Google plant Weg in das Gesundheitswesen:
Medizinische Befunde bald online abrufbar
- "Google Health" soll Daten von Patienten abspeichern
- Datenschutzexperten räumen massive Bedenken ein
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"Online-Festplatte" soll neuen Schub bewirken

Google bietet jedermann schon jetzt viel Platz kostenlos seine Daten im Internet zu speichern - ob Fotos, Texte oder E-Mails. Demnächst könnten die Befunde vom Arzt hinzukommen. Google Health heißt die Plattform, auf der die Menschen ihre medizinischen Daten dann selbst verwalten können. Noch steht dieses Angebot nicht öffentlich zur Verfügung, Google-Chef Eric Schmidt nannte jetzt aber erstmals Einzelheiten. Generelle Bedenken, private medizinische Daten im Internet zu speichern, gibt es bei Datenschützern.
Der Zugang sei nur mit einem Benutzernamen und Passwort möglich, ähnlich wie beim Webmail-Angebot Google Mail, erklärte Schmidt. Der Vorteil sei, dass man jederzeit und überall, wo ein Computer mit Internetverbindung zur Verfügung stehe, auf die Daten zugreifen könne. Schmidt betonte, ohne Zustimmung des Nutzers bekämen Dritte keinen Zugang zu den Daten. Auch auf Werbung wolle Google bei der geplanten Speicherung von Gesundheitsdaten verzichten.
"Unser Modell sieht vor, dass der Eigentümer der Daten die Kontrolle darüber hat, wer sie sehen kann", sagte Schmidt auf der Jahreskonferenz der Healthcare Information and Management Systems Society. "Vertrauen ist für Google die wichtigste Währung im Internet."
Derzeit noch am Testparcours
Derzeit wird Google Health noch getestet. Wie Schmidt erklärte, soll dass System aber so offen sein, dass Dritte dort direkt ihren Kunden Dienstleistungen anbieten können, wie zum Beispiel Pläne für die Einnahme von Medikamenten oder Erinnerungen an Impfungen. Profitieren will Google davon, dass durch Google Health die zentrale Startseite für die Internetsuche noch häufiger besucht wird. Ähnlich funktioniert es derzeit schon bei dem werbefreien Google News.
Das in Mountain View in Kalifornien ansässige Unternehmen ist nicht das einzige, das in der Speicherung der persönlichen Gesundheitsdaten der Menschen einen Markt sieht. Microsoft hat schon im vergangenen Jahr ein Angebot namens HealthVault vorgestellt und AOL-Mitgründer Steve Case unterstützt Revolution Health. Bei Microsoft gibt es zwar Werbung, sie ist aber nicht personalisiert im Hinblick auf die gespeicherten Daten oder die eingegebenen Suchbegriffe. Revolution Health ist werbefrei.
Damit gehe "wichtiger Schutz verloren"
Datenschützer haben generell große Bedenken, dass medizinische Daten außerhalb des staatlich geregelten Gesundheitswesens gespeichert werden. Dann gehe "ein wichtiger Schutz verloren, den die Menschen erwarten", erklärt Pam Dixon von der Organisation World Privacy Forum. "Der Arzt hat einen Hippokratischen Eid geschworen und muss in ihrem (der Patienten) Interesse handeln. Ein börsennotiertes Unternehmen denkt vor allem an die Aktionäre."
Schmidt versicherte, das Google-System werde mindestens so sicher sein wie das gegenwärtige. Ohne ausdrückliche Genehmigung bekomme niemand die Daten, sagte Schmidt. Auch bei rechtlichen Klagen werde Google sehr genau prüfen und gegebenenfalls dagegen vorgehen. "Das hat bisher bei uns gut funktioniert."
"Sechs Milliarden Menschen könnten profitieren"
Google Health könne Ärzten und der wachsenden Zahl von Patienten helfen, die das Internet für ihre Suche nach medizinischen Erkenntnissen nutzen. "Sechs Milliarden Menschen könnten von diesem System profitieren. Nur etwa 1,5 Milliarden sind online", sagte Schmidt. "Ein vernünftiges Ziel wäre es, das jede Person, die Zugang zum Internet hat, erwägt, einen persönlichen medizinischen Datensatz anzulegen."
Wie Schmidt erklärte, wird Google Health derzeit mit 1.370 Freiwilligen an der Cleveland Klinik getestet. Wann das Angebot der Allgemeinheit zur Verfügung stehen wird, sagte er nicht. Es werde aber zuerst in den USA und dann schrittweise in weiteren Ländern eingeführt werden. (apa/red)
