Montag, 10. März 2008

Preisdumping oder die Miss um 50 Euro: Modelfirmen krachen wie die Kaisersemmeln

  • Scharfzüngige Kolumne von Agentur-Chef Wachta
  • Die Summe von Nullen ist eine gefährliche Zahl

Einige Zuliefer-Firmen der Werbebranche krachen wie Kaisersemmeln. Manche Modelagenturen folgen in die ewigen Jagdgründe nach. In der Modelagenturszene setzt daher ein Preisdumping der Extra-Klasse ein, fast jeder versucht günstiger als der andere zu sein. Einige Mitbewerber begeben sich jedoch nicht auf dieses niedrige Preisniveau, weichen glücklicherweise nicht von ihrem Qualitätsdenken ab.

Einige Zuliefer-Firmen der Werbebranche krachen wie Kaisersemmeln. Manche Modelagenturen folgen in die ewigen Jagdgründe nach. In der Modelagenturszene setzt daher ein Preisdumping der Extra-Klasse ein, fast jeder versucht günstiger als der andere zu sein. Einige Mitbewerber begeben sich jedoch nicht auf dieses niedrige Preisniveau, weichen glücklicherweise nicht von ihrem Qualitätsdenken ab.

Wie mir aber aus verlässlichen Quellen zu Ohren gekommen ist, zieht jedoch ein Misswahl-Veranstalter bei diesem Preisverfall mit: Mittlerweile soll er, offenbar mangels zahlender Kundschaft, nicht einmal mehr Eintritt für die meisten seiner Events verlangen.

Offensichtlich wird dann bewusst in Autohäusern veranstaltet und mit dem Boxenluder-Image kokettiert. Den Intellekt mancher Besucher dieser Wahlen, in Vororten und Bezirken mit erhöhter Kriminalitätsrate, kann sich jeder ausmalen. Das billige Verscherbeln alkoholischer Getränke trägt meiner Meinung nach zur Almabtriebs-Atmosphäre zusätzlich bei.

Aber auch Missen werden angeblich kostenfrei bzw. zu lächerlichen Beträgen vermittelt:

50 Euro soll die Siegerin dieser Misswahl kosten, wie mir ein bekannter Designer bestätigte, der gleich mehrere Siegerinnen um diesen Preis gebucht haben soll. In Worten fünfzig Euro!!! Die meisten Misswahl-Siegerinnen fallen mir generell durch fast joblose Karrieren auf und werden wohl deswegen, medial über den Klatschbereich, mühsam reanimiert.

Alle Tricks werden dann offensichtlich angewendet, um überhaupt Werbekunden zu finden, die es wagen, eine Miss dieses Veranstalters zu buchen.

So darf diese Firma offenbar deswegen auch auf die Misswahl-Schleife mit drauf, damit das Mädchen, trotz des Misstitels, überhaupt noch vermittelbar scheint und die Misswahl-Schleife selbst nicht so leer aussieht. Somit entsteht (mMn) der Eindruck das Mädchen macht Jobs und das potemkinsche Dorf kann in den Medien weiter existieren.

Dass sie damit der Branche weiter schaden ist ihnen offensichtlich egal, schließlich dürften sie ja andere Einnahmequellen haben. Wie man nach dem 2.ten Prostitutionsskandal im Misswahlbereich (innerhalb von nur 10 Jahren) erahnen kann, nicht unbedingt gesetzeskonforme.

An dieser Stelle ein passendes Zitat von Aristoteles: „Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld.“

Unsere Marke soll auf jeden Fall höher positioniert sein. Österreich`s Nächstes Topmodel Julia Ganster wird daher auch nicht für solche „Crasherlgeschäfte“ verschleudert. Qualität und Image haben ihren Preis und werden, wie man an der guten Vermittlungsquote Julias sieht, dennoch gebucht.

Ein Krügerl Freibier
Was mich aber am meisten überrascht ist, was mir Leute aus der Misswahl-Organisation selbst bestätigen: Diese Firma erhält angeblich von ihrer Final-Location keinen einzigen Cent für ihren Abschlussevent. Auch das ist ein Dumping, dass wir sicher nicht mitgehen werden. Aber jede Veranstaltung im Modelwahl-Bereich ist eben auch um einiges mehr wert, als ein Krügerl Freibier...

Billige Models aus dem Osten
Man könnte hier, frei nach Stanislaw Jerzy Lec auch meinen, dass somit die Regeln der Mathematik außer Kraft gesetzt werden: Dieser meinte einst, dass die Summe von Nullen eine gefährliche Zahl ist.
Um zum Thema Preisdumping generell zurück zu kehren: Es hat natürlich auch noch andere gravierende Gründe: Ich sehe in der Ost-Erweiterung ein großes Problem für die Modelbranche in Österreich.

Bildhübsche Ost-Models werden mit Bussen zu Billigst-Preisen nach Österreich geholt und gleich nach dem Job zurück in die Heimat verfrachtet. Traurig daran auch, dass hier Models um den gerechten Lohn ihrer Arbeit betrogen werden.

Stoppt den Ruin der Branche
Viele Produktionen werden zudem aus Österreich abgezogen. Nicht einmal das Filmbusiness erhält die nötigen Mittel um international halbwegs mitzuhalten. Eine Änderung der Situation ist auch nicht durch den Oscar-Triumph von „Die Fälscher“ zu erwarten.

Diese Puzzleteile ruinieren stückweise die Branche, womit den meisten Agenturen nicht mehr viele Möglichkeiten übrig bleiben. Jedem seriösen Mitbewerber wünsche ich, dass er kreative Mittel und Wege findet, dem erfolgreich entgegen zu treten!

Ich wünsche es auch der Branche, die ich trotz der schwarzen Schafe und teils schwindeliger Gestalten lieben gelernt habe!

Dominik Wachta ist Inhaber der Model-Agentur "Jademodels International"

10.3.2008 16:45