Die fetten Jahre sind schön langsam vorbei:
Massive Preiskämpfe bei den Mobilfunkern
- Sinkende Profite und ein starker Qualitätseinbruch
- FORMAT: Warum die Tarife wieder steigen dürften

·Preis-Harakiri bei Mobilfunkbetreibern
FORMAT: Kunden freuen sich, Mitarbeiter fliegen
·Mobilfunker weiter unter Druck der EU
Datentransfers und SMS im Ausland noch zu teuer
·Roaming-Tarife sind noch immer zu hoch
Verbraucherschützer mit erneuter Kritik an Kosten
·Markenschwemme bei den Mobilfunkern
FORMAT: Buhlen um Migranten und Touristen
·Chvatal: Fusion von Drei und One nötig
T-Mobile-Chef rechnet mit sinkenden Tarifen
·EU-Roaming-Politik in Umfrage bestärkt
70 Prozent der Befragten für Gebühren-Senkung
·Stabiler Umsatz und deutliches Kundenplus
Mobilfunker One ist mit Bilanz 2007 zufrieden
Ziemlich plötzlich wurde der Erfolgsrun der Mobilfunker eingebremst. Jetzt ist, was oft prognostiziert wurde, wirklich eingetreten: Der vor allem in Österreich brutale Preiskampf hat sichtbare Spuren in den Bilanzen der Mobilfunker hinterlassen. Die Umsätze stagnieren, die Erträge fallen. Mitarbeiter müssen abgebaut, Investitionen in Infrastruktur zurückgestellt werden. Darunter leidet die Qualität. Die Manager müssen sich von ihren Strategien des ungebremsten Wachstums verabschieden und sich neu orientieren.
Neben den niedrigen Inlandstarifen setzt den Handybetreibern die von der EU verordnete Senkung der Roaminggebühren (EU-intern höchstens 58 Cent pro Minute) zu. Hier war bis zum Herbst 2007 noch kräftig zu verdienen. T-Mobile-Finanzvorstand Wolfgang Kniese rechnet vor, dass die Regulierung der Auslandstelefonate und die Reduktion der Zuleitungsgebühren, die sich die Netzbetreiber untereinander verrechnen, sein Unternehmen fünf Prozent des Umsatzes gekostet hat. Der heimische Marktführer A1 Mobilkom verliert beim Roaming zumindest 20 Millionen Euro Reingewinn. Dazu kommt, dass dem Mutterkonzern Telekom Austria pro Monat 20.000 Kunden im Festnetz abspringen.
Eine Folge der plötzlichen Misere wird die Konsumenten wenig begeistern: Telefonieren wird wieder teurer. Das kündigt sich langsam, aber sicher an. One-Chef Michael Krammer betont schon, keine Kampftarife mehr anbieten zu wollen: "Preise sind kein gutes Marketinginstrument mehr, in Zukunft wird es um Einfachheit des Zugangs und Transparenz gehen." Boris Nemsic, Telekom-Austria-Generaldirektor, stößt ins gleiche Horn: "Wenn die Preise weiter sinken, wird es schwieriger, den Qualitätslevel zu halten. Wir wissen von vielen Kunden, dass sie bereit sind, für guten Service auch einen fairen Preis zu bezahlen." Relativ offen lässt Nemsic die Entwicklung hin zu höheren Preisen anklingen: "Wir gehen davon aus, dass die anderen Netzbetreiber das auch so sehen und es bald eine Trendwende am österreichischen Markt geben wird."
Hinter vorgehaltener Hand sagen es einige Mobilfunk-Manager noch klarer: Die Österreicher werden sich auf zumindest moderat steigende Durchschnittstarife einstellen müssen.
Die Zahlen würden nichts anderes zulassen, wird argumentiert. Die fetten Jahre sind vorbei. 2006 und 2007 sanken die Gesamtumsätze der heimischen Mobilfunkbranche um drei Prozent auf 3,44 Milliarden Euro. Ein Blick in die diversen Bilanzen spiegelt genau das wider: Die Mobilkom konnte im vergangenen Jahr durch die Übernahme der Handysparte von tele2 ihre Kundenzahl auf vier Millionen erhöhen. Der Umsatz ging dennoch um neun Prozent auf 1,66 Milliarden Euro zurück. T-Mobile stagnierte bei 1,18 Milliarden, One bei 624 Millionen.
Noch mehr bedrückt die großteils erfolgsverwöhnte Branche die Entwicklung der Profite. Zwischen 2005 und 2007 fiel das Ergebnis vor Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) bei der Mobilkom von 617 auf 581 Millionen Euro. T-Mobile verlor gar 50 Millionen und hält jetzt bei 336 Millionen. Hutchison 3 steckt weiter tief in der Verlustzone. Lediglich One konnte während der letzten beide Jahre leicht zulegen.
Da ist es ein schwacher Trost, dass es so manchem internationalen Konzern noch viel schlechter geht. Die Deutsche Telekom verbuchte im 4. Quartal 2007 wegen der Kosten für einen massiven Personalabbau 898 Millionen Euro Verlust. Der Aktienmarkt reagierte entsprechend, die Papiere stürzten ab.
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