger auch mit dem nachfolgenden Aufblühen von Eiche und Platane keine Freude. "Diejenigen, die bis dorthin noch Beschwerden haben, werden sie den ganzen April weiter haben." Danach geht es "fürchterlich in die Breite", immer mehr Pollentypen sind in der Luft, die aber bei den wenigsten Beschwerden auslösen. "Die nächste schwerwiegende Welle ist die Graserpollen-Saison. Sie wird heuer ebenso ein bisschen früher beginnen, und von Anfang bzw. Mitte Mai bis Juli laufen."

Nach einer kurzen Pause scheiden sich in Österreich die Geister: "Die Pollensaison geht dann im Osten schwerpunktmäßig weiter, der Westen wird eher Ruhe haben", so Jäger. Anfang bis Ende August wird der Beifuß wieder für geschwollene Augen und rinnende Nasen sorgen, Mitte August bis Ende September folgt das Ragweed. Davon wird der Westen aber über kurz oder lang auch nicht verschont bleiben, so der Mediziner. Das Ragweed wird das eher schwache Vorjahr mengenmäßig ebenfalls übertreffen.

Transfer von Molekülen
Im Zusammenhang mit Allergien wird laut dem Mediziner oft auch die Rolle der Umweltverschmutzung unterschätzt: "Der Pollengehalt der Luft geht nicht unbedingt parallel mit dem Allergengehalt der Luft", zitierte der Mediziner eine Studie. "Alle inhalativen Allergene wie Tierhaare, Hausstaub und auch Pollen sind wasserlöslich. Wenn es feuchte Luft mit vielen Pollen gibt, legen sich Feinstpartikel an die Pollen an." Es kommt zu einem Transfer von Molekülen, diese Kleinstpartikel nehmen die Allergene auf. "Weht ein trockener Wind, fallen sie von den Pollen ab." Im Gegensatz zu den Pollen bleiben die Feinstpartikel aber viel länger in der Luft, weil sie langsamer sinken. "Wenn es also nach der Pollensaison feucht ist und sich Dreck in der Luft befindet, sind die Allergene immer noch da," erklärte Jäger. Damit werden die allergischen Reaktion auf "höchstens zehn, meistens zwei bis drei Tage", verlängert, so der Mediziner.
(APA/red)

5.3.2008 14:10