Rolando Villazón im exklusiven NEWS- Interview: "Ich quälte mich monatelang"
- Opern-Star über Krise, Angst und seine Rückkehr
- Sänger offen: "Ich war müde, körperlich & stimmlich"

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Nach seiner Zwangspause ist Klassik-Star Rolando Villazón an die Staatsoper zurückgekehrt. Mit NEWS sprach er über die Krise, sein Comeback und was wirklich mit ihm los war.
NEWS: Sie mussten ein halbes Jahr pausieren, ehe Sie im Jänner an die Staatsoper zurückkehrten. Was empfanden Sie beim Comeback?
Villazón: Ich sehe das nicht als Comeback. Ich habe ja nicht jahrelang aufgehört. Ich habe mich nicht in den Ruhestand begeben. Ich nahm fünf Monate Auszeit. In fast jeder großen Sängerkarriere gab es drei bis fünf Monate Auszeit. Ich möchte keine Namen nennen, aber manche großen Sänger haben sogar Jahre pausiert. Das ist etwas ganz Natürliches. Jetzt bin ich wieder da. Diese fünf Monate waren dazu da, die Stimme zu pflegen wie ein überarbeitetes Pferd. Langsam konnte ich sein Vertrauen wieder gewinnen. Ich musste fast weinen, als sie wieder da war.
NEWS: Erforderte der erste Auftritt Überwindung? Und wie hilfreich war die jubelnde Unterstützung des Publikums?
Villazón: Am Tag der Aufführung und besonders bevor ich auf die Bühne musste, sagte ich mir, es geht nicht um dich und deine Rückkehr. Es geht um Werther und nur um ihn. Ich versuchte, mich auf die Psychologie der Rolle zu konzentrieren. Und dann kam der Applaus, das Orchester hörte auf zu spielen. Ich war überwältigt und dachte: Das gilt nicht Werther, das gilt mir! Das wird einer der außergewöhnlichsten Momente in meiner Karriere bleiben. Ich fühlte mich von diesem wunderbaren Publikumgeliebt und möchte ihmmit ganzem Herzen danken.
NEWS: Was ist wirklich mit Ihnen passiert?
Villazón: Ich war müde, körperlich und stimmlich. Ich konnte mich nicht mehr zwischen den Auftritten erholen. Ich war in einem Rhythmus,wo ich keine Zeit hatte, zu überlegen, was ich tat. Ich konnte nur noch reagieren. Der Arzt sagte, ich sollte fünf bis sechs Wochen pausieren, aber ich entschloss mich für fünf Monate. Ich wusste immer, meine Grenzen werden sich selbst zeigen. Und das taten sie. Ich wusste, dass ich auf gefährlichem Terrain kämpfte. Ich quälte mich monatelang. Dann erkannte ich, dass ich mehr Zeit brauchte. Ich lege mein ganzes Herz in jede Rolle. Dazu braucht man eine gesunde Stimme. Wenn ich mich zu sehr auf die Technik konzentrieren muss, dann geht das nicht. Ich kämpfte um die Töne, und das lenkte mich ab. Und dann bekam ich die Panik, dass ich eine Aufführung nicht fertigsingen kann. So etwas ist schrecklich. Es war ein Kampf fürmich, hinaus auf dieBühne zu gehen. Sowill ich nicht singen. Also sagte ich stopp. Als ich die CD im Februar und März vorigen Jahres aufnahm, konnte ichmich noch ganz auf die Interpretation konzentrieren. Dann ging es abwärts.
NEWS: Hatten Sie jemals Angst, Ihre Stimme ganz zu verlieren?
Villazón: Ja. Besonders, wenn man so etwas durchmacht. Ich überlegte mir schon Alternativen zum Singen. Aber die Stimme ist sehr weise. Sie ist wie ein innerer Engel. Sie weiß,wann sie einen zum Aufhören zwingt.
Lesen Sie das Interview in voller Länge im aktuellen NEWS 10/08!
